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Mi, 14:51 Uhr
30.05.2012

Bilderbuch-Frühling

Der Frühling 2012 war in Deutschland insgesamt sehr warm, erheblich zu trocken und sonnenscheinreich. Nach einem milden, sonnenscheinreichen und niederschlagsarmen März brachten April und Mai einen häufigen Temperaturwechsel, aber nur örtlich kräftige Niederschläge...


Im Nordosten fiel der Frühling noch deutlich trockener aus als 2011. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner
rund 2 000 Messstationen. Der Frühling war 2,1 Grad zu warm und brach im April viele Temperaturrekorde

Die Durchschnittstemperatur lag im Frühling 2012 in Deutschland mit 9,8 Grad Celsius (°C) um 2,1 Grad höher als nach der international gültigen Referenzperiode 1961-1990. Nach der Vergleichsperiode 1981-2010 betrug die Abweichung +1,3 Grad. Dem durchweg milden März folgten von Anfang April bis in den Mai oft markante Temperatursprünge zwischen warm und kalt. An zahlreichen DWD-Stationen traten sowohl die tiefsten als auch die höchsten Werte im April auf.

Während das Quecksilber am 9.4. in Deutschneudorf-Brüderwiese im Erzgebirge bis auf -9,9°C sank, kletterte es am 28.4. in Kitzingen am Main in Unterfranken und in Bad Mergentheim-Neunkirchen im Nordosten Baden-Württembergs auf jeweils 32,9°C. Damit wurde der alte Rekordwert für den April, aufgestellt am 22.4.1968 in Zehdenick nördlich von Berlin mit 32,1° C, überboten.

Auch fast alle anderen Orte im Süden Deutschlands
meldeten an diesem Tag neue Spitzenwerte für den April. Nur am 22. Mai stieg die Temperatur noch etwas höher: In Bernburg an der Saale südlich von Magdeburg zeigte das Thermometer ein Maximum von 33,2° C.

Nach dem extrem niederschlagsarmen Frühling 2011 blieb auch der Frühling 2012 weit hinter seinem Soll zurück: Mit 106 Litern pro Quadratmeter (l/m²) fielen nur 57 Prozent des Klimawertes von 186 l/m². Damit landete er nach 1893, 2011, 1929, 1976 und 1883 in der seit 1881 bestehenden Messreihe auf dem sechsten Platz. Besonders in den östlichen Bundesländern verschärfte sich die Trockenheit erheblich, denn verbreitet regnete es dort noch weniger als im Vorjahr. Zahlreiche, teilweise erst 2011 aufgestellte Rekorde wurden unterboten. So erreichte die Waldbrandgefahr in weiten Gebieten Ostdeutschlands sowie in der Lüneburger Heide Ende Mai die höchste Stufe. Bereits Anfang April hatte ein Feuer bei Amorbach südlich von Aschaffenburg in Unterfranken 240 000 m² Wald- und Wiesenfläche zerstört.

Kräftige Gewitter brachten am Abend des 23. in Piding nordöstlich von Bad Reichenhall innerhalb weniger Stunden 49 l/m² Niederschlag. Zum Vergleich: In Anklam südöstlich von Greifswald - dem trockensten Ort im Frühling – fielen insgesamt nur 39 l/m². Nassester Ort war Reit im Winkl mit 296 l/m². Diese Menge entsprach allerdings auch nur 74 Prozent des dortigen Solls.

Mit einer Sonnenscheindauer von 545 Stunden übertraf der Frühling 2012 in Deutschland den Klimawert von 459 Stunden um 19 Prozent. Besonders häufig schien die Sonne in Niederbayern und rund um die Insel Rügen, wo Arkona mit 686 Stunden an der Spitze lag. Am wenigsten zeigte sie sich im gesamten Nordwesten, vor allem in der
Eifel und im Sauerland, wo Arnsberg-Neheim mit 440 Stunden das Schlusslicht bildete.

