Fr, 10:36 Uhr
17.01.2014
In Richtung Innenstadt
Das traditionelle Warenhaus ist selten geworden, denn neben dem Onlinehandel erfreuen sich auch moderne Erlebnis-Shoppingcenter einer wachsenden Beliebtheit. Dabei geht der Trend weg von der grünen Wiese, denn fast alle neuen Einkaufszentren werden in Innenstädten eröffnet. Auch in Thüringen...
Doch den Expansionsplänen in den Thüringer Städten stehen nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt auch einige Bedenken gegenüber.
Thüringen weist über 25 Prozent mehr Handelsfläche pro Einwohner als Hamburg aus, aber nur 87 Prozent der bundesdurchschnittlichen Kaufkraft, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser fest. Dennoch existierten im Freistaat weitere Pläne zum Auf- oder Ausbau von zusätzlichen Einkaufshäusern. So wären in Gotha, Eisenach und Jena neue Shoppingcenter geplant und in Erfurt würde eine Erweiterung vom Thüringen-Park diskutiert. Zum Teil protestierten Händler und Bürger seit Monaten dagegen.
Doch gebe es auch Beispiele, wo trotz Neuansiedlung großer Märkte oder Shoppingcenter die Innenstadt prosperiert, weitere Geschäfte hinzugekommen sind oder ausgebaut wurden. Von einem positiven Effekt mit Kaufkraftzufluss geht man in Gotha aus. Hier ist ein Shoppingcenter in Planung, mit Geschäften, deren Angebot vor Ort noch nicht vertreten ist. Ganz anders wird ein möglicher Neubau in Eisenach beurteilt, wo bereits zwei Shoppingcenter etabliert sind, so der IHK-Chef. Pauschalurteile wären deshalb nicht angebracht.
Vielmehr sei es wichtig, neben den Argumenten der Investoren, die nach-haltigen Auswirkungen einer neuen Ansiedlung im spezifischen Einzelfall am jeweiligen Ort in Hinblick auf die dortige Handelslandschaft, Kaufkraft und Einkaufszentralität kritisch zu prüfen.
Zwei Trends zeichneten sich generell ab: Die Center werden kleiner und positionieren sich zunehmend als Alternative für die Freizeitgestaltung. Über 80 Prozent der in den letzten drei Jahren eröffneten Center liegen in der Innenstadt. Große Objekte sind in innerstädtischen Lagen nur bedingt zu realisieren. Auch deshalb werden für Shoppingcenter-Betreiber mittelgroße Kommunen ab 20.000 Einwohnern interessant. Um für die Kunden weiterhin attraktiv zu sein und um der Konkurrenz aus dem Internet etwas entgegenzuhalten, setzen die Einkaufszentren zunehmend auf Erlebnis-shoppen. Durch einen abwechslungsreichen Mietermix mit mehr Gastronomie- und Entertainment-Elementen bieten sie den Käufern etwas, was der Onlinehandel nicht leisten kann.
Das Ergebnis von neuen Einzelhandelsflächen ist zumeist ein reiner Verdrängungswettbewerb, vor allem zu Lasten der ländlichen Räume, wo bereits jetzt kaum noch Verkaufsflächen in nennenswerter Größenordnung zur Verfügung stehen. Auch das Argument, dass Center zusätzliche Arbeitsplätze bringen, wird nicht immer bestätigt. Oft verlagern sich die Umsätze nur aus den bestehenden Läden in die Center, gibt Grusser zu bedenken. Kritiker befürchteten überdies sinkende Gewerbemieten und den Wertverlust innerstädtischer Immobilien in 1A/B-Lagen. Hinzu komme der seit Jahren boomende Onlinehandel, der den konventionellen Handelsbetrieben stark zusetzt.
Laut einer aktuellen Studie existieren zurzeit über 450 großflächige Shoppingcenter in Deutschland. Dabei ist die Entwicklung alles andere als homogen. Die größten Flächen weisen Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen mit einem Anteil zwischen 11 und 16 Prozent an der Gesamtfläche aller deutschen Shoppingcenter aus. Die Thüringer Center hatten in 2013 einen Anteil von 3 Prozent an der Shoppingcenter-Gesamtfläche. Insgesamt 54 neue Einkaufszentren sind bis 2016 bundesweit geplant.
