Do, 08:33 Uhr
11.12.2014
Geschneit hat es schon, Schuhe fehlen noch immer
So beginnt ein Zuschrift der Adventgemeinde Sondershausen über einen Besuch in der Flüchtlingsunterkunft Sondershausen...
In der Adventgemeinde Sondershausen, deren Mitglied ich bin, wurde über die Situation der Flüchtlinge hier vor Ort berichtet. Artikel aus der Tagespresse wurden verlesen und auch ein kleiner Spendenaufruf gestartet. Schließlich steht der Winter vor der Tür und warme Herrenschuhe würden noch benötigt (Größe 40 bis 42).
Schnell war klar, dass auch wir uns engagieren wollen. Auf Nachfrage in der Ausländerbehörde, was denn nun genau noch benötigt würde, riet man uns, direkt vor Ort nachzufragen. Wir entschlossen uns der Einfachheit halber, eine Geldspende zur eigenverantwortlichen Verwendung der Hausleitung zu übergeben.
Am Mittwochvormittag, den 10.12.2014, besuchten wir die Einrichtung in der Güntherstraße. Sehr freundlich und herzlich empfing uns Frau Striene. Sie war sichtlich erfreut, über unseren pragmatischen Ansatz, eine Geldspende vorbei zu bringen. Sie erklärte uns, dass auch weiterhin Herrenschuhe benötigt werden.
Jeder, aber auch wirklich jeder Hausbewohner, dem wir begegneten, grüßte freundlich. Natürlich hatten wir auch ein paar Süßigkeiten für die Kinder mitgebracht. Frau Striene ermutigte uns, diese den Familien persönlich zu übergeben. Ja, die Kinder freuen sich immer über Süßigkeiten. Also besuchten wir zwei Familien: Eine Roma – Familie aus Mazedonien mit fünf Kindern und eine Familie aus Syrien mit drei Kindern.
Zu unserer Überraschung konnten wir mit der Roma – Familie Deutsch sprechen. Die Mutter spricht so gut Deutsch, dass die Unterhaltung mit etwas Schützenhilfe in unserer Muttersprache stattfand. Sie freute sich sehr über die Mitbringsel für die Kinder und beauftragte sogleich ihre älteste Tochter, mit der syrischen Familie zu teilen. Weiterhin erklärte sie uns, dass ihre Kinder in der Heimat noch keinen Tag eine Schule besuchen konnten. Der Sohn 16, die älteste Tochter 14 und eine Siebenjährige, hätten sich sehr auf einen Schulbesuch gefreut.
Der Traum, mit Schul – und Berufsabschluss, einen besseren Start ins Leben zu finden, sei hier so nah gewesen. Doch nun sei ein Schulbesuch vorerst nicht möglich. Man werde sehen, ob da noch etwas erreicht werden kann.
Zwischenzeitlich schloss Frau Striene zu uns auf und erklärte, dass zwar die Eltern, die Kinder aber derzeit noch keinen Deutschkurs erhalten würden.
Aber das muss sich doch ändern lassen! Es muss doch ein paar pensionierte Lehrer oder sonstbegabte Laien geben, die den Kindern mit Sprache Integration ermöglichen.
Die syrische Familie sprach leider weder Deutsch noch Englisch. Frau Striene hatte auch dafür eine Lösung. Diese Frau macht einem den Besuch vor Ort wirklich leicht. Auch sonst scheint sie so etwas, wie der gute Geist des Hauses zu sein. Kurzum, sie hatte eine App auf ihrem Handy: Mit deren Hilfe konnten wir unsere Fragen übersetzen. Die Familie war ausgesprochen zurückhaltend.
Man bedankte sich sehr herzlich, wenn auch mit Verwunderung, über unseren Besuch – so ganz ohne Anlass und nur, um Geschenke zu bringen? Sonst bräuchte man nichts. Man sei zufrieden, alles sei gut. Ein Blick auf die nackten Füße der Kinder und eine aufmunternde Nachfrage ließ mit einem schüchternen Lächeln die Bitte um Kinderschuhe zu Tage treten (akut benötigt werden hier Mädchenschuhe der Größe 20, 21, 28 und 37).
Wir verabschieden uns mit der Erkenntnis, dass es gut war, einmal persönlich vor Ort gewesen zu sein. Wir haben eine Lektion in Sachen Demut erhalten. Natürlich hoffen wir, dass auch zukünftig die Situation der Flüchtlinge von gesellschaftlichem Interesse ist und nicht nur jetzt als eine Art Hype
.
Von einem Foto haben wir abgesehen. Uns erschien das nicht passend. Erst, wenn man über den Gang läuft, wird einem klar, dass hinter jeder einzelnen Tür das ganze zu Hause eines anderen Menschen liegt. Es ist schon schwierig genug, auf so engem Raum Privatsphäre zu ermöglichen.
Beschämt hat uns Folgendes: Einige Mitglieder einer Flüchtlingsfamilie wurden in der Stadt – wegen eines Pressefotos erkannt – offen angepöbelt und verfolgt. Sie hatten Angst und befürchten auch weiterhin, bedrängt zu werden. Gerade deswegen waren sie sehr froh über unseren freundlich gesonnenen Besuch.
Abschließend möchten wir all den Menschen, Organisationen und Initiativen in Sondershausen danken, die sich für die Asylbewerber einsetzen. Wir möchten jeden ermutigen, Menschlichkeit mit Wort und Tat zu beweisen.
