Sa, 11:31 Uhr
14.01.2012
Theater auf hoher See
Premiere hatte gestern Abend Benjamin Brittens Oper "Peter Grimes" im Nordhäuser Theater. Und nicht nur die Macher waren gespannt, wie dieses Frühwerk des zeitgenössischen Komponisten beim Publikum ankommen würde. Für die nnz saß Olaf Schulze im Saal.
Die raue See der ostenglischen Küste ist der Schauplatz von Benjamion Brittens erster Oper "Peter Grimes", die unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg in London uraufgeführt wurde. Basierend auf einer alten Verserzählung erarbeitete Librettist Montagu Slater ein Libretto, das den Fischer Peter Grimes als gesellschaftlichen Außenseiter zeigt, der einen harten Lebenskampf führt. Er verlangt sich und seinen Lehrlingen viel ab und im Verlauf der Handlung sterben zwei Jungen aus dem Waisenhaus in seinem Dienst. Gehetzt vom bigotten Mob ertränkt sich Grimes am Ende, weil er keinen Ausweg mehr sieht und keinen Platz im Dorfleben findet.
Joshua Farrier als eigensinniger Fischer Peter Grimes und Kay Stiefelmann als warnender Kapitän Balsrode
Bis es so weit ist, vergehen im Theater Nordhausen knapp drei Stunden in der Inszenierung von Toni Burkhardt, die sich auseinandersetzt mit dem Geflecht von Verdacht, Verleumdung und Verdammnis. Und nicht nur die See ist rau und spröde, auch die Handlung ist mitunter sperrig und statisch. Der Regie gelang es dabei nicht immer, die Darsteller sicher durch alle Stürme zu führen, die Inszenierung verharrt dann in Posen und großen Gesten, wo möglicherweise das Aufzeigen der handlungstreibenden Gefühle stärker gewirkt hätte.
Aber vielleicht vertraute Toni Burkhardt auch einfach auf die starken Bilder, die das Bühnenbild von Wolfgang Kurim Rauschning erzeugt, der eine sehr anschauliche Bühne kreiert hat, auf der die Sänger auch zünftig mit Gummistiefeln durchs Wasser platschen können.
Die Freunde finden den Pullover des toten Jungen: Kay Stiefelmann und Sabine Mucke als Gemeindelehrerin Ellen Orford
Allen voran der stimmgewaltige Joshua Farrier als Titelheld, der die schwierige Partie glänzend meistert; der Zerrissenheit und aufkommenden Wahnsinn des Fischers Grimes erahnen läßt, seine poltrigen Ausbrüche und emotionalen Zusammenbrüche sehr anschaulich darstellt. In den kraftvollen Arien überzeugen ebenso Sabine Mucke als verwitwete Gemeindelehrerin, die Grimes helfen will und Kay Stiefermann als alter Kapitän, der den verzweifelten Fischer versteht und ihm beistehen möchte.
grimes (Foto: theater)
Stimmungsgeladene Bilder in Rauschnings Bühnenbild: Grimes und sein toter LehrlingMarkus L. Frank dirigiert das Loh-Orchester, das souverän die wirklich beeindruckende Musik Brittens dem Publikum nahe bringt. Stellenweise fast jazzig, dann wieder zurückgenommen ins Rezitativ, manchmal so dezent untermalend, dass es wirkt wie eine Filmmusik und dann vor allem in den Zwischenspielen so kraftvoll dramatisch, dass man die Wellen in der Brandung zu hören glaubt.
Nach dem "Raub der Lukrezia" im vergangenen Jahr haben die Nordhäuser Theatermacher gestern erneut bewiesen, dass es nach wie vor möglich ist, Benjamin Brittens Opernwerke so aufzuführen, dass es auch ein Publikum in der so genannten Provinz zu Beifallsstürmen hinreißt. Und diese Stürme hatten sich am gestrigen Abend ausnahmslos alle Akteure redlich verdient.
Olaf Schulze
Autor: nnz/knDie raue See der ostenglischen Küste ist der Schauplatz von Benjamion Brittens erster Oper "Peter Grimes", die unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg in London uraufgeführt wurde. Basierend auf einer alten Verserzählung erarbeitete Librettist Montagu Slater ein Libretto, das den Fischer Peter Grimes als gesellschaftlichen Außenseiter zeigt, der einen harten Lebenskampf führt. Er verlangt sich und seinen Lehrlingen viel ab und im Verlauf der Handlung sterben zwei Jungen aus dem Waisenhaus in seinem Dienst. Gehetzt vom bigotten Mob ertränkt sich Grimes am Ende, weil er keinen Ausweg mehr sieht und keinen Platz im Dorfleben findet.
Joshua Farrier als eigensinniger Fischer Peter Grimes und Kay Stiefelmann als warnender Kapitän Balsrode
Bis es so weit ist, vergehen im Theater Nordhausen knapp drei Stunden in der Inszenierung von Toni Burkhardt, die sich auseinandersetzt mit dem Geflecht von Verdacht, Verleumdung und Verdammnis. Und nicht nur die See ist rau und spröde, auch die Handlung ist mitunter sperrig und statisch. Der Regie gelang es dabei nicht immer, die Darsteller sicher durch alle Stürme zu führen, die Inszenierung verharrt dann in Posen und großen Gesten, wo möglicherweise das Aufzeigen der handlungstreibenden Gefühle stärker gewirkt hätte.
Aber vielleicht vertraute Toni Burkhardt auch einfach auf die starken Bilder, die das Bühnenbild von Wolfgang Kurim Rauschning erzeugt, der eine sehr anschauliche Bühne kreiert hat, auf der die Sänger auch zünftig mit Gummistiefeln durchs Wasser platschen können.
Die Freunde finden den Pullover des toten Jungen: Kay Stiefelmann und Sabine Mucke als Gemeindelehrerin Ellen Orford
Allen voran der stimmgewaltige Joshua Farrier als Titelheld, der die schwierige Partie glänzend meistert; der Zerrissenheit und aufkommenden Wahnsinn des Fischers Grimes erahnen läßt, seine poltrigen Ausbrüche und emotionalen Zusammenbrüche sehr anschaulich darstellt. In den kraftvollen Arien überzeugen ebenso Sabine Mucke als verwitwete Gemeindelehrerin, die Grimes helfen will und Kay Stiefermann als alter Kapitän, der den verzweifelten Fischer versteht und ihm beistehen möchte.
grimes (Foto: theater)
Stimmungsgeladene Bilder in Rauschnings Bühnenbild: Grimes und sein toter LehrlingMarkus L. Frank dirigiert das Loh-Orchester, das souverän die wirklich beeindruckende Musik Brittens dem Publikum nahe bringt. Stellenweise fast jazzig, dann wieder zurückgenommen ins Rezitativ, manchmal so dezent untermalend, dass es wirkt wie eine Filmmusik und dann vor allem in den Zwischenspielen so kraftvoll dramatisch, dass man die Wellen in der Brandung zu hören glaubt.Nach dem "Raub der Lukrezia" im vergangenen Jahr haben die Nordhäuser Theatermacher gestern erneut bewiesen, dass es nach wie vor möglich ist, Benjamin Brittens Opernwerke so aufzuführen, dass es auch ein Publikum in der so genannten Provinz zu Beifallsstürmen hinreißt. Und diese Stürme hatten sich am gestrigen Abend ausnahmslos alle Akteure redlich verdient.
Olaf Schulze


