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nnz/kn-Betrachtung: Am Abgrund?

Dienstag, 09. August 2011, 13:17 Uhr
In Nordhausen ist es gemütlich. Es wird ja auch viel gefeiert. Zumindest gemütlicher als in London oder an den europäischen Börsen. Gemütlicher vermutlich auch als in einigen Regierungsstübchen diesseits und jenseits des angeblich so großen Teiches...


War da nicht mal irgendwas? Eine Finanzkrise, die zur Wirtschaftskrise ausuferte? Das war vor zwei oder drei Jahren, also Schnee von gestern. Doch diejenigen, die diese damalige Krise zu verantworten hatten, die wurden nicht kaltgestellt, die bezogen wiederum horrende Gehälter und Boni. So, als ob nicht gewesen wäre.

Ist es auch nicht, denn das System, das all diese Verwerfungen möglich macht, ist immer noch das gleiche. Es hat nicht gelernt, es hat sich nicht angepasst, es scheint wie Beton zu sein. Auch in den Antworten (wenn es denn noch welche sind), die seine Verfechter dem Volke liefern. Vertrauen auf Gott und Frau Merkel - so in etwa lautet die Parole. Ich persönlich traue weder dem einen, noch der anderen.

Warum? Weil Politik in diesem System nicht Politik sein kann, was sie sein sollte und müsste: Das Wort Politik bezeichnet die Angelegenheiten, die die Einrichtung und Steuerung von Staat und Gesellschaft im Ganzen betreffen. Es umfasst dabei alle Aufgaben, Fragen und Probleme, die den Aufbau, den Erhalt sowie die Veränderung und Weiterentwicklung der öffentlichen und gesellschaftlichen Ordnung anbelangen. Politik „bezeichnet jegliche Art der Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen, sei es in privaten oder öffentlichen Bereichen.“

Was aber ist die öffentliche und gesellschaftliche Ordnung? Für mich ist das auch, dass sich die Wirtschaft, vor allem aber die Finanzwirtschaft dem unterordnen und einordnen muss. Doch davon ist seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr viel zu spüren. Vor allem die Banken machen was sie wollen. In erster Linie Geld - für sich selbst, das heißt, für ihre Besitzer. Denn letztlich gilt immer noch die uralte Börsefloskel, dass das Geld, das Sie verloren haben, ein anderer hat. So entsteht Reichtum, von dem die wenigen, die ihn besitzen, immer weniger abgeben wollen und sich damit asozial verhalten.

Zu all diesen Verwerfungen kommt vor allem in Deutschland die immer größer werdende Kluft zwischen denen da oben und denen da unten. Kann mir vielleicht mal jemand vernünftig erklären, warum nur wenige Menschen immer mehr Geld haben müssen, dafür immer mehr Menschen mit immer weniger Geld auskommen müssen? Ich meine all die, die am Tage arbeiten und am Monatsende nicht wissen, wie sie sich oder ihre Familie über die Runden bringen sollen. Warum verdient ein Bankmanager mehr als eine Million Euro im Monat, ein Vollzeit arbeitender Wachmann nicht einmal 1.000 Euro. Vermutlich ist der eine fleißiger als der andere. Vermutlich.

Eine weitere Frage ist die: Wie lange lassen sich Millionen von Menschen das alles noch gefallen? Auch in Deutschland wird diese Frage zu stellen sein, nicht nur in London. Wie lange noch halten die medialen Drogen, die Verdummungen, die Lügen und die Halbwahrheiten. Frau Merkel und all die anderen politischen Marktwirtschaftler werden erkennen müssen, dass sie endlich das machen sollten, was Politik ausmacht - für das Wohl aller Menschen zu sorgen, verändern, gestalten. Denn nur alle Menschen zusammen sind der Staat oder die Gesellschaft. Oder habe ich das alles falsch verstanden?
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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