Autor: redDoch den Expansionsplänen in den Thüringer Städten stehen nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt auch einige Bedenken gegenüber.
Thüringen weist über 25 Prozent mehr Handelsfläche pro Einwohner als Hamburg aus, aber nur 87 Prozent der bundesdurchschnittlichen Kaufkraft, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser fest. Dennoch existierten im Freistaat weitere Pläne zum Auf- oder Ausbau von zusätzlichen Einkaufshäusern. So wären in Gotha, Eisenach und Jena neue Shoppingcenter geplant und in Erfurt würde eine Erweiterung vom Thüringen-Park diskutiert. Zum Teil protestierten Händler und Bürger seit Monaten dagegen.
Doch gebe es auch Beispiele, wo trotz Neuansiedlung großer Märkte oder Shoppingcenter die Innenstadt prosperiert, weitere Geschäfte hinzugekommen sind oder ausgebaut wurden. Von einem positiven Effekt mit Kaufkraftzufluss geht man in Gotha aus. Hier ist ein Shoppingcenter in Planung, mit Geschäften, deren Angebot vor Ort noch nicht vertreten ist. Ganz anders wird ein möglicher Neubau in Eisenach beurteilt, wo bereits zwei Shoppingcenter etabliert sind, so der IHK-Chef. Pauschalurteile wären deshalb nicht angebracht.
Vielmehr sei es wichtig, neben den Argumenten der Investoren, die nach-haltigen Auswirkungen einer neuen Ansiedlung im spezifischen Einzelfall am jeweiligen Ort in Hinblick auf die dortige Handelslandschaft, Kaufkraft und Einkaufszentralität kritisch zu prüfen.
Zwei Trends zeichneten sich generell ab: Die Center werden kleiner und positionieren sich zunehmend als Alternative für die Freizeitgestaltung. Über 80 Prozent der in den letzten drei Jahren eröffneten Center liegen in der Innenstadt. Große Objekte sind in innerstädtischen Lagen nur bedingt zu realisieren. Auch deshalb werden für Shoppingcenter-Betreiber mittelgroße Kommunen ab 20.000 Einwohnern interessant. Um für die Kunden weiterhin attraktiv zu sein und um der Konkurrenz aus dem Internet etwas entgegenzuhalten, setzen die Einkaufszentren zunehmend auf Erlebnis-shoppen. Durch einen abwechslungsreichen Mietermix mit mehr Gastronomie- und Entertainment-Elementen bieten sie den Käufern etwas, was der Onlinehandel nicht leisten kann.
Das Ergebnis von neuen Einzelhandelsflächen ist zumeist ein reiner Verdrängungswettbewerb, vor allem zu Lasten der ländlichen Räume, wo bereits jetzt kaum noch Verkaufsflächen in nennenswerter Größenordnung zur Verfügung stehen. Auch das Argument, dass Center zusätzliche Arbeitsplätze bringen, wird nicht immer bestätigt. Oft verlagern sich die Umsätze nur aus den bestehenden Läden in die Center, gibt Grusser zu bedenken. Kritiker befürchteten überdies sinkende Gewerbemieten und den Wertverlust innerstädtischer Immobilien in 1A/B-Lagen. Hinzu komme der seit Jahren boomende Onlinehandel, der den konventionellen Handelsbetrieben stark zusetzt.
Laut einer aktuellen Studie existieren zurzeit über 450 großflächige Shoppingcenter in Deutschland. Dabei ist die Entwicklung alles andere als homogen. Die größten Flächen weisen Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen mit einem Anteil zwischen 11 und 16 Prozent an der Gesamtfläche aller deutschen Shoppingcenter aus. Die Thüringer Center hatten in 2013 einen Anteil von 3 Prozent an der Shoppingcenter-Gesamtfläche. Insgesamt 54 neue Einkaufszentren sind bis 2016 bundesweit geplant.
