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Der Doktor und das liebe Volk

Samstag, 26. Februar 2011, 12:40 Uhr
Wie weit kann Politik oder die Kaste, die sich dafür hält, noch gehen? Da wird einer Kassiererin wegen 86 Cent gekündigt, ein überführter Abschreiber jedoch weiterhin regieren und ein Heer befehligen darf. Wie ist das zu beurteilen, fragt sich ein Leser der nnz...


Ob und, wenn ja, warum KT (Laut einer großen Tageszeitung ist das der Insidername für Karl-Theodor zu Guttenberg, mit und ohne Doktor. Ob das der Beginn schottischer Sparsamkeit bei dieser Zeitung ist, ist egal. Wir finden es ganz praktisch.) auf mehr als 400 Seiten seiner Doktorarbeit die Welt massiv belogen hat, wissen wir alle nicht.

Seine Erklärungen klingen nur teilweise plausibel. Deswegen sollten wir ihm und ein paar anderen Mitwirkenden in diesem „Trauerspiel mit Lustspieleinlagen“ aber Fragen stellen. Und zwar endlich die Fragen, die unseres Wissens noch kein Bundestagsabgeordneter oder Journalist gestellt hat. Die Antworten können sehr für und sehr gegen ihn sprechen. Deswegen finden wir es ausnehmend verwunderlich, dass wir sie noch nirgends gefunden haben.

Hat der „Doktorvater“ von KT die Arbeit im volltrunkenen Zustand oder ohne eigene Ahnung vom Thema kontrolliert? Die Promotionskommission der Universität Bayreuth hat die Doktorarbeit vor knapp vier Jahren mal mit der Bestnote „summa cum laude“ benotet. Wie konnte sie zu dieser Einschätzung gelangen?

Was wurde eigentlich bei der Verteidigung (also sozusagen der mündlichen Prüfung) der Doktorarbeit geredet? Warum haben die Urheber der nicht gekennzeichneten Zitate so lange geschwiegen?

Wir könnten hier Antworten vorgeben zum Ankreuzen, aber mit Mutmaßungen sollte keine Redaktion arbeiten.
Ob KT wegen dieser Affäre als Minister zurücktreten sollte? NEIN! Zu dieser Antwort kommt man, wenn man langsam „runterrechnet“:
  • Der Minister verliert seinen Job, weil er bei der Doktorarbeit betrogen hat.
  • Der Software-Entwickler verliert seinen Job, weil seine Diplom-Arbeit teilweise abgeschrieben war.
  • Der Chemiker im Labor verliert seinen Job, weil seine Abi-Klausur in Deutsch teilweise vom Banknachbarn stammt.
  • Der Handwerksmeister macht seine Werkstatt zu, weil er für den Meisterbrief massiv „gespickt“ hat. Sein Geselle wird deswegen arbeitslos, aber das ist sowieso eigene Schuld, denn – hätte er nicht abgeschrieben – wäre er schon durch die Mittlere Reife gefallen.
Wer hier vollkommen frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein. Der Doktor ist weg und seine Anhänger blieben KT doch weitgehend erhalten. Abstimmungen im Internet zeigen bis zu 75 % Zufriedenheit mit seiner Arbeit. Wenn also seine Doktorarbeit ordentlich benotet, also zurückgewiesen worden wäre, wären viele Tonnen Druckerschwärze und viele Mbyte Speicherplatz gespart worden.

Fein raus sind dann die Menschen ohne jeden Schulabschluss. Die haben vielleicht auch mal abgeschrieben und wurden erwischt, aber das hat ihnen weder geschadet noch genützt. Und wenn sie sich im weiteren Leben geschickt verhalten haben, sind sie heute vielleicht …...... , oder sogar Bankdirektor. Oder wie konnten Sie sich sonst die weltweite Bankenkrise erklären?
Jürgen Wiethoff
Autor: nnz

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