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Getobt und applaudiert

Montag, 13. Juni 2011, 19:30 Uhr
Eine überwältigende Ballettgala ging am Pfingstsamstag gegen 21.30 Uhr im Theater Nordhausen zu Ende. Das Publikum tobte und applaudierte bis die Tänzer in ihre Garderoben verschwunden waren. Lachende Gesichter auf beiden Seiten...


Die 40 Tänzer aus acht Ballettkompanien aus Deutschland und Kanada freuten sich über den großen Anklang und die Zuschauer über einen unvergesslichen Abend. Beeindruckend war nicht nur die Vielfalt tänzerischen Könnens, sondern auch die sehr unterschiedliche "Machart".

Nach der sehr herzlichen Begrüßung und die gemeinsame Moderation von Intendant Lars Tietje und Ballettdirektorin Jutta Ebnother zeigten die angereisten Tänzer und die gastgebende Kompanie in knapp zwei Stunden, wie vielgestaltig Tanz heute sein kann. Jutta Ebnother versprach den Besuchern des Abends, dass sie zu dieser Gala erleben können, was derzeit im Tanz angesagt ist. Und sie hatte nicht zuviel versprochen.

Den Auftakt gab das Ballett des Theaters Nordhausen in einer Choreographie von Jutta Ebnother mit einem mitreißenden Ausschnitt aus "Bunt, schrill und sexy" - einer Auseinandersetzung mit der Kunstrichtung Pop-Art. Das Pfalztheater Kaiserslautern gastierte mit einem von Stefano Giannetti choreographierten Abenteuer der „Alice im Wunderland“, einem Tango der Herzdame mit dem Pikbuben.

Die Tanzcompagnie Gießen entführte mit „C’est la vie“ nach Paris, die Stadt der Liebenden. Drei Tänzer des Balletts vom Theater Koblenz wussten mit „Alma, meine Seele“ zu Mahlers letzter, der unvollendeten 10. Sinfonie zu überzeugen. Die gastgebende Nordhäuser Kompanie wusste zudem noch mit einem eindringlichen, aus tiefster Seele gestalteten Solo Nina Monteiros zu Klezmer-Musik sowie mit einem Ausschnitt aus dem kraftvollen, aber durchaus auch heiteren „White Man Sleeps“ von Nick Hobbs zu gefallen.

Schülerinnen der Theaterballettschule Magdeburg, an der interessierte Laien in Bühnentanz ausbildet werden, zelebrierten zu Dulce Pontes sehnsüchtigem „Canção do Mar“, selbst wie Wellen schwingend, ein Gebet junger Frauen ans Meer. Mit „Vertigo maze“, der Choreographie eines führenden europäischen Tanzschöpfers, demonstrierten Studierende der Palucca Hochschule für Tanz Dresden, das existenzielle Fragen des menschlichen Lebens durch sich bewegende Menschen den Zuschauer bewegend dargestellt werden können.

Kostüme, die die Studierenden wie nackt erscheinen ließen, betonten, dass der Tänzer außer seinem Körper nichts braucht, um zu reden. Zwei weitere Höhepunkte der Gala kamen aus Stuttgart und aus Kanada und wurden von Freien Theatergruppen gezeigt. Der zur Eric-Gauthier-Dance-Company gehörende Rosario Guerra zeigte, wie „A Single Man“ durch die Welt geht: Kaum eine Bewegung kann wirklich zu Ende geführt werden, weil schon eine nächste folgen muss.

Die Brasilianerin Monica Proença, die in Kanada lebt, brachte sieben Tänzer ihrer „Lamondancers“ aus dem kanadischen Vancouver nach Nordhausen mit und demonstrierte im abschließenden Beitrag eindrucksvoll, wie schwer und wie schön es ist, wenn Menschen das Leben nicht aufgeben wollen und dafür gemeinsam kämpfen. Einen besseren Abschluss dieses grandiosen Ballettgala hätte es nicht geben können.
Autor: nnz

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