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Volle Packung Gerechtigkeit

Mittwoch, 23. Februar 2011, 12:30 Uhr
Die IG Metall startet morgen einen Aktionstag zur prekären Beschäftigung. Auch im Landkreis Nordhausen und in Nordthüringen. Es geht vordringlich um die Zeitarbeitsbranche. Im Klartext: Gleiches Geld für gleiche Arbeit...

Schwarz-Zaplinski, Alexander Scharff (Beider IG Metall) (Foto: nnz) Schwarz-Zaplinski, Alexander Scharff (Beider IG Metall) (Foto: nnz)

Die Krise? Die war einmal. Astrid Schwarz-Zaplinski (rechts), die Bevollmächtigte der IG Metall für Nordthüringen, konstatierte, dass in der Wirtschaftskrise keine Massenentlassungen zu verzeichnen waren. 53 Unternehmen mit gewerkschaftlichen Strukturen inklusive Betriebsrat verzeichnet die Nordthüringer IG Metall, zwei davon seien noch in Kurzarbeit. Jetzt aber sei der Aufschwung zu spüren, trotzdem gehe die Zahl prekärer Beschäftigungen in Nordthüringen weiter nach oben. Dazu gehöre eben auch die Zeitarbeit, in der sich 500 bis 700 Frauen und Männer in Nordthüringen befinden. Offiziell, denn die IG Metall geht von einer Dunkelziffer aus, die sich in der gleichen Dimension „aufhält“. Im Durchschnitt erhalten die Leiharbeiter weniger als die Hälfte ihrer fest angestellten „Kollegen“.

Mitunter sei es normal, dass zum Beispiel Betriebsräte mit drei Belegschaften in einer Firma zu tun hätten: die eigentlichen angestellten Mitarbeiter, die Zeitarbeiter und die Frauen und Männer mit so genannten Werkverträgen.

Gegen diese zunehmende Entwicklung wollen die Gewerkschafter nun massiver angehen und wollen die Gesellschaft für dieses Thema sensibilisieren. Mit den Unternehmen wollen Arbeitnehmervertreter verhandeln, dass sie so genannten Besser-Vereinbarungen eingehen. In neun Firmen Nordthüringens sei das bisher der Fall, da werden Zeitarbeiter nach einer gewissen Frist den eigenen Arbeitnehmern gleichgestellt.

Die Stimmung unter den Arbeitnehmer sei nicht mehr so locker, vielmehr führte die Krise dazu, dass Betriebsräte durchaus auch Co-Manager sein können, wenn es darum ging, betriebliche Vereinbarungen abzuschließen. Im vergangenen Jahr konnten in zwei größeren Unternehmen im Eichsfeld und im Unstrut-Hainich-Kreis Betriebsräte installiert werden. So würden auch die Firmenchefs zunehmend erkennen, dass ein Betriebsrat durchaus auch zum Image eines Unternehmens gehöre, was der Rekrutierung von Fachpersonal nicht unbedingt abträglich sein muss. Ein Beispiel dafür ist FEUER Powertrain in Nordhausen, die bei rund 150 Beschäftigten lediglich neun Leiharbeiter haben. Die aber auch Leiharbeiter nach einer gewissen Zeit konsequent übernehmen.

Morgen also soll während eines bundesweiten Aktionstages auf das Problem der Leiharbeit aufmerksam gemacht werden. Dabei will die IG Metall gegen die Ausweitung prekärer Beschäftigung und für gesetzliche Regelungen gegen Lohndumping durch Leiharbeit protestieren. In Nordthüringen werden in vielen Betrieben Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer von den jeweiligen Betriebsräten angesprochen und bekommen ein so genanntes „Fair-Paket“.

Das „Fair-Paket“ ist eine Frühstückstüte die es neben den Zutaten für das leibliche Wohl in sich hat. Die IG Metall informiert auf Flugblättern über die Situation von prekär Beschäftigten und bietet neben Sprechstunden der Betriebsräte auch individuelle Beratungen für Beschäftigte der Zeitarbeit an. Ziel der IG Metall ist es, den Kontakt zu den Beschäftigten der Zeitarbeitsbranche noch fester zu knüpfen und gemeinsam Druck für bessere Arbeitsbedingungen und Equal Pay aufzumachen.

Am Nachmittag verteilt die IG Metall in Zusammenarbeit mit dem Eine-Welt-Laden in der „Kurzen Meile“ der Nordhäuser Altstadt ebenso „Fair-Pakete“. Neben fair gehandelten Produkten des Welt-Landens, enthalten die schwarz-weißen Päckchen Informationsmaterial zu prekärer Beschäftigung und zwar nicht nur in Deutschland.

„Dieser Nachmittag soll die Öffentlichkeit wachrütteln und nicht nur auf die Situation vieler prekär Beschäftigter Menschen in Nordthüringen aufmerksam machen, sondern ebenso den Gedanken von fairen Arbeitsbedingungen weltweit vertreten“, meint Schwarz-Zaplinski. Der Weltladen verkauft ausschließlich fair gehandelte Produkte, welche unter fairen Arbeitsbedingungen in aller Welt hergestellt werden.
Autor: nnz

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