eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
So, 09:12 Uhr
03.06.2012

Geschichtlicher Rückblick

"Elektrifizierung des Bergwerks "Glückauf" und 100 Jahre Stadtwerke". Unter dieser Überschrift blickt Gerd Meißner aus dem damaligen Kaliwerk Glückauf Sondershausen auf eine geschichtliche Zeit der Energiegewinnung in Sondershausen zurück und gratuliert den Stadtwerkern...

Die Energiewirtschaftler des Altkreises Sondershausen gratulieren den Stadtwerken für Ihre Einhundert Jahre zuverlässige Versorgung der Kunden. Die Fachkollegen der 2 Großbetriebe EIS, Kali sowie der Stadtwerke( einige Male umfirmiert) haben sich regelmäßig ausgetauscht, vor allem bei der Ausbildung von Kesselwärtern und Schaltwärtern geholfen.

Ende des 19. Jahrhunderts war diese Solidarität noch nicht so ausgeprägt, jeder investierte autarke Anlagen und bildete Maschinen- und Schaltwärter selbst aus.

Wir schreiben das Jahr 1899, der gesamte ober- und unterirdische Betrieb, erfolgt mit Ausnahme der Fördermaschine, ausschließlich mit elektrischem Antrieb. Die Gewerkschaft "Glückauf" war damit das erste Werk in der Montanindustrie, das
sich in solch ausgedehntem Maße die elektrische Kraftübertragung zu Nutze machte.

Unter Tage benötigte man zur Förderung, zur Beseitigung etwaiger Wässer, zur Ventilation der Arbeitsörter und zum Auffahren der Strecken; über Tage zur direkten Verladung des geförderten Gutes und zu Transportzwecken elektrische Energie.
Die Teilung der Dampfkesselanlage war nicht empfehlenswert, so wurde diese mit der Elektroenergieerzeugung zentralisiert, man erreichte höhere Wirkungsgrade.

Bei der Auswahl waren folgende Erwägungen maßgebend:
1. Einmal musste die Zentrale so angelegt werden, dass man bei voraussichtlicher Vollbelastung des Betriebes im Falle des Schadhaftwerdens einer Maschine sofort eine Reserve-Maschine zur Verfügung hatte.
2. Es musste in Betracht gezogen werden, dass die Dampfmaschine noch bei schwacher Förderung und bei geringem Betriebe ökonomisch arbeiten soll.

Diese Zentralisierung war 1899 abgeschlossen, der maximale Kraftbedarf belief sich zu 530 PS = 720 kW, ohne Fördermaschine Schacht I, sie lief mit Dampf. Aufgestellt wurden 3 Dampfmaschinen je 350 PS. Die erzeugte Elektroenergie wurde zu 85% für Motorbetrieb und 15% für Beleuchtung benötigt. Heute sind Pkw´s mit 350 PS keine Seltenheit, und auch auf Sondershäuser Strassen unterwegs.

Die gesamte elektrische Anlage wurde von der Siemens + Halske AG Berlin geliefert und montiert. Die Drehstromgeneratoren waren direkt mit stehenden Dampfmaschinen der Sächsischen Maschinenfabrik Chemnitz gekuppelt. Die Generatoren erzeugten eine Spannung von 500V, die direkt über das Netz auf die Motoren ging. Für die Glühlicht- und Bogenlichtlampen wurde auf 120V transformiert.

Für die elektrische Energieversorgung des Petersenschachtes (Schacht II) wurden 2 Kabel von 3km Länge aus der Schaltverteilung Schacht I zur Verteilung Schacht II mit einer Spannung von 5 KV verlegt. In der gesamten Montanindustrie war die Spannung auf 500V wegen Diebstahls der Motoren festgelegt.

Ich möchte an Hand von 3 Ereignissen die bessere Solidarität zu DDR Zeiten belegen.

1. Der Zwerg versorgt den Riesen

Im Kaliwerk war es ein Muss, jährlich eine Reparaturpause durchzuführen. Das Kraftwerk kam aber jahrzehntelang zu kurz, da täglich ab 12.00 Wärme für das Badewasser zur Verfügung stehen musste. Viele Varianten wurden durchgespielt, alle Kumpels duschten sich auf Schacht I, eine Lokomotive wurde für 3 Tage angemietet. Nach der Verlegung der Dampftrasse zur Wäscherei, die durch die Initiative von den Ingenieuren Klaus Späte und Klaus Maloszyk vom Kaliwerk mit zustande kam, konnte die Badewasserversorgung rückwärts von der Wäscherei erfolgen und im Kraftwerk konnte ebenfalls drei Tage repariert werden.