Der Frühling in Thüringen

Die Abweichung zwischen dem vieljährigen Mittel (7,1°C) und der Durchschnittstemperatur von 9,7°C war im Frühling 2012 in Thüringen am größten. Am 28.4. zeigte das Thermometer in Jena mit 32,3°C einen neuen Aprilrekord für dieses Bundesland. Der Niederschlag blieb in Thüringen mit 77 l/m² um 58 Prozent unter dem Soll (176 l/m²). Der Sonnenschein lag mit 539 Stunden dagegen um 20 Prozent über dem vieljährigen Klimawert (448 Stunden).
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
30.05.2012, 21:14 Uhr
Frühling ist eine ökologische Katastrophe...
...oder sagen wir besser, die Tendenz der letzten Jahre ist Ausdruck der um sich greifenden Klimakatastrophe. Die Überschrift zum obgen Beitrag "Bilderbuch-Frühling" mag zwar das Lebensgefühl der meisten Menschen anschaulich wieder zugeben, die ökologische Realität indes ist eine ganz andere: Die Tendenz immer trockenerer Frühjahre und Sommer führt zu schweren Schäden an immer mehr Populationen heimischer Wildpflanzenarten.

In den vergangenen Jahren sank z.B. die Zahl blühender Exemplare mancher Orchideenarten im Gebiet beträchtlich, einige erschienen gar nicht mehr an der Erdoberfläche. Andere einjährige, z.T. hochgradig gefährdete Arten trieben im etwas feuchteren zeitigen Frühjahr aus und starben im trockenen März ab. 2011 war das bei einigen auch schon so: Die Folge: Der Samenvorrat wird allmählich aufgebracht, neuer Samen kommt nicht hinzu, was einzelne Populationen gefährdet.

Eigentlich sind in unseren Breiten die Sommermonate statistisch tatsächlich die niederschlagsreichsten. Laut verschiendenen Studien aber verlagern sich die Niederschlagsspitzen immer mehr in die Wintermonate. Orchideen aber, die z.B. beginnen, im Sommer die nächstjährig zur Blüte vorgesehenen Knollen zu bilden, benötigen im Sommer gemäßigt feuchtes Wetter, also eine typische Abfolge von Sonne, einem Landregen, ein paar Gewittern und dann wieder einigen Tagen Sonne. Stattdessen haben wir im Osten Deutschlands seit 2007 immer wieder Wärme- und Trockenheitsrekorde. Das Problem ist nicht die einzelne extrem trockene Wetterwoche, sondern die Tendenz zur langanhaltenden Trockenheit. Und di haben wir nachgewiesenermaßen.

Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung PIK, aber auch z.B. der Club of Rom, ja sogar die OECD und die Munich Re warnen vor den unkalkulierbaren Folgen des ungebremsten CO2-Ausstoßes in Namen des zweifelhaften Überkonsums einiger weniger Erdenbewohner. Schließlich stehen wir ja erst am Anfang einer Temperaturerhöhung, die nach der Meinung so mancher Forscher eine fatale Spirale in Gang setzen könnte: Die berühmten Kippelemente im System, wie z.B. der Eisschild Grönlands, der Tropische Regenwald und der arktische Permafrostboden könnten zu sprunghaften Entgleisungen neigen.

Es kann nicht gut sein, für kurzfristige Profite und so genannten Wohlstand in der verschwindend kurzen Zeit von ein oder zweihundert Jahren ein fein austariertes System ins Wanken zu bringen, von dem alles, aber auch alles auf diesem Planeten abhängt.

Leider ist das Bewusstsein für dese komplexen Zusammenhänge und Bedrohungen nicht in der Bevölkerung angekommen, wahrscheinlich weil sie so komplex sind und weil sich niemand so gern an seine eigene Verantwortung erinnern möchte. Ein Castorenzug ist etwas Greifbares, den Klimawandel sehen nur wenige. So aber ziehen wir ein schweres Erbe auf uns, auf unsere Kinder und Kindeskinder, die ihre Vorfahren verfluchen werden, wie Prof. Dr. Hoimar v. Ditfurth in seinem Bestseller "Nun lasst uns denn ein Apfeläumchen pflanzen - es ist soweit", schrieb.
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