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Mi, 08:09 Uhr
19.03.2014

Noch am besten in Nordhausen

Drei von vier Patienten in Deutschland, die an einer schweren Depression erkrankt sind, erhalten keine angemessene Therapie. Laut aktuellem „Faktencheck Gesundheit“ der Bertelsmann Stiftung liegt die Quote der adäquaten Behandlungen in Thüringen bei 20 Prozent und damit unter dem Bundesdurchschnitt von 26 Prozent...


Wie hoch die Chance eines Patienten auf eine angemessene Therapie ist, hängt nicht zuletzt vom Wohnort ab. So ist im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (14 Prozent) der Anteil der adäquaten Behandlungen halb so groß wie im Landkreis Nordhausen (28 Prozent). Den bundesweit höchsten Wert erreicht die nordrhein-westfälische Universitätsstadt Münster mit 40 Prozent. Nordrhein-Westfalen (30 Prozent) schneidet auch im Bundeslandvergleich am besten ab, während Thüringen und das Saarland (beide 20 Prozent) die Schlusslichter bilden.

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Depressionen gehören zu den häufigsten und folgenreichsten Erkrankungen. Jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an einer Depression. Derzeit leiden rund neun Millionen Deutsche an einer behandlungsbedürftigen Depression, mindestens 15 Prozent von ihnen sind schwer krank. Prof. Martin Härter, Direktor Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf und Autor der Studie : „Die Ergebnisse sind alarmierend. Werden Depressionen nicht angemessen behandelt, können sie chronisch werden. Noch gravierender ist die Gefahr von Suizid bei schweren Depressionen.“ Durchschnittlich nimmt sich jeder siebte schwer Depressive das Leben.

Die angemessene Behandlung von schweren Depressionen besteht aus einer Kombination von Psychotherapie und der Einnahme von Antidepressiva. Doch nur ein Viertel der Betroffenen wird laut Faktencheck Gesundheit auf diese Weise behandelt. Viele Schwerkranke bekommen ausschließlich Medikamente. Der Großteil der Patienten erhält keine oder eine zu kurze Therapie.

Die Gründe für die Unterschiede in der Versorgung von schweren Depressionen sind vielschichtig. Eine Ursache ist das regional unterschiedliche Angebot an Psychotherapeuten und Fachärzten. Während zum Beispiel im Kyffhäuserkreis sieben Psychotherapeuten bzw. Fachärzte auf 100.000 Einwohner kommen, sind es in Jena 56. Im Ländervergleich liegt Thüringen hier im unteren Drittel. Die Spitzenreiter Berlin, Bremen und Hamburg haben eine bis zu viermal höhere Facharzt- bzw. Psychotherapeutendichte als die ostdeutschen Bundesländer.

Wartezeiten von durchschnittlich 17 Wochen auf einen Therapieplatz unterstreichen die Versorgungsproblematik. Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung: "Insbesondere schwer Erkrankte benötigen schnelle und angemessene Hilfe. Dafür müssen die Therapieplätze bedarfsgerechter verteilt werden. Auch neue Versorgungsmodelle können dazu beitragen, die Situation der Patienten zu verbessern."

Der Faktencheck Depression weist erstmals die hohe Diskrepanz zwischen Behandlungsempfehlungen und der tatsächlichen Versorgung nach. Für die Studie wurden die anonymisierten Daten von rund sechs Millionen Versicherten der Betriebs- und Innungskrankenkassen ausgewertet. Sie sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.
Bildquelle: Petra Bork / PIXELIO
Autor: red

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