Fr, 10:40 Uhr
17.01.2014
Mehr Tierschutz durch neue Label?
Vielen Verbrauchern sind Tierschutz und eine tiergerechte Haltung ein wichtiges Anliegen. Bei der Auswahl von Fleisch und Wurst stehen seit etwa einem Jahr die beiden Tierschutzlabel Tierschutz kontrolliert und Für mehr Tierschutz zur Verfügung...
Diese wollen die Tierschutzstandards bei der Fleischerzeugung verbessern und Verbraucher sollen eine verlässliche Kennzeichnung beim Fleischkauf erhalten.
Viele Verbraucher wollen beim Kauf von tierischen Lebensmitteln wissen, unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben. Bei Fleisch- und Wurstwaren können sie zwischen konventionellen Produkten, Bio-Lebensmitteln und Erzeugnissen, die mit verschiedenen Labeln und Siegeln als tiergerecht ausgelobt werden, wählen. Doch Begriffe wie artgerecht oder Tierwohl sind im Gegensatz zum Bio-Siegel rechtlich nicht definiert und eine Bewertung ist dadurch schwierig.
Im November 2012 stellte die Tierschutzorganisation Vier Pfoten ihr eigenes Label Tierschutz kontrolliert vor. Der Deutsche Tierschutzbund folgte im Januar 2013 mit dem Label Für mehr Tierschutz. Ziel der beiden Organisationen ist es, den Tierschutz bei Nutztieren zu verbessern und dies für Verbraucher mit ihrem Label transparent kenntlich zu machen. Beide Organisationen betonen ihre Anbieterunabhängigkeit. Regelmäßige, unangekündigte Kontrollen durch unabhängige Institutionen in den Erzeugerbetrieben sollen die Einhaltung der Richtlinien sicher stellen.
Beide Label untergliedern sich in eine Einstiegs- und eine Premiumstufe. Neben Bestimmungen zu den Haltungsbedingungen wurden Standards für Transport, Schlachtung und zur Bewertung der Tiergesundheit und des Tierwohls erarbeitet. Während der Deutsche Tierschutzbund detaillierte Richtlinien für die Haltung von Masthühnern und –schweinen vorgibt, existieren bei Vier Pfoten bislang nur für Masthühner der Einstiegsstufe konkrete Vorgaben.
Die Einstiegsstufe enthält Tierschutzanforderungen, die nur leicht über den Mindestanforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung liegen. Die Tiere haben mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten. Das Abschneiden der Schwänze bei Ferkeln ist verboten, ebenso wie die Kastration ohne Betäubung. Zudem wird auf langsam wachsende Rassen gesetzt, um die Belastung der Tiere durch sehr hohe Tageszunahmen zu verringern.
Das leicht verbesserte Tierschutzniveau dient vor allem als Anreiz für die Produzenten. Durch die niedrigen Anforderungen wird es dem Erzeuger einfach gemacht ohne große Investitionen umzusteigen. So soll das Label großflächig, für möglichst viele Tiere zu einer ersten Verbesserung der Haltungsbedingung führen.
Die Premiumstufe bietet ein höheres Tierschutzniveau, das in etwa an die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung heranreicht. Das Platzangebot ist nochmals erweitert, zudem ist der Außenklimakontakt durch eine offene Stallfront oder Auslauf zu gewähren. Die Tiere dürfen keine gentechnisch veränderten Futtermittel erhalten.
Die Unterscheidung in Einstiegs- und Premiumstufe macht die Kennzeichnung undurchsichtig. Lediglich kleine Sterne auf dem Label symbolisieren die unterschiedlichen eingehaltenen Standards kritisiert Fachberaterin Ernährung Luise Schumann der Verbraucherzentrale Thüringen. Und während beim Label Für mehr Tierschutz zwei Sterne die Premiumstufe zieren, sind es beim Label Tierschutz kontrolliert trotz ähnlicher Anforderungen sogar drei. Mehr über die Haltungsbedingungen, die sich hinter den Stufen verbergen, erfahren Verbraucher erst durch ausgelegte Handzettel, Prospektbeilagen oder die Internetseiten www.tierschutzlabel.info und www.vier-pfoten.de/service/tierschutzlabel.
Dennoch stellen die Label einen ersten Schritt in Richtung mehr Tierschutz dar, denn schon die Einstiegsstufe verbessert die Haltungsbedingungen für Hühner und Schweine in der konventionellen Fleischerzeugung. Durch die Nachfrage der Produkte, kann der Verbraucher zeigen, dass Interesse an einer besseren Kennzeichnung und tiergerechtere Haltung besteht. Bisher bieten jedoch nur wenige Handelsketten und zum Teil nur einzelne Filialen Produkte mit den Laben an. Hühnerfleisch ist nur in der Einstiegsstufe erhältlich.
Aus Sicht der Verbraucherzentrale Thüringen e.V. ist eine gesetzliche Regelung mit einheitlichen Vorgaben zu Haltung und Kennzeichnung erforderlich, um dem Siegel-Wirrwarr ein Ende zu setzen und Verbrauchern eine vertrauenswürdige Entscheidungshilfe für echten Tierschutz zu bieten.
Neben den Tierschutzlabeln stellen Bio-Produkte eine gute Wahl dar, da sie EU-weit verbindlich für Erzeugung, Kontrolle und Kennzeichnung geregelt sind. Daneben ist die Verringerung des Fleischkonsums ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz.
