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nnz/kn-Betrachtung: Erst war die Rührung

Freitag, 11. März 2011, 07:11 Uhr
Monica Lierhaus - einstige Sportmoderatorin, dann Patientin und nun wieder im Fernsehen. Bei ihrem ersten Auftritt eine Welle der Rühung. Hans-Ullrich Klemm sieht die Dinge in seiner Betrachtung ein wenig anders...


Es war der Auftritt vor den Promis und den Millionen an den Fernsehgeräten am 5. Februar diesen Jahres, anlässlich der Verleihung der „Goldenen Kamera“! Gegen Ende dieser Veranstaltung trat ein völlig aufgeregter G. Netzer als Laudatior vor das Mikrofon und bat nach dem Verlesen stotternd die noch kranke Sportmoderatorin Monica Lierhaus erstmals nach aufgetretenen Komplikationen bei einer schwierigen Operation am Gehirn vor zwei Jahren und anschließendem monatelangen künstlichen Koma, wo sie alles neu erlernen musste, auf die Bühne.

Die sofort aufgestandenen Gäste verbreiteten die unterschiedlichsten Gefühle, die bei dem Beobachten der mit kleinen Schritten sich mühsam nach vorn bewegenden Persönchen entstanden. Tränen der Rührung waren nicht nur in den Gesichtern der Damen zu erkennen, als die vom Schicksal schwer geschlagenen Frau mutig, doch irgendwie stark verändert, ihre ersten Worte in der Öffentlichkeit verlas. Auffallend war dabei ihre enorme Willenskraft und Stärke, auch als Vorbild für andere Betroffene wirken zu wollen.

Dafür Respekt, Frau Lierhaus! War aber der vielbeachtete Auftritt von ihr nicht vielleicht doch etwas zu zerbrechlich, hilfsbedürftig und damit etwas zu vorzeitig?

Nun sind ein paar Wochen vorüber. Zurück bleiben die bewegenden Minuten ihres Auftrittes in Berlin. Man könnte im Nachhinein annehmen, dass ihr gewagter Schritt zurück in das grelle Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit nicht unbedingt von Vorteil war, wurde doch ihre Privatsphäre während der Krankheit und der Reha, die heute noch nicht abgeschlossen ist, rundherum geschützt.

Zurück bleibt ein Gefühl einer doch eher zur Schaustellung ihrer Person. Diese war verbunden mit dem eher kitschig wirkenden Heiratsantrag vor allen Gästen und Kameras an ihren jahrelangen Wegbegleiter, dem sie aus Dankbarkeit wohl spontan damit ein Zeichen setzen wollte. Ihm blieb natürlich nichts weiter übrig, als ja, ja, ja zu sagen...Es wäre wohl auch nicht vorstellbar gewesen, wenn der vermeintlich künftige Ehemann „nein“ in diesem Moment gesagt hätte!

Zwischenzeitlich hat die ARD für M. Lierhaus einen vermeintlich nächsten Schritt bekanntgegeben, der aber für einen allgemeinen mächtigen Gegenwind sorgte. Die noch nicht wieder gesundheitlich funktionierende Ex-Moderatorin soll eine Beschäftigung erhalten (laut eigener Satzung dürfen behinderte Mitarbeiter nicht ausgegrenzt werden). Ihr wurde die Nachfolge von Frank Elstner als neue Botschafterin der Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ angeboten. Dort hat sie eventuell ab April, laut Planungen des Senders, zwei aufgezeichnete Kurzauftritte pro Woche und soll sonntags noch die Wochengewinner den Fernsehzuschauern verkünden.

Den ersten Hauptgewinn hat Frau Lierhaus schon jetzt gezogen. Der Gegenwind ist nicht durch ihr Engagement trotz des noch unzufriedenen körperlichen Zustandes entstanden, sondern durch eine Meldung im „Spiegel. Es ist nämlich durchgesickert, dass die neue Lotto-Botschafterin nicht nur das vorzeitige Vertrauen für diese ehrenvolle Aufgabe genießt, sondern dafür auch ca. 450.000 Euro pro Jahr erhalten soll!

Am Beginn der Lotterie hieß der Slogen: “Mit 5 Mark sind sie dabei“! 55 Jahre später kann die neue Botschafterin der eigentlich beliebten Fernsehlotterie darüber nur lachen. Nach Bekanntwerden der Höhe dieses Honorares registrierte der Sender sofort eine überdurchschnittliche Kündigungswelle der Dauermitspieler, da es einfach nicht gut ankommt, dass eine Person, die vorwiegend Geld für Menschen bittet, denen es gerade nicht finanziell gut geht, solch hohe Summen dafür bezieht. Das ist auch ein Beispiel unseres politischen Systems.

M. Lierhaus steht nun deshalb plötzlich in einem anderen Licht. Die Bewunderung, sich wieder zu zeigen, scheint verflogen, da sie sich als prominente Kranke zur Werbefigur eines öffentlich rechtlichen Fernsehsenders in naher Zukunft zur Verfügung stellt. Eine gemeinnützige Organisation und gleichzeitige Zahlung für ihre Botschafterin passen einfach nicht zusammen. Dabei hatte ihr Vorgänger Glück, dass seine wohl noch höheren Honorare erst jetzt bekannt wurden.

Zur Ehre der Verantwortlichen sollte abschließend betont werden, dass die eigentlich immer beliebte Fernsehlotterie von einer GmbH vermarktet wird, die Eigentum der Stiftung “Deutsches Hilfswerk“ ist. Träger dieser Stiftung sind verschiedene Spitzenverbände der Kommunen und die ARD. Die Lotterie erhält keine Rundfunkgebühren.

Man sollte einmal überlegen, wie groß die Anzahl der Teilnehmer sein muss, die mitspielen (und bezahlen), bis zunächst die Summe des Honorares der neuen Botschafterin erreicht wird…….Ehrenamtliche Mitarbeit und dabei trotzdem bekannt bleiben, das gab es scheinbar nur in den früheren Jahren.

Hoffentlich wird das neue Gesicht auch immer vom zu erwartenden Glück begleitet werden.
Hans-Ullrich Klemm
Autor: nnz

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