kyffhaeuser-nachrichten.de

Einladung auf eine Burg

Donnerstag, 18. August 2011, 14:22 Uhr
Burg Lohra unweit von Nordhausen wurde vor 895 das erste Mal erwähnt. Damals gehörte sie Graf Berengar von Lare (Lohra). An diesem Wochenende steht die Burg erstmals mit einem mittelalterlichen Burgfest im Mittelpunkt und ist zur Besichtigung offen...


Das Burgfest führt zurück in die Zeit der Staufer. Die Grafen von Lohra hatten damals königliche Ämter inne und somit genug Geld, um die Burg großzügig auszubauen, was in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auch geschah und zum Teil bis heute noch zu sehen ist. Ein interessantes Detail der einstmals riesigen Burganlage wird an diesem Wochenende in Szene gesetzt: die Doppelkapelle.

Das Erdgeschoss bot Platz für die Andacht der Burgbewohner und Angestellten, im Obergeschoss betete die Herrschaft. Stefan Weyh, den Frontman der Spielleute Scharlatan, reizen solche historischen Gemäuer: „Das Musizieren in solchen Räumen ist etwas ganz Besonderes“ erklärt der Sachse. „Hier klingen die alten Instrumente richtig gut und man bekommt ein wirkliches Gefühl davon, wie unsere Vorfahren Musik erlebt haben.“ Mit seiner Harfe – einem im Mittelalter typischen Instrument – wird Stefan Weyh mehrmals am Tage in der Kapelle zu hören und zu sehen sein.

Turbulenter und bunter ist das Geschehen auf dem Burghof, von dem man auch jetzt, 400 Jahre nach der mehrfachen Zerstörung der Burg im dreißigjährigen Krieg, eine großartige Ahnung hat. Auf einer Bühne wechseln sich die Spielleute „Feuerdorn“ und „Scharlatan“ ab, während auf einer freien Fläche davor wackere Ritter aller zwei Stunden zeigen, dass sie die Burg gegen Schurken und Halunken verteidigen können.

Ein Gaukler, Magier und Zauberer zeigt den kleinen und großen Zuschauern seine Kunststückchen und an verschiedenen Handwerkerständen kann man mitmachen oder zusehen, kaufen, feilschen oder in Ermangelung der richtigen Taler Klagelieder singen.

Ein Wochenende für die Familie, bei dem eine uralte Burg mit ihrer Romantik im Mittelpunkt steht. Wenn auf den Plätzen Pause ist, kann man die Zeit für einen Bummel über das Burggelände nutzen und sich davon überzeugen, dass die Anlage einst in ihren Ausmaßen gigantisch gewesen sein muss: 140 x 240 m Fläche – so groß waren im 12. Jahrhundert nur Reichsburgen.

Die dicken Mauern und die Reste des Pallas zeugen davon, dass es den Grafen zu Lohra bei Baubeginn darauf ankam, eine ebenso mächtige und stolze Burg wie die Runneburg oder die Neuenburg zu errichten. Doch zu Beginn des 13. Jahrhunderts endete die bis dahin so ehrgeizige Geschichte der Grafen zu Lohra und man geht davon aus, dass Graf Ludwig IV. vom Kreuzzug ins Heilige Land nicht zurückkehrte. Anschließend übernahmen unterschiedliche Grafengeschlechter mitunter gewaltsam die Burg, die zudem im dreißigjährigen Krieg mehrfach zerstört wurde und danach zum Teil als Steinbruch diente.

Die so entstandenen freien Flächen im Burginneren ermöglichen es den derzeitigen Nutzern - dem Verein Offene Häuser e.V. - Zelte für Übernachtungen aufzustellen. Zudem können die Besucher von hier aus eine schöne Aussicht auf den Harz genießen. Immerhin sieht man mit etwas Glück sogar den Brocken.

Da Burg Lohra noch weithin unbekannt sein dürfte sei erwähnt, dass eine einfache Anreise über die A 38, Abfahrt Wippendorf und dann über Friedrichlohra möglich ist. Von dort aus ist die Auffahrt zur Burg ausgeschildert. Beim Navigationsgerät sollte man Großlohra, Amt Lohra 6, eingeben. An der Burg gibt es ausreichend Parkplätze. Der Eintritt kostet 6 Euro für Erwachsene, für Kinder und Gewandete die Hälfte. Samstag ist die Burg von 11- 22:00 Uhr und Sonntag von 11- 19:00 Uhr geöffnet.
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de