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Di, 14:48 Uhr
14.04.2015

Ebeleben vor 70 Jahren

Es ist genau 70 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg, der von deutschem Boden ausging, Schrecken über Europa und die ganze Welt brachte. Dazu ein Bericht von Uwe Vogt...

Im Frühjahr 1945 erreichten die Kriegshandlungen Thüringer Boden. Kurz nach Ostern, Ostersonntag war am 1. April, waren erste Beschießungen des erst 17 Jahre das Stadtrecht führenden Ebelebens zu registrieren.

Ebeleben vor 70 Jahren (Foto: Privat) Ebeleben vor 70 Jahren (Foto: Privat)

Von der Familie des damaligen Ebelebener Arztes Dr. Herbert Koch, der selbst als Arzt in dieser Zeit im Krieg war, sind die persönlichen Aufzeichnungen des Vaters Arno Koch zur Verfügung gestellt worden, die heute als äußerst interessantes Zeitdokument die Kriegsereignisse aus Sicht der Bevölkerung widerspiegeln. Im Buch „Geschichte & Geschichten aus Ebeleben“ (Teil 2) von Uwe Vogt und Helmut Röttig ist das komplette Kriegstagebuch veröffentlicht worden. Aus diesem Buch wird der Autor im Rahmen des Lesefestivals in Sondershausen am 24.April lesen.

Ebeleben vor 70 Jahren (Foto: Privat) Ebeleben vor 70 Jahren (Foto: Privat)

Der Zeitzeugenbericht von Arno Koch wird durch die persönlichen Erinnerungen von Hanna Angermann zu Kriegsschäden ergänzt.

Aus dem Kriegstagebuch von Arno Koch:
10. April (Dienstag):
Nach schlechter Nacht wird bekannt, dass unsere Truppen die Orte Rockensußra und Holzsußra genommen haben. Es soll aber eine Falle gewesen sein, denn die deutschen Soldaten wurden wieder aus den Orten zurückgeworfen. Die drei schweren Panzer und 8 bis 10 leichte Panzer zogen sich ebenfalls zurück. Auf unserem Verbandsplatz waren auch zwei Amerikaner eingeliefert worden. Der Schwerverwundete war ein sehr großer Mann um die 19 Jahre aus Indianapolis. Er hatte drei große schwere Fleischwunden und den Oberarm gebrochen. Wir haben ihn sehr gut verpflegt und verbunden.

Am Nachmittag kam dann der Vergeltungsangriff auf unseren schweren Vorstoß. Der Ort wurde stundenlang von Jagdbombern und Artillerie sowie Panzern angegriffen, dass wir Gott danken können, dass wir am Leben geblieben sind. In den Garten gingen fünf Volltreffer, einer durch die Klinik... Das Haus ist zerlöchert, hunderte von Einschüssen, alle Fenster sind entzwei, die Möbel sind durchlöchert. Aber das Leben haben wir bis heute behalten. Den schwer verwundeten Amerikaner hatten wir auch mit in den Keller genommen, der andere war selbst wieder fort gegangen. Für die gute Behandlung hat mir der Verwundete noch ein paar Worte auf einen Zettel geschrieben. Nach dem Angriff ist der Ort fast nicht wieder zu erkennen. Das schöne Schloss ist niedergebrannt, bis zum ersten Stock, da kein Wasser zum Löschen vorhanden war. Die Stallungen von Rimpau (heutiger Teil der Freiwilligen Feuerwehr für die historischen Abteilung - Anmerkung des Autors), teilweise auch das Wohnhaus (heutiges Rathaus) hatten Treffer bekommen. Viele andere Gebäude gingen in Schutt und Asche. Gegen Abend kam Dr. Engel zu uns herauf und wollte den Amerikaner verbinden. Ich habe ihm gesagt, dass wir den Blutkreislauf eben wieder für kurze Zeit geöffnet hatten... Wir haben den Mann herunter in Dr. Engels Wohnung (heutige Lindenstraße) getragen. Dr. Engel konnte gar nichts mehr machen. Ich habe dann ein amerikanisches Rotes Kreuz- Auto kommen lassen. In zehn Minuten waren acht Mann da. Habe auch mit dem Arzt gesprochen, ihm auch den Zettel von dem Verstorbenen lesen lassen. Der Arzt hat mir auf die Schulter geklopft und sich mit einem Händedruck bedankt.
In der Nacht blieb es ruhig. Einige deutsche Soldaten ließen sich noch gefangen nehmen. Sie haben ihre Waffen abgelegt.

Aus den Erinnerungen von Hanna Angermann:

Durch Bauunterlagen meines Vaters sind mir folgende Kriegsschäden in Ebeleben bekannt:
Teil - und Totalschäden.
1. Paul Kowalski, Mühlstraße, Stall und Scheune
2. Karl-Marienhaus Ebeleben, Hofscheune
3. Kurt Ackermann, Markt Werkstatt und Nebengebäude
4. Rathaus Grundstück am Markt Scheune, Nebengebäude
5. ehem. Domänengelände, Marksußra Geräteschuppen und andere Gebäude
6. Geschwister Heuke, Hauptstraße, Stall total - Wohnhaus teilw.
7. Wohn- und Geschäftshaus Leopold Helbing, Markt - total
8. Ausstellungshalle Leopold Helbing, Markt, ausgebrannt, wurde Wohnhaus
9. Ida Schädlich, Vorwerksgarten, Stall
10. Robert Laux, Mühlhäuser Str. 22 - Stall, Scheune
11. Frieda Hendrich, Ziegeleiplatz - Stall und Scheune
12. Kurt Diezmann, Mühlhäuser Str. 6 - Scheune, Nebengebäude
13. Georg Eckleben, Mühlhäuser Str. 1 - Scheune, Stall - später wurde noch ein
Blindgänger in der Mistgrube gefunden.
14. Frau Kindler, Mühlhäuser Str. 9, Stall und Scheune
15. Erich Stadermann, Mühlhäuser Str. 3 - Stall und Scheune
16. Hermann Schleuchert, Vorwerksgarten -- Wohnhaus
17. Schlossmühle Günther, Mühlstrasse, Wohn- und Mühlengebäude, Totalschaden
18. Gebrüder Adolf und Paul Vogt, Mühlhäuser Str. 16 - Wohnhaus,
Nebengebäude und alle Produktionsgebäude der Ziegelei durch Brandbomben.
Außerdem sind mir in Erinnerung:
19. Hermann Stier, Mühlhäuser Str. 17 - Scheune
20. Luise Horn, Mühlhäuser Str. 19 - Scheune
21. Karl Wiegand, Mühlhäuser Str. - Stall und Lagergebäude

Uwe Vogt

Onlineverkauf
Die Bücher "Geschichte und Geschichten aus Ebeleben Teil 2" und "Geschichte und Geschichten aus Ebeleben Teil 3" sind online bestellbar:
info@bildarchiv-roettig.de
Preise:
Band 1 - ausverkauft
Band 2 - 26,90€ (nur noch wenige Exemplare verfügbar)
Band 3 - 29,00€
Verpackung und Versand ergehen kostenfrei.
 Verkaufsstellen
Stadtverwaltung, Rathausstraße, Ebeleben
Modegeschäft Heyne, Markt, Ebeleben
Bäckerei Eckleben- Cafe
REWE Supermarkt, Sondershäuser Straße, Ebeleben
Hotel „Thüringer Hof“ Ebeleben
Buchhandlung Erdenberger Schlotheim
Autor: khh

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