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Richter Kropp: Kommunikation ist alles

Montag, 04. Juli 2011, 10:18 Uhr
Familiengerichte haben es nicht einfach! Da erscheint ein getrennt lebender Vater vor dem Amtsgericht Sondershausen und trägt vor, er wolle das Sorgerecht für seine 5jährige Tochter. Die Kindesmutter, bei der die Tochter lebe, sei Alkoholikerin, habe einen Unfall mit 2,2 Promille verursacht und das Kind alleingelassen...


Im Termin erschien dann die Mutter, die keineswegs den Eindruck einer strammen Alkoholikerin machte. Sie sei eine liebende Mutter und habe einmal einen Fehler begangen und in einer Krisensituation zuviel getrunken. Das habe sie bitter mit dem Verlust des Führerscheins zu bereuen gehabt. Sie sei jedoch keine Alkoholikerin.

Zu Beginn der Familiensitzung machte Familienrichter Christian Kropp deutlich, dass er von Alkoholikern wenig halte. Wer sich mit 2,2 Promille betrinke und dann noch herumfahre, habe ein massives Alkoholproblem. Solche Personen seien zur Erziehung der Kinder oftmals nicht die geeigneten Menschen. Die Frage war, wie über das Schicksal des Kindes zu entscheiden war. Denn dessen Wohl stand hier im alleinigen Mittelpunkt.

Das Gericht hatte die Möglichkeit, dem Vater das Sorgerecht zuzubilligen, es bei der Mutter zu belassen oder die Eltern gemeinsam in dieses Recht einzusetzen. In der Verhandlung kam aber schnell heraus, dass der Vater seine Tochter ein Jahr lang nicht mehr gesehen hatte. Die Kommunikation zwischen den Parteien klappt einfach nicht, zu Lasten ihrer Tochter.

Der Verfahrensbeistand äußerte hier nicht unerhebliche Zweifel, war doch der Vater im Flur des Amtsgerichts ohne einen weiteren Blick an seiner kleinen Tochter vorbeigegangen. Dies war für das Gericht das Stichwort, den Umgang mit dem Kind erstmals richtig zu regeln. Die 5jährige verbleibt bei ihrer Mutter, der Vater soll aber durch regelmäßigen Umgang eine Kontrolle haben. Gleiches gilt für das Jugendamt, das in diesem Fall besonders sensibilisiert ist.

Familiengerichte haben es nicht einfach! Am Ende der Sitzung waren aber alle Parteien über die Entscheidung erleichtert, sogar die 5jährige, die so lange ihren Vater nicht mehr gesehen hatte. Ein besseres Ergebnis einer Sitzung kann man sich kaum wünschen. Hätten die Parteien miteinander kommuniziert, wäre dieses Verfahren eigentlich nicht erforderlich gewesen.
Autor: nnz

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