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Die Zukunft des Radios

Montag, 09. Mai 2011, 10:20 Uhr
Wie geht es nun weiter mit dem guten alten Radio? Diese Frage stellen sich immer wieder viele Menschen im Hinblick auf das Abschaffen des analogen Empfangs. Dazu ein Beitrag von nnz-Autor Jürgen Wiethoff...


In den Kommentaren zu „Ende einer Ära“ (Freitag, 29.April 2011, 13:36 Uhr) hatte ich den nnz-Lesern Licht in das Dunkel der Zukunft ihrer guten, alten AM/FM-Radios von Stereoanlage bis Duschradio für 9,99 Euro versprochen. Die Informationsbeschaffung dazu entpuppte sich als nahezu unmöglich. Dennoch wage ich mal einen optimistischen Blick in meine Glaskugel: Vor 2020 ist der Ausstieg aus der analogen Radiowelt in Deutschland nicht zu vollenden. Bis dahin sind Ihre alten Geräte also noch zu gebrauchen.

Ein mir gut bekannter und immer sehr informierungsfreudiger „Insider“ der Szene ist in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Eine Anfrage über das Kontaktformular der ARD-Homepage am 1.5.2011 blieb bis in die Abendstunden des 8.5.2011 unbeantwortet. Die ARD-Homepage zum Thema „Radio hören – aber wie?“ ist Stand vom 10.08.2009. Was allerdings viel schlimmer ist: Der oder die Verfasser haben bis heute nicht gemerkt, dass man ihnen damals einen doch stark gebrauchten Tag angedreht hatte. Hier ein paar Beispiele:
Zitat: „Für den analogen Empfang braucht man ein UKW-Gerät (terrestrisch), ein stationäres Radio mit Antenneneingang (Kabel) oder einen analogen Receiver sowie eine Parabolantenne (Satellit).“

Wie empfängt man Lang-, Mittel- und Kurzwelle?
Ist ein „stationäres Radio mit Antenneneingang (Kabel)“ nicht sinnvoller Weise auch ein UKW-Gerät? „Huckepack“ über analoge Fernsehsatelliten ausgestrahlte Hörfunkprogramme haben zum großen Teil bereits ihren Betrieb eingestellt und die letzten müssen das zwangsläufig am 30.4.2012 tun, weil der „tragende“ Fernsehsender abgeschaltet wird. Zitat: „Wie lange gibt es noch UKW? Bis 2015 sollen die analogen UKW-Frequenzen der ARD-Sender voraussichtlich abgeschaltet werden.“ und am Ende des Absatzes ist zu lesen: „Wer sich ein Radio anschaffen möchte, liegt also mit einem UKW-Gerät nach wie vor richtig.“

Ob die Verfasser bei dem genannten Termin mit diesem Ratschlag richtig liegen, möchte ich Ihrer eigenen Beurteilung, möglicherweise nach einem Blick auf Ihr Girokonto, überlassen.
Zitat: „......weil die analoge und digitale Verbreitung nicht parallel erfolgen kann, wären UKW-Geräte bei Abschaltung des Signals sofort nutzlos.“ Bei unseren Nachbarn in Dänemark funktionieren analoge und digitale Verbreitung parallel bestens. Zu Studienzwecken braucht man die ARD-Expertengruppe gar nicht mal gebührenfinanziert dort hin zu schicken. Ein Wochenendausflug in küsten- bzw. grenznahe Teile Schleswig-Holsteins oder von Mecklenburg-Vorpommern reicht vollkommen.

Dann gibt es auf dieser Seite noch eine „Übersichtskarte aller Hörfunkwellen der ARD-Landesrundfunkanstalten“. So etwas konnte ich mir gar nicht vorstellen, wollte es aber gerne einmal sehen. Sie brauchen nicht selbst zu klicken. Man findet eine stilisierte Deutschlandkarte mit den Ländergrenzen und den Logos der Landesrundfunkanstalten. Kleine „Köstlichkeit“ am Rande ist: In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Rheinland-Pfalz gibt es auf dieser Karte gar keine „Hörfunkwellen“. Das sollten alle Betroffenen vielleicht mal der GEZ mitteilen.

Hier noch ein paar Ratschläge:
Wenn Sie sich ein neues Radio anschaffen wollen, weil das alte in die Jahre gekommen ist oder einfach nicht mehr schön aussieht: Warten Sie damit bis verlässliche Informationen zur Zukunft der Hörfunkprogramme vorliegen. Wenn Sie eine Neuanschaffung tätigen müssen, denken Sie über Geräte mit zukunftsträchtigen Schnittstellen nach. Empfehlenswert ist beispielsweise eine Stereoanlage ohne Empfangsteil. Diese können Sie mit Geräten aus dem Internet-Versandhandel in kleiner Kofferradiogröße komplettieren, welche sowohl analoge als auch digitale Radioprogramme empfangen können.

Achten Sie darauf, dass dieses Gerät die Standards DAB und DAB+ und mindestens den konventionellen UKW-Bereich empfangen kann. Bei den Schnittstellen sollten Sie unbedingt auf Stereo-Ein- bzw. -Ausgänge Wert legen. Einen Ausgang für Stereokopfhörer haben fast alle diese manchmal auch DAB-Radios genannten Geräte und dieser ist auch bedingt geeignet. Idealerweise, jedoch leider sehr selten, haben beide Geräte optische oder elektrische SPDIF-Verbindungsmöglichkeiten. Die infrage kommenden einfacheren Empfangsgeräte kosten je nach Händler um 120 Euro.

Das Autoradio können Sie im Allgemeinen nicht mehr selbst aussuchen. Es gibt aber meines Wissens in Deutschland ohnehin nur noch Restbestände analog- und digitaltauglicher Autoradios mit veralteten digitalen Standards. Es ist also nicht sinnvoll, hier im Moment einen Wechsel vorzunehmen. Ich bin recht sicher, dass es auch für Autoradios vor Abschaltung der analogen Sender Geräte ähnlich der heutigen Setup-Boxen für digitales Fernsehen geben wird, mit welchen Sie die neuen Standards über Ihr eingebautes Radio empfangen können.
Auch in Lang-, Mittel- und vor allem Kurzwelle schreiten die Digitalisierungsversuche voran. Die Decodierung überlässt man hier meistens einem Computer, so dass Empfangsversuche im Moment noch auf interessierte Bastler, Computerfreaks etc. beschränkt sind. Diese sollen aber, „unbestätigten Gerüchten nicht amtlicher Nachrichtenagenturen zufolge“, durchaus vielversprechend sein. Eigene Erkenntnisse habe ich nicht. Sich als absoluter Laie damit zu beschäftigen, erscheint mir nicht ratsam.

Zum guten Schluss noch vier Sätze zum Internet-Radioempfang: Wenn Sie einen Computer mit Soundkarte und einen schnellen DSL-Zugang haben, probieren Sie es einfach einmal aus. Programme gibt es dafür viele, auch kostenlos. Diese finden die vorhandenen Sender (wenn Sie es vermissen in unserer Gegend z.B. auch Radio Brocken) ganz von allein und der Service dort ist scheinbar unendlich. Die Übertragungsqualität ist nur abhängig von Ihrer DSL- oder HSPA-Geschwindigkeit und kann bei optimalen Verhältnissen sehr gut sein.
Jürgen Wiethoff
Autor: nnz

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