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Kurzweiliger Abend mit Reinhold Andert

Donnerstag, 07. April 2011, 13:20 Uhr
Die 5. Ebelebener Werkstattlesung war für die über 80 Zuhörer, die aus nah und fern gekommen waren wieder ein ganz besonderes Erlebnis. Wie der Abend ankam, erfahren Sie hier...

Der Berliner Liedermacher und Autor Reinhold Andert fesselte die Zuhörer mit seinen Ausführungen aus den Werken "Der Sturz- Erich Honecker im Kreuzverhör" und "Nach dem Sturz: Gespräche mit Erich Honecker". Bürgermeister Uwe Vogt konnte wieder zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens begrüßen, darunter Vize- Landrat Georg Schäfer und Vizebürgermeister Jürgen Kern aus Ebelebens Partnergemeinde Mitwitz. Er dankte insbesondere dem Gastgeber den Mühlhäuser Werkstätten sowie dem bewährten Kooperationspartner, der Landeszentrale für Politische Bildung. Deren Chef, Franz- Josef Schlichting gab das Lob zurück und betonte, dass er gern nach Ebeleben komme, da hier alles bestens organisiert sei und ein gespanntes Publikum warte. Anschließend übernahm er die Vorstellung des Berliner Autors Reinhold Andert.

In beeindruckender Weise erklärte Andert, wie er, der 1980 aus der SED ausgeschlossen wurde, neun Jahre später durch Zufall zu den Honeckers gelangte. Sonja Yáñez Betancourt, geborene Honecker lebte einst in der Nachbarschaft der Anderts in Berlin. Durch in etwa gleichaltrige Kinder ergab sich in den achtziger Jahre der Kontakt. Als im Wendemonat November des Jahres 1989 die Honeckers aus der Siedlung Wandlitz flogen, fanden sie zunächst Unterschlupf bei ihrer Tochter. Hier begegnete Reinhold Andert den einst mächtigsten Personen der DDR und er baute ein gewisses, wenn auch distanziertes, Verhältnis auf. Später nutzte er seine Kontakte zu den obersten kirchlichen Würdenträgern der Evangelisch- Lutherischen Kirche, unter anderem zum Altbischof Albrecht Schönherr.

Schönherr leitete 1978 die kirchliche Delegation beim Treffen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR und dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker. Damals erhielt die evangelischen Kirche Autonomiegewinne im Gegenzug für Konfrontationsverzicht. Und so kamen die Honeckers auf Vermittlung Anderts von Ende Januar 1990 bis Anfang April bei der Familie des Lobetaler Pfarrers Uwe Holmer in den Hoffnungstaler Anstalten unter. In dieser Zeit besuchte Andert auf Bitten von Sonja Yanez Betancourt deren Eltern regelmäßig. In Folge der stundenlangen Gespräche entstanden im Nachgang die beiden Bücher. Andert, der als junger Mensch das Bischöfliche Vorseminar besucht hatte, war so ein wichtiger Ansprechpartner der Honeckers.

Interessant waren aber auch die Ausführungen des Autors über die erste Begegnung mit dem damaligen Staatsratsvorsitzenden. Aus Anlass der Trauerfeier des berühmten Sängers Ernst Busch ("Spaniens Himmel") trat er mit einem kritischen Lied über Buschs zeitweiligen SED- Ausschluss angeblich gegen Honeckers Willen auf. Zehn Jahre später erfuhr dann Andert, dass dieser Sachverhalt nie an Honecker direkt heran gedrungen war. Höchst interessant waren auch die Ausführungen zur guten Beziehung zwischen Margot Honecker und Wolf Biermann, einige Interpretationen ließen die Zuhörer aufhorchen. Nachdem der Autor seine Ausführungen beendet hatte, griff Reinhold Andert auf Wunsch des Publikums zur Gitarre und spielte "Blumen für die Hausgemeinschaft" und "Das Leben ist schön", eine Nachdichtung eines Liedes von Wladimir Wyssotzki.

Man darf nach diesem Auftritt schon auf die Fortsetzung der Werkstattlesung gespannt sein, alle Kooperationspartner bekannten sich dazu.

Uwe Vogt
Ebeleben

PS
Wie kn erfuhr, ist die 6. Werkstattwoche bereits in Planung. Wir werden Sie rechtzeitig über den Termin informieren.
Autor: khh

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