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Energiewende abgewendet?

Samstag, 11. Juni 2011, 00:47 Uhr
Ob Atomstrom oder erneuerbare Energie, den Sondershäusern geht die Diskussion darüber am sprichwörtlichen "Hut" vorbei. Das Desinteresse ist eigentlich erschreckend, so auch heute bei einer anberaumten Diskussion im Carl-Corbach-Club von Sondershausen...

Als kn im Vorbericht schrieb:
"Möglichst viele Teilnehmer erhofft man sich zur öffentlichen Diskussion über die Energiewende auf kommunaler Ebene. Prominente Diskussionspartner aus Wirtschaft und Politik haben sich für Freitag angesagt", schwang wohl schon die Befürchtung mit, am Freitag vor Pfingsten wird das wohl keine "Massenveranstaltung. Hatte Bundestagsmitglied Patrick Kurth (FDP) das "Glück" wenigstens gut fünf "echte Besucher" zu haben, der Rest war Präsidium, Presse und berufsmäßige Anwesende, als es um die Diskussion zum Thema Atomausstieg ging, kam es heute für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN so richtig dicke, denn BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hatten eingeladen.

Energiewende abgewendet (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Energiewende abgewendet (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Öffentlich sollten und haben debattiert, der Geschäftsführer der Stadtwerke Sondershausen Wilhelm Schreier (re.), das Vorstandsmitglied von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Thüringen Roberto Kobelt (li.), Moderator Dirk Adams (Mitte), Mitglied des Landtages für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und energiepolitischer Sprecher seiner Fraktion (und sein Wahlbüroleiter), die beiden Kreissprecher der Grünen Kyffhäuserkreis, Babette Pfefferlein und Jürgen Rauschenbach, die 1. Beigeordnete des Bürgermeisters der Stadt Sondershausen Cornelia Kraffzick (SPD) und zwei Pressevertreter. So indiskret wollte kn nicht sein, die einzige echte Besucherin nach ihren Namen zu fragen.

Vertreter anderer Parteien, Kommunalpolitiker oder gar Stadträte (außer Jürgen Rauschbach) scheinen alle schon im Pfingsturlaub. Man will ja nicht gehässig sein, aber den Bürger scheint hauptsächlich zu interessieren, dass der Strom auch wirklich aus der Steckdose kommt und das er nicht zu viel bezahlen muss. Sicher gibt es auch eine ganze Reihe Bürger, die auf Ökostrom setzen, wie Wilhelm Schreier zu berichten wusste, und einen reinen Ökostrom beziehen, aber warum noch zur Diskussion gehen? Woher sollen denn die Politiker wissen, wie sie handeln sollen, wenn sich kein Mensch um die Problematik schert?

Dabei sollten gerade die Landes- und Bundespolitiker herhören. Ein nicht zu unterschätzender Punkt der Energiewende ist die Einsparung von Energie. Hier waren die Forderungen von Roberto Kobelt recht klar und eindeutig. Er vermisst zu wenig Fördergelder die auch wirklich bei der Energieeinsparung helfen. Denn zukünftig könnten, nein sollten, beim sogenannten Energiemix rund 25 Prozent aus der Einsparung sein. Roberto Kobelt bezeichnete es als kurzsichtig, die Kommunen nicht bei der Energieeinsparung zu unterstützen, wissend um die Tatsache, die Kommunen haben kaum Geld, um hier die nötigen Investmittel aufzubringen. Cornelia Kraffzick hörte es aus Sicht der Stadt mit Wohlwollen.

Und auch eine andere Sache konnte man positiv registrieren. Bei den Stadtwerken Sondershausen geht man mit recht viel Übersicht an die Energiewende ran. Man hetzt nicht allen Trends gleichzeitig hinterher, um sich vielleicht zu verzetteln oder gar bei den Investitionen "zu verheben". So wird schon wegen der niederschlagsarmen Gegend, das Thema Biomasse für die Stadtwerke nicht das große Thema sein, so Schreier, wil die Rohstoffe in Stadtnähe nicht da sein werden. Mehr Hoffnung setzt Schreier auf kleine Blockheizwerke, die auch schon im Falle einer Kindereinrichtung getestet wird. Und bei der Frage Photovoltaik liegt man in Thüringen an der Spitze und neue Varianten sind schon im Gespräch.

Wo man stärker einsteigen will, so Schreier, sei die Windkraft. Deshalb engagiert man sich in der Windkraft, so bei Immenrode im sogenannten Repowering, sprich Austausch kleiner Windkraftanlage durch größere Anlagen. Dabei rechnen die Stadtwerke mit der Unterstützung der Stadt und hofft wegen der Windräder auf wenig "Gegenwind" aus der Bevölkerung.

Wenn Moderator Dirk Adams abschließend Roberto Kobelt fragte, für wann hält er den Atomausstieg für möglich und welche wichtige Maßnahme bei der Energiepolitik sollte zuerst kommen, dann erhielt er folgende Antworten:
Kobelts Wunsch ist, dass bereits 2017 kein Atomstrom mehr erzeugt wird in Deutschland, hält aber den Termin für 2021 / 2022 für realistischer.

Als wichtigste Maßnahme bezeichnete Kobelt: "Regionale Energieversorgung stärker" . Wilhelm Schreier dazu, das kann ich nur unterstreichen. So endete ein interessanter Diskussionsnachmittag, der doch weitgehend ein "Arbeitstreffen" der Politiker Kraffzick, Kobelt und Adams mit dem Wirtschaftsmann Schreier war, und sich die Bevölkerung selbst ausgesperrt hatte. Trotzdem, bzw. gerade vielleicht deswegen, sollen solche Diskussionen weitergeführt werden, in der Hoffnung doch noch Interesse bei der Bevölkerung hervorzurufen.
Autor: khh

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