R. und S. Schraps
Im Auftrag der Adventgemeinde Sonderhausen
Autor: khhIn der Adventgemeinde Sondershausen, deren Mitglied ich bin, wurde über die Situation der Flüchtlinge hier vor Ort berichtet. Artikel aus der Tagespresse wurden verlesen und auch ein kleiner Spendenaufruf gestartet. Schließlich steht der Winter vor der Tür und warme Herrenschuhe würden noch benötigt (Größe 40 bis 42).
Schnell war klar, dass auch wir uns engagieren wollen. Auf Nachfrage in der Ausländerbehörde, was denn nun genau noch benötigt würde, riet man uns, direkt vor Ort nachzufragen. Wir entschlossen uns der Einfachheit halber, eine Geldspende zur eigenverantwortlichen Verwendung der Hausleitung zu übergeben.
Am Mittwochvormittag, den 10.12.2014, besuchten wir die Einrichtung in der Güntherstraße. Sehr freundlich und herzlich empfing uns Frau Striene. Sie war sichtlich erfreut, über unseren pragmatischen Ansatz, eine Geldspende vorbei zu bringen. Sie erklärte uns, dass auch weiterhin Herrenschuhe benötigt werden.
Jeder, aber auch wirklich jeder Hausbewohner, dem wir begegneten, grüßte freundlich. Natürlich hatten wir auch ein paar Süßigkeiten für die Kinder mitgebracht. Frau Striene ermutigte uns, diese den Familien persönlich zu übergeben. Ja, die Kinder freuen sich immer über Süßigkeiten. Also besuchten wir zwei Familien: Eine Roma – Familie aus Mazedonien mit fünf Kindern und eine Familie aus Syrien mit drei Kindern.
Zu unserer Überraschung konnten wir mit der Roma – Familie Deutsch sprechen. Die Mutter spricht so gut Deutsch, dass die Unterhaltung mit etwas Schützenhilfe in unserer Muttersprache stattfand. Sie freute sich sehr über die Mitbringsel für die Kinder und beauftragte sogleich ihre älteste Tochter, mit der syrischen Familie zu teilen. Weiterhin erklärte sie uns, dass ihre Kinder in der Heimat noch keinen Tag eine Schule besuchen konnten. Der Sohn 16, die älteste Tochter 14 und eine Siebenjährige, hätten sich sehr auf einen Schulbesuch gefreut.
Der Traum, mit Schul – und Berufsabschluss, einen besseren Start ins Leben zu finden, sei hier so nah gewesen. Doch nun sei ein Schulbesuch vorerst nicht möglich. Man werde sehen, ob da noch etwas erreicht werden kann.
Zwischenzeitlich schloss Frau Striene zu uns auf und erklärte, dass zwar die Eltern, die Kinder aber derzeit noch keinen Deutschkurs erhalten würden.
Aber das muss sich doch ändern lassen! Es muss doch ein paar pensionierte Lehrer oder sonstbegabte Laien geben, die den Kindern mit Sprache Integration ermöglichen.
Die syrische Familie sprach leider weder Deutsch noch Englisch. Frau Striene hatte auch dafür eine Lösung. Diese Frau macht einem den Besuch vor Ort wirklich leicht. Auch sonst scheint sie so etwas, wie der gute Geist des Hauses zu sein. Kurzum, sie hatte eine App auf ihrem Handy: Mit deren Hilfe konnten wir unsere Fragen übersetzen. Die Familie war ausgesprochen zurückhaltend.
Man bedankte sich sehr herzlich, wenn auch mit Verwunderung, über unseren Besuch – so ganz ohne Anlass und nur, um Geschenke zu bringen? Sonst bräuchte man nichts. Man sei zufrieden, alles sei gut. Ein Blick auf die nackten Füße der Kinder und eine aufmunternde Nachfrage ließ mit einem schüchternen Lächeln die Bitte um Kinderschuhe zu Tage treten (akut benötigt werden hier Mädchenschuhe der Größe 20, 21, 28 und 37).
Wir verabschieden uns mit der Erkenntnis, dass es gut war, einmal persönlich vor Ort gewesen zu sein. Wir haben eine Lektion in Sachen Demut erhalten. Natürlich hoffen wir, dass auch zukünftig die Situation der Flüchtlinge von gesellschaftlichem Interesse ist und nicht nur jetzt als eine Art Hype
.
Von einem Foto haben wir abgesehen. Uns erschien das nicht passend. Erst, wenn man über den Gang läuft, wird einem klar, dass hinter jeder einzelnen Tür das ganze zu Hause eines anderen Menschen liegt. Es ist schon schwierig genug, auf so engem Raum Privatsphäre zu ermöglichen.
Beschämt hat uns Folgendes: Einige Mitglieder einer Flüchtlingsfamilie wurden in der Stadt – wegen eines Pressefotos erkannt – offen angepöbelt und verfolgt. Sie hatten Angst und befürchten auch weiterhin, bedrängt zu werden. Gerade deswegen waren sie sehr froh über unseren freundlich gesonnenen Besuch.
Abschließend möchten wir all den Menschen, Organisationen und Initiativen in Sondershausen danken, die sich für die Asylbewerber einsetzen. Wir möchten jeden ermutigen, Menschlichkeit mit Wort und Tat zu beweisen.
R. und S. Schraps
Im Auftrag der Adventgemeinde Sonderhausen