Weitere Informationen zu den Anforderungen der beiden Tierschutzlabel Tierschutz kontrolliert und Für mehr Tierschutz finden Verbraucher und Verbraucherinnen auf der Homepage der Verbraucherzentrale Thüringen e.V. www.vzth.de.
Autor: redDiese wollen die Tierschutzstandards bei der Fleischerzeugung verbessern und Verbraucher sollen eine verlässliche Kennzeichnung beim Fleischkauf erhalten.
Viele Verbraucher wollen beim Kauf von tierischen Lebensmitteln wissen, unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben. Bei Fleisch- und Wurstwaren können sie zwischen konventionellen Produkten, Bio-Lebensmitteln und Erzeugnissen, die mit verschiedenen Labeln und Siegeln als tiergerecht ausgelobt werden, wählen. Doch Begriffe wie artgerecht oder Tierwohl sind im Gegensatz zum Bio-Siegel rechtlich nicht definiert und eine Bewertung ist dadurch schwierig.
Im November 2012 stellte die Tierschutzorganisation Vier Pfoten ihr eigenes Label Tierschutz kontrolliert vor. Der Deutsche Tierschutzbund folgte im Januar 2013 mit dem Label Für mehr Tierschutz. Ziel der beiden Organisationen ist es, den Tierschutz bei Nutztieren zu verbessern und dies für Verbraucher mit ihrem Label transparent kenntlich zu machen. Beide Organisationen betonen ihre Anbieterunabhängigkeit. Regelmäßige, unangekündigte Kontrollen durch unabhängige Institutionen in den Erzeugerbetrieben sollen die Einhaltung der Richtlinien sicher stellen.
Beide Label untergliedern sich in eine Einstiegs- und eine Premiumstufe. Neben Bestimmungen zu den Haltungsbedingungen wurden Standards für Transport, Schlachtung und zur Bewertung der Tiergesundheit und des Tierwohls erarbeitet. Während der Deutsche Tierschutzbund detaillierte Richtlinien für die Haltung von Masthühnern und –schweinen vorgibt, existieren bei Vier Pfoten bislang nur für Masthühner der Einstiegsstufe konkrete Vorgaben.
Die Einstiegsstufe enthält Tierschutzanforderungen, die nur leicht über den Mindestanforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung liegen. Die Tiere haben mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten. Das Abschneiden der Schwänze bei Ferkeln ist verboten, ebenso wie die Kastration ohne Betäubung. Zudem wird auf langsam wachsende Rassen gesetzt, um die Belastung der Tiere durch sehr hohe Tageszunahmen zu verringern.
Das leicht verbesserte Tierschutzniveau dient vor allem als Anreiz für die Produzenten. Durch die niedrigen Anforderungen wird es dem Erzeuger einfach gemacht ohne große Investitionen umzusteigen. So soll das Label großflächig, für möglichst viele Tiere zu einer ersten Verbesserung der Haltungsbedingung führen.
Die Premiumstufe bietet ein höheres Tierschutzniveau, das in etwa an die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung heranreicht. Das Platzangebot ist nochmals erweitert, zudem ist der Außenklimakontakt durch eine offene Stallfront oder Auslauf zu gewähren. Die Tiere dürfen keine gentechnisch veränderten Futtermittel erhalten.
Die Unterscheidung in Einstiegs- und Premiumstufe macht die Kennzeichnung undurchsichtig. Lediglich kleine Sterne auf dem Label symbolisieren die unterschiedlichen eingehaltenen Standards kritisiert Fachberaterin Ernährung Luise Schumann der Verbraucherzentrale Thüringen. Und während beim Label Für mehr Tierschutz zwei Sterne die Premiumstufe zieren, sind es beim Label Tierschutz kontrolliert trotz ähnlicher Anforderungen sogar drei. Mehr über die Haltungsbedingungen, die sich hinter den Stufen verbergen, erfahren Verbraucher erst durch ausgelegte Handzettel, Prospektbeilagen oder die Internetseiten www.tierschutzlabel.info und www.vier-pfoten.de/service/tierschutzlabel.
Dennoch stellen die Label einen ersten Schritt in Richtung mehr Tierschutz dar, denn schon die Einstiegsstufe verbessert die Haltungsbedingungen für Hühner und Schweine in der konventionellen Fleischerzeugung. Durch die Nachfrage der Produkte, kann der Verbraucher zeigen, dass Interesse an einer besseren Kennzeichnung und tiergerechtere Haltung besteht. Bisher bieten jedoch nur wenige Handelsketten und zum Teil nur einzelne Filialen Produkte mit den Laben an. Hühnerfleisch ist nur in der Einstiegsstufe erhältlich.
Aus Sicht der Verbraucherzentrale Thüringen e.V. ist eine gesetzliche Regelung mit einheitlichen Vorgaben zu Haltung und Kennzeichnung erforderlich, um dem Siegel-Wirrwarr ein Ende zu setzen und Verbrauchern eine vertrauenswürdige Entscheidungshilfe für echten Tierschutz zu bieten.
Neben den Tierschutzlabeln stellen Bio-Produkte eine gute Wahl dar, da sie EU-weit verbindlich für Erzeugung, Kontrolle und Kennzeichnung geregelt sind. Daneben ist die Verringerung des Fleischkonsums ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz.
Weitere Informationen zu den Anforderungen der beiden Tierschutzlabel Tierschutz kontrolliert und Für mehr Tierschutz finden Verbraucher und Verbraucherinnen auf der Homepage der Verbraucherzentrale Thüringen e.V. www.vzth.de.