2. Einsparung von 100. Schornsteinen in Sondershausen

Die Kreisenergiekommision wurde 3- 4 mal im Jahr einberufen. Die Vertreter der Betriebe berichteten über ihre Lage, die Einhaltung der Kontingente und den Bestand an Kohle Traten Probleme auf, wurde eine Befahrung durchgeführt. Ich erinnere mich an ein Problem, die die gesamte Lage in der DDR widerspiegelt. Der Wirt vom Possen sandte einen Hilferuf, ihm wurde für einen großen Kachelofen nur Rohbraunkohle angeliefert. Da half auch kein Improvisieren, er musste für den Winter Briketts haben. Ich versprach es ihm. Es kam eine Flasche auf den Tisch, und schon im voraus wurde angestoßen.
Im Kaliwerk befeuerten wir einen Kessel mit Brikettabrieb, wenn er in der Grube nicht vorhanden war, bekamen wir gute Briketts. Die wurden auf einen Multicar geladen und am nächsten Tag ging dieser 3x in Richtung Possen. ( sozialistische Hilfe).

In der Energiekommission reifte auch nach der Inbetriebnahme der Wäscherei ein Gedanke, in Sondershausen die Fern- und Nahwärme auszubauen. Durch die Trasse vom Kaliwerk zur Wäscherei, waren wir schon in der Stadt. Die Ing. Siegfried, Wolfgang Stietz und ich erfassten alle Verbraucher. Der Wärmebedarf konnte messtechnisch nicht ermittelt werden, so wurde er über den jährlichen Kohleverbrauch berechnet. Die Studie musste natürlich auch einen Namen haben, wir einigten uns auf den Titel "100 Schornsteine weniger".
Die Ökonomie ergab allerdings nur 91 Anschlüsse, so wurden die restlichen 9 Schornsteine "hingerechnet". Die Studie wurde 1x im Kreisrat behandelt, auf Eis gelegt und nach 1990 eingeordnet. Die Funktionäre träumten vielleicht schon von der Wende.

3. Winter 1978/ 1979

Dieser Winter ist und bleibt auch in aller Munde, immer wieder werden die Ereignisse aus dem Norden im Fernseher gezeigt. Doch auch in unserem Gebiet wurde gekämpft. Die Kohle musste aus den Kohlewaggons gesprengt werden, viele Helfer aus der Kombinatsleitung, vor allem der Forschung sorgten für einen reibungslosen Betrieb.

Die Energieerzeugungsanlagen im Werk "Glückauf" blieben in Betrieb. Wir erzeugten Wärme und auch Elektroenergie. Dieser Ablauf ist tief in mein Gedächtnis gedrungen, Scham, dass wir unsere Anlagen nicht im Griff hatten, und Hochachtung vor den fleißigen Helfern. Die Energieversorgung Bleicherode unternahm alles, um Sondershausen wieder mit Spannung zu versorgen. Seile und Masten waren unter der Eislast gerissen und umgeknickt, stundenlang wurde beratschlagt wie wir Sondershausen wieder mit Spannung versorgen können. Die gesamte Stadt und auch EIS hatten zusätzlich keine Wärmeversorgung.

Vom Kaliwerk konnte wenigstens das Heizwerk im EIS versorgt werden, damit unsere Fachkollegen die Wärmeversorgung wieder aufnehmen konnten. Zahlreiche Kunstschaltungen mussten vom Schalthaus, Meister Eberhard Uthleb, und im EIS, Kollege Kurt Mushage, durchgeführt werden. Einigen "Genossen" schmeckte diese Schaltung nicht, und bevor das o.k. kam, war die Zuschaltung für Sondershausen wieder erfolgt.

Auch hier war die jahrelange Zusammenarbeit wichtig. Man wusste, mit wem man es zu tun hatte. Von meiner Klasse, Käthe - Kollwitz-Schule, Abschluss 1963, lernten 3 in Bleicherode Elektriker, unter anderen auch der Sohn von Arno Böttcher, Wolfgang. Ich habe viel Zeit mit ihm verbracht, auch die Freundschaft zu Herrn Böttcher war lebenslang. Die Anlagen auf dem Gebiet des Gaswerkes waren für mich sehr beeindruckend, so habe ich mich auch in der Energieerzeugung ständig zu Hause gefühlt.

Herzlichen Glückwunsch an die Kollegen vor Ort und an die Visionäre der Energieerzeugung, der Stadt Sondershausen. Mögen sie stets eine sichere Hand haben. Gern würde ich noch an den Herausforderungen der Energiewende mitarbeiten, aber die Pension in der Heimat hat auch ihr Gutes

Gerd Meißner
Autor: khh

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)