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Nein zu Gewalt

Donnerstag, 25. November 2010, 11:59 Uhr
Anlässlich des Internationalen Gedenktages – „Nein zu Gewalt an Frauen“ wurde heute auch in Sondershausen eine Fahnenaktion durchgeführt...

An der Fahnenaktion beteilgten sich das Frauenhaus, sowie die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Sondershausen, Angela Böhme, und des Landkreises, Jana Schulz. Hierzu hatte man sich um 09:00 Uhr vor dem Rathaus der Stadt Sondershausen getroffen, um ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.

Fahnenaktion in Sondershausen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Fahnenaktion in Sondershausen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Mit der Teilnahme von Landtagsmitglied Dorothea Marx (SPD), sowie Bürgermeister Joachim Kreyer (CDU) und seiner "Vize" Cornelia Kraffzick (SPD), und Vize Landrat (Georg Schäfer (SPD) hatte die Fahnenaktion auch das nötige poltische Gewicht.

Bundesweit werden rund 2.000 dieser Fahnen an ähnlichen Orten in verschiedenen Städten gehisst. Der Gedenktag geht zurück auf die Ermordung der Schwestern Mirabal am 25. November 1960. Die drei Frauen hatten sich gegen die Diktatur in der Dominikanischen Republik engagiert und waren nach monatelanger Folter vom militärischen Geheimdienst umgebracht worden. Mit der jährlich steigenden Zahl von gehissten Fahnen wird das Vermächtnis dieser drei Frauen eindrucksvoll gewürdigt. Ihr Mut gilt inzwischen weltweit als Symbol die nötige Kraft zu entwickeln um gegen jegliches Unrecht einzutreten.


Dorothea Marx und Ludmilla Krause hissen Fahne


Ludmilla Krause vom Frauenhaus in Sondershausen hatte sich nach dem Hissen der Fahne eine Worte zurecht gelegt (siehe Ansprache). In einem anschließenden Gespräch mit den Politikern verwies Sie darauf, dass das Frauenhaus nichts mit Hartz IV zu tun hat, wie viele Gerüchte behaupten. Die Männer, vor welchen die betroffenen Frauen ins Frauenhaus flüchten, kommen aus allen Schichten der Bevölkerung, ob arm ob reich und unabhängig von den Berufsgruppen. Die älteste betroffene Frau war sogar schon 73 Jahre alt, so Ludmilla Krause.

Natürlich waren auch die Finanzen ein Gesprächsthema. Wir kommen hin, so Ludmilla Krause, auch wenn es an den Fenstern schon zieht und bald etwas mal gemacht werden müsste. In Richtung der Politiker gewandt sagte sie aber auch, wenn die Unterstützung von Stadt und Kreis einbricht, dann könnten auch im Frauenhause die Lichter ausgehen.

Fahnenaktion in Sondershausen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Fahnenaktion in Sondershausen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Umso größer war die Überraschung, dass es noch eine Geldspende für das Frauenhaus gab. Bianca Fliß übergab im Auftrag der Trintatisgemeinde eine Geldspende in Höhe von 250 Euro für die Einrichtung eines Spielzimmers im Frauenhaus. Das Geld ist der Erlös, der durch den Kinder Teenie Sachen Basar jüngst erlöst wurde.

Fahnenaktion in Sondershausen (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Fahnenaktion in Sondershausen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Aus Ansprache von Ludmilla Krause

Über 850 Fahnen der Menschenrechtsorganisation Terre de Farne wehen am 25.11. zum Tag gegen Gewalt an Frauen in gesamt Deutschland. Wir folgen wieder dieser Tradition und sagen "Nein zu Gewalt an Frauen, Mädchen und Kindern". Gewalt ist ein Problem unserer Gesellschaft.

Unsere Gesellschaft tendiert zu mehr Anonymität Dadurch gehen Wichtige soziale Bindungen verloren. Traditionelle Werte wie Solidarität, Hilfsbereitschaft und Mitempfinden werden in den Hindergrund gedrängt, während Konsumorientierung, Gewinnstreben und Ellenbogenmentalität an Bedeutung gewinnen. Gewalt wird immer noch ignoriert, es wird weggesehen.

Was fühlen Frauen und Kinder als Opfer?
Katharina,10 Jahre alt
Am Anfang haben wir zusammen in einer Wohnung gewohnt, Mama, Papa und ich. Manchmal hatten wir schöne Zeiten. Am Wochenende besuchten wir Oma und Opa und hatten Spaß. Manchmal spielte auch Papa mit mir, doch meistens die Mama. Dann haben sich Mama und Papa gestritten. Zuerst hat er nur geschrieen, dann hat er angefangen die Mama zu hauen. Ich hatte immer Angst und konnte nicht schlafen und Mama hat geweint Dann kam auch die Polizei ein paar mal zu uns. Die Polizisten haben der Mama die
Telefonnummer vom Frauenhaus gegeben. Mama hat da angerufen und wir sind ins Frauenhaus gezogen. Ich hatte zuerst Angst, weil ich nicht wusste, was das ist, ein Frauenhaus.

Wir können jetzt ruhig schlafen, ich habe keine Angst mehr, dass er uns haut. Verlässt ein Mann seine Ehefrau, erwartet jeder, dass sie das schluckt und akzeptiert und möglichst noch gute Miene zum Spiel macht Verlässt aber eine Frau ihren Mann, dann kann sie sich kaum von einem sonderlichen Schuldgefühl freimachen, was auch passiert sein mag, er flippt dann aus und läuft dann sozusagen Amok.

Martina M.
Ich denke manchmal an den Aufenthalt im Frauenhaus zurück. Es war für uns eine schwierige Zeit. Auch für die Kinder. Die Trennung der Eltern, von der die Kinder ja auch betroffen waren, die neue Umgebung, es war eine Umstellung des gesamten Lebens. Außerdem war es ungewohnt und nicht ganz einfach plötzlich mit so vielen Fremden in einem Haus zusammenzuwohnen. Wir hätten unser eigenes Zimmer, in das wir uns zurückziehen konnten.

Der Kontakt und die Gespräche mit anderen Frauen waren sehr hilfreich, so konnte ich feststellen, ich bin nicht allein. Was mir passierte, erleben viele Frauen. Ich denke es gibt immer schwierige Zeiten im Leben durch die man hindurch muss. Wenn man
das nicht kann muss man es lernen. Wir haben das damals auch gut gepackt und die Zeit im Frauenhaus hat uns sehr dabei geholfen.

Frauenhäuser sind heute voller denn je. Gewalt geht durch alle Bevölkerungsschichten und Altersklassen. Doch über das Alltagsleben im Frauenhaus existieren die kuriosesten Vorstellungen. Das Frauenhaus bietet Hilfe, Beratung und ein gewaltfreie Atmosphäre, es baut Barrieren ab, die so häufig das Leben der Frauenhausfrauen "draußen" so erschweren.
Autor: khh

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