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Mi, 00:05 Uhr
11.07.2012

Chancen der Bundeswehrreform nutzen

Langsam wird es bei der Umsetzung Bundeswehrreform ernst. Sondershausen wird Ausbildungsstandort. In einem Gespräch mit kn erläuterte der Kommandeur am Standort Sondershausen, wie es in nächster Zeit mit der Umsetzung konkret vor Ort weitergeht....


Am Standort Sondershausen, in der Karl-Günther-Kaserne, ist ja nicht nur das Raketenartilleriebataillon 132 "zu Hause", sondern auch die sogenannte Logistische Steuerstelle 4, ein Stabsorgan der Bundeswehr, dass die Versorgung der Truppe mit Material und Dienstleistungen koordiniert. Die gute Nachricht gleich vorweg, auch dieses Stabsorgan wird im Zuge der Bundeswehrreform am Standort Sondershausen bestehen bleiben, mit zusätzlichen Dienstposten bestückt, die außerhalb von Sondershausen tätig sein werden sogar noch erweitert.

So richtig Bewegung in das Raketenartilleriebataillon 132 wird es ab 1. April des nächsten Jahres kommen, so der Kommandeur Oberstleutnant Armin Schaus beim Gespräch mit kn. Von den sechs am Standort Sondershausen befindlichen Batterien werden drei an andere Standorte verlegt. Zwei Batterien ziehen an bereits bestehende Standorte in Munster und Idar-Oberstein und werden die dort bestehende "Rohrartillerie" verstärken.

Die dritte Batterie wird nach gleichen Gesichtspunkten nach Weiden in der Oberpfalz verlegt, und zusammen mit Einheiten aus dem aufzulösenden Standort Mühlhausen einen Standort der Artillerie bilden.

Die anderen drei Batterien des Raketenartilleriebataillons 132 werden komplett aufgelöst. Wohin die Soldatinnen und Soldaten verlegt werden, wird noch entschieden. Dazu sind u.a. Informationsveranstaltungen vorgesehen, wie sie auch am heutigen Mittwoch in Mühlhausen stattfinden werden. Im Vorfeld besteht die Möglichkeit Wünsche zu äußern, wie und vor allem wo man zum Einsatz kommen möchte. Es wird versucht werden, so Oberstleutnant Schaus, persönliche Wünsche und dienstliche Pflichten in Übereinstimmung zu bringen.

Ab April wird es für den Standort Sondershausen zu einem Alleinstellungsmerkmal für den Bereich neue Länder kommen. In Sondershausen wird eines von nur drei aufzubauenden Feldwebelanwärter/-Unteroffiziersanwärter- Bataillon aufgestellt, dem einzigen im Ostteil des Landes. Die anderen beiden Bataillone werden in Celle (Niedersachsen) und Altenstadt (Bayern) aufgestellt.

In Sondershausen werden in diesem Bereich 220 Dienstposten entstehen. Für ca. ein halbes Jahr wird dann hier für 480 wechselnde Lehrgangsteilnehmer die grundlegende Ausbildung organisiert. Bei diesem Modell lehnt man sich an gute Erfahrungen an, die man bereits bei der Offiziersanwärterausbildung gesammelt hat.

Ab 2014 wird es am Standort Sondershausen dann auch die bereits ins Gespräch gebrachte Kraftfahrerausbildung geben. In diesem Bereich wird es rund 50 Dienstposten als Stammpersonal geben. Hier werden im Wechsel dann immer rund 80 Lehrgangsteilnehmer an der KfZ-Ausbildung teilnehmen, wobei es dabei um LKW und geschützte Radfahrzeuge gehen wird, wie z.B. Panzerspähwagen und ähnliches Gerät.

Nach Umsetzung dieser Schritte wird es zumindest in der Personalstärke keine wesentlichen Änderungen geben. Die bisher (2012) vorhanden Personalstärke von rund 700 Dienstposten im Soll wird auch nach der Umstrukturierung in Summe vorhanden sein, aber eben mit dem Unterschied, das man jetzt Ausbildungsstandort ist. Gerade mit diesen beiden Ausbildungsrichtungen kommt dem Standort Sondershausen ein Alleinstellungsmerkmal zu.

Und die Stadt muss sich darauf einstellen, dieses Alleinstellungsmerkmal auch entsprechend zu nutzen. Waren die bisherigen Dienstposten von den Heimatorten gerade mal im Umkreis von 200 Kilometer liegend, wird sich das grundlegend ändern. Die Lehrgangsteilnehmer werden aus ganz Deutschland kommen, und mit hoffentlich guten Erfahrungen auch wieder in die eigentlichen Heimatstandort zurückkehren.

Chancen der Reform nutzen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Bei der Bundeswehr nimmt man diese Umstrukturierung sehr ernst. Auch medienmäßig wird dieser Prozess intensiv begleitet. Hier Oberstleutnant Armin Schaus (li.) mit dem Hauptmann der Reserve, Tim Kullmann, der für die Presse zuständig sein wird.

Für viele Lehrgangsteilnehmer wird sich die Frage stellen, auch wenn der Dienst nicht gerade leicht sein dürfte, was stelle ich abends an? Hier sind nicht nur die Sondershäuser Gastronomen gefragt, was biete ich diesen eine zeitlang hier lebenden Lehrgangsteilnehmern an Unterhaltung an. Das schlimmste für Sondershausen, was passieren könnte, die Lehrgangsteilnehmer reisen ab, mit dem Eindruck, hier ist ja nichts los. Bei Kunst und Kultur dürfte das nicht das Problem sein, denn mit Museum, Theater und Lohorchester ist man gut aufgestellt, aber ob das auch für meist jüngere Menschen allein reichen wird? Nachdenken und handeln könnte sich lohnen.

Und wie ist die Kaserne für diese neue Ausbildungsrichtung geeignet? Sehr gut sagt Oberstleutnant Schaus. Wir haben im Standort eine Schwimmhalle, was fast einzigartig ist und wichtig für die Schwimmausbildung. Der Platz für die Ausbildung im Objekt ist völlig ausreichend. Der 145 Hektar große Standortübungsplatz auf dem Dickkopf ist gut und schnell zu erreichen, obwohl die Kaserne praktisch im Stadtzentrum liegt. Und die Innenstadtlage ist auch für die Lehrgangsteilnehmer optimal. Keine lange Wege für die Infrastruktur der Region.

Chancen der Reform nutzen (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
In den Standort Sondershausen wurden in den letzten Jahre 25 Millionen Euro investiert. Das Betreuungsgebäude wird bald übergeben und weitere Bauarbeiten großen Stils laufen an. Das große ältere Gebäude rechts der Einfahrt, wo sich auch bisher die Wache befand, wird von Grund auf für rund eine Million Euro saniert. Und auch hier zeigt sich ein Vorteil für die Region. Fast alle Bauhandwerker kommen aus der Region, so Schaus, wenn man sich die KfZ-Kennzeichen der Baufirmen ansieht.

Bleibt abschließend nach diesem sehr informativen Gespräch nur noch festzustellen: Sondershausen hat die Möglichkeit aus dieser Bundeswehrreform sogar gestärkt hervorzugehen. Man muss noch einiges tun, damit die abreisenden Soldaten in ganz Deutschland sagen können, kommt auch hier zu Besuch, es lohnt sich. Das es den Thüringentag 2013 gibt ist schon ein wesentlicher Schritt, denn da werden die ersten neuen Stammsoldaten schon in der Stadt weilen.
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