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Kein Wirtschaftsbezug

Freitag, 17. Juni 2011, 10:34 Uhr
Die Wirtschaft kommt in deutschen Schulbüchern nicht gut weg. Das behauptet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln nach einer Analyse von 155 Schulbüchern aus allen Bundesländern und belegt damit die Thüringer Ergebnisse einer Untersuchung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt...


„Wir haben 30 unterschiedliche Thüringer Schulbücher unter die Lupe genommen und mussten feststellen, dass Wirtschaft und Unternehmertum zum Teil sehr negativ und einseitig dargestellt sind“, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Die meisten Publikationen würden beispielsweise Unternehmen pauschal mit Großkonzernen gleichsetzen – der Mittelstand existiere überhaupt nicht. „Die wahre Rolle kleiner und mittlerer Unternehmen als wichtigste Akteure des Wirtschaftskreislaufs wird schlichtweg heruntergespielt“, kritisiert der IHK-Chef.

In den Artikeln wären moderne Firmen nur auf Gewinnmaximierung und stetige Leistungs- und Produktivitätssteigerung orientiert, die unter ständiger Ausnutzung der Arbeitskraft der Angestellten stattfinde. „Die Wirtschaft ist jedoch weder böswillig, noch stellt sie eine Bedrohung dar. Sie ist vielmehr die Basis unseres gemeinschaftlichen Zusammenlebens“, empfiehlt Grusser die grundlegend inhaltliche Überarbeitung der Artikel.

Denn wichtige Aspekte der unternehmerischen Verantwortung, des unternehmerischen Risikos oder der Finanzierbarkeit der staatlichen Sozialleistungen würden – wenn überhaupt – nur im Nebensatz dargestellt. „Dies ist natürlich bedenklich, da Schulbücher wichtige Leitmedien der Erziehung und Bildung für Jugendliche sind und diese maßgeblich in ihrer Sichtweise beeinflussen. Den Lehrmaterialien wird von den Schülern naturgemäß ein hoher Wahrheitsgehalt beigemessen“, gibt Grusser zu bedenken. Er würde es begrüßen, wenn die Abbildung der Wirtschaft mit ihren dahinter stehenden Mechanismen sowie die sozialen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge objektiver erfolge.

Besondere Erwähnung fänden Unternehmen in den Texten immer dann, wenn es um Themen wie beispielsweise Umweltverschmutzung oder auch Produktionsstättenverlagerung im Ergebnis der Globalisierung ginge. „Trotzdem sollten aber jetzt nicht alle Schulbücher mit wirtschaftlichem Bezug pauschal als unseriös gelten. Vielmehr müssten Pädagogen darauf achten, mit unterschiedlichsten Mitteln wirtschaftliche Gesamtzusammenhänge aufzugreifen und damit die ökonomische Kompetenz der Schüler zu fördern“, mahnt Grusser.

Die IHK Erfurt habe bereits auf die Untersuchungsergebnisse reagiert. An jede Regelschule und jedes Gymnasium im Bereich der IHK wurde jeweils ein kostenfreies Arbeits- und Ansichtsexemplar einer knapp 50-seitigen DIHK-Broschüre „Märkte verstehen“ versendet. Zusätzlich lobte die Kammer erfolgreich einen Schulwettbewerb aus, in welchem 25 vollständige Klassensätze an die Sieger gingen.

„Die Broschüre erklärt praxisnah und anschaulich anhand konkreter Beispiele, wie die Wirtschaft in all ihren Facetten funktioniert. Mit dieser Aktion wollen wir die Schulen in Nord- und Mittelthüringen dabei unterstützen, mehr Wirtschaftskenntnisse im Klassenzimmer zu vermitteln – und dies auf unkomplizierte, interessante und vor allem objektive Weise“, so der IHK Chef.
Autor: nnz

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