Fr, 07:00 Uhr
31.10.2014
Lichtblick: Ich will es rund machen
Unlängst hatte er ein schönes Erlebnis, einen Lichtblick sozusagen. Im Büro klopfte eine Frau an und legte einen Zeitungsartikel auf den Tisch, der vom Konzert der Prinzen in der Bad Frankenhäuser Unterkirche berichtete...
Dort stand zu lesen, dass die Konzertbesucher nach dem Konzert noch sehr spendabel waren und 967 Euro in die Schale legten. Dieses Geld, so Kantorin Laura Schildmann, komme vollumfänglich der Sanierung der Strobelorgel zu gute und sei gut angelegt.
Die Frau nun kam und sagte, es ist ein solches Gedränge am Ausgang gewesen, dass ich nicht an die Schale herankam und ich möchte den Betrag rund machen und legte die ungewöhnliche Spendensumme von 33 Euro auf den Tisch. Ich war platt und hoch erfreut, quittierte und steckte das Geld für die Kantorin in ein Couvert, der Frau für Ihre tolle Idee und die Spende dankend.
Mit einigem zeitlichen Abstand finde ich, dass dieses Erlebnis auch eine symbolische Ebene hat.
Vielen Menschen, ob Christen oder nicht, sind bestrebt, in ihrem Leben Dinge rund zu machen, stimmig und klar. Je älter wir werden, umso stärker wächst scheinbar das Interesse daran.
Wir wollen die Dinge regeln, Konflikte lösen, das Gespräch suchen und eben alles rund machen. Dass das nicht immer gelingt, ist leider wahr, denn zu Konflikten gehören immer zwei und wenn das Gegenüber nicht will (oder kann), ist unser Wille nur die halbe Miete.
Ich sehe mich als Christ dabei als außerordentlich privilegiert an, weil ich glaube, dass Gott selbst die Dinge rund macht, die ich nicht rund zu machen vermag. Dinge, die mir missglückten, das Wort, das mir in einem unbedachten Augenblick herausrutschte und das einen anderen langanhaltend verletzte, so dass jetzt nichts mehr rund läuft.
Es wird diese Dinge immer geben, in der Natur ist auch nicht alles rund. Es gibt so viele Ecken und Kanten, die ich in meinem Leben gern abschliffe und glättete. Dabei ist das oft gar nicht nötig, denn die Ecken und Kanten haben auch ihre Funktion und ihre Bedeutung. Sie erinnern uns daran, dass wir nicht vollkommen sind (wer sich für vollkommen hält/hielte, ist/wäre unausstehlich).
Wir sind im Herbst angekommen, der uns dieses Jahr sehr verwöhnt. Das ist nicht selbstverständlich. Am Ewigkeitssonntag (Totensonntag), der das Kirchenjahr beschließt und der bald kommt und das Kirchenjahr rund macht, das mit dem 1. Advent neu beginnt, gedenken wir in vielen Kirchen der Verstorbenen, die nicht mehr aktiv eingreifen können, die nichts mehr selbst rund machen können.
Wir aber können das versuchen - mit Blick auf diesen Tag ganz bewusst einmal prüfen: wo kann ich in diesen gut drei Wochen etwas rund machen, einen Streit beenden, eine Versöhnung ermöglichen, ein gutes Wort sprechen und versuchen, neu anzufangen, so wie das Kirchenjahr am Sonntag darauf, dem ersten Advent. Es wäre ein guter Anlass, angesichts der vergegenwärtigten Endlichkeit unseres Lebens. Ihres wie meines.
Seien Sie herzlich gegrüßt und machen Sie rund was in Ihren Kräften steht, um den Rest kümmert sich, Gott sei Dank, ER selbst.
Superintendent Kristóf Bálint
Autor: redDort stand zu lesen, dass die Konzertbesucher nach dem Konzert noch sehr spendabel waren und 967 Euro in die Schale legten. Dieses Geld, so Kantorin Laura Schildmann, komme vollumfänglich der Sanierung der Strobelorgel zu gute und sei gut angelegt.
Die Frau nun kam und sagte, es ist ein solches Gedränge am Ausgang gewesen, dass ich nicht an die Schale herankam und ich möchte den Betrag rund machen und legte die ungewöhnliche Spendensumme von 33 Euro auf den Tisch. Ich war platt und hoch erfreut, quittierte und steckte das Geld für die Kantorin in ein Couvert, der Frau für Ihre tolle Idee und die Spende dankend.
Mit einigem zeitlichen Abstand finde ich, dass dieses Erlebnis auch eine symbolische Ebene hat.
Vielen Menschen, ob Christen oder nicht, sind bestrebt, in ihrem Leben Dinge rund zu machen, stimmig und klar. Je älter wir werden, umso stärker wächst scheinbar das Interesse daran.
Wir wollen die Dinge regeln, Konflikte lösen, das Gespräch suchen und eben alles rund machen. Dass das nicht immer gelingt, ist leider wahr, denn zu Konflikten gehören immer zwei und wenn das Gegenüber nicht will (oder kann), ist unser Wille nur die halbe Miete.
Ich sehe mich als Christ dabei als außerordentlich privilegiert an, weil ich glaube, dass Gott selbst die Dinge rund macht, die ich nicht rund zu machen vermag. Dinge, die mir missglückten, das Wort, das mir in einem unbedachten Augenblick herausrutschte und das einen anderen langanhaltend verletzte, so dass jetzt nichts mehr rund läuft.
Es wird diese Dinge immer geben, in der Natur ist auch nicht alles rund. Es gibt so viele Ecken und Kanten, die ich in meinem Leben gern abschliffe und glättete. Dabei ist das oft gar nicht nötig, denn die Ecken und Kanten haben auch ihre Funktion und ihre Bedeutung. Sie erinnern uns daran, dass wir nicht vollkommen sind (wer sich für vollkommen hält/hielte, ist/wäre unausstehlich).
Wir sind im Herbst angekommen, der uns dieses Jahr sehr verwöhnt. Das ist nicht selbstverständlich. Am Ewigkeitssonntag (Totensonntag), der das Kirchenjahr beschließt und der bald kommt und das Kirchenjahr rund macht, das mit dem 1. Advent neu beginnt, gedenken wir in vielen Kirchen der Verstorbenen, die nicht mehr aktiv eingreifen können, die nichts mehr selbst rund machen können.
Wir aber können das versuchen - mit Blick auf diesen Tag ganz bewusst einmal prüfen: wo kann ich in diesen gut drei Wochen etwas rund machen, einen Streit beenden, eine Versöhnung ermöglichen, ein gutes Wort sprechen und versuchen, neu anzufangen, so wie das Kirchenjahr am Sonntag darauf, dem ersten Advent. Es wäre ein guter Anlass, angesichts der vergegenwärtigten Endlichkeit unseres Lebens. Ihres wie meines.
Seien Sie herzlich gegrüßt und machen Sie rund was in Ihren Kräften steht, um den Rest kümmert sich, Gott sei Dank, ER selbst.
Superintendent Kristóf Bálint
