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Mi, 16:16 Uhr
23.09.2015
kn-Forum

Offener Brief an die SPD-Fraktion

An die SPD-Fraktion im Sondershäuser Stadtrat wendet sich dieser offene Brief, der kn soebenvon Uwe Dönhoff erreichte...

Nachdem ich meine Schockstarre überwunden habe, möchte ich Euch als scheidendes SPD Mitglied noch folgendes ans Herz legen. Als ich am 18. November 1989 die SDP mit gründete, waren die SPD-Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität mein Hauptmotiv, mich für diese Partei zu entscheiden. Sichtbar und hörbar wird eine Partei vor allem über ihre Vertreter/Fraktion im Stadtrat und kommunale Wahlbeamte.

Da fast alle Rathäuser und Landratsämter nach den ersten freien Wahlen von der CDU geführt wurden, waren wir stolz über jeden Bürgermeister und jeden Beigeordneten, der aus unseren Reihen kam.

Dass die Sondershäuser SPD Stadtratsfraktion nun einen Antrag unterstützt (oder möglicherweise sogar initiiert hat?), die erste Beigeordnete der Stadt abzuwählen, kann wohlwollend formuliert nur als unpolitisch und dumm bezeichnet werden. Der Schaden der damit angerichtet wird, trifft sowohl die SPD als auch die Kommunalpolitik allgemein. Das Verfahren, Wochen oder gar Monate zu taktieren, ohne den SPD Ortsvorstand oder die Betroffene zu informieren, wirft ein bezeichnendes Licht auf die sechs handelnden Fraktionsmitglieder.

Und was wirft man der Beigeordneten sachlich vor? - Nichts! Man wolle Geld sparen. Zumindest zahlt bis 2018 die Versorgungskasse, also eine öffentlich finanzierte Einrichtung, die Bezüge weiter. Tolle Einsparung! Die 1. Beigeordnete ist auch Leiterin des Fachbereichs Kultur, da nach dem Weggang des letzten Kulturamtsleiters die Stelle nicht wieder besetzt wurde.

Inzwischen ist im Rahmen der Haushaltskonsolidierung auch die entsprechende Stelle im Stellenplan ersatzlos gestrichen. Eine Stadt die mit Kultur und Musik überregional auf sich aufmerksam macht und weiter aufmerksam machen will ohne eine Botschafterin der Kultur? Ich fasse es nicht! Verhandlungen zur Kultur-, Museums- und Theaterfinanzierung, eine neue Folie im Schwimmbad Großfurra u.v.a.m. Denken die Stadträte wirklich, so etwas fällt vom Himmel und ist nicht durch Beharrlichkeit erstritten?

Es war in der Vergangenheit nicht zum Schaden der Stadt, Vertreter aus beiden großen Volksparteien in der Stadtspitze verankert zu haben. So bleibt man bei wechselnden politischen Konstellationen einfacher mit seinem Umland und der Landesregierung zum Wohle der Stadt im Gespräch. Kurzum, ich finde, das Sparargument vorgeschoben und die Verfahrensweise hinterhältig.

Ich vermute auch, dass die Entscheidung in der Fraktion, den Abwahlantrag zu unterstützen, nicht frei von Zwängen war, denn die Unterstützung der mächtigen Sozialamtsleiterin brauchen viele Vereine, so ein auch zwei Fraktionsmitglieder. Gemessen an der Leistung von Conny Kraffzick für die Stadt, die SPD in Sondershausen und die SPD im Kyffhäuserkreis ist das Abwahlbegehren aber auf jeden Fall ungerecht und ganz und gar unsolidarisch. Somit sind für mich grundlegende SPD Prinzipien elementar verletzt.

Um den Schaden für die Sondershäuser SPD zu begrenzen, lege ich Sabine Bräunicke nahe, sich zu entschuldigen, die politische Verantwortung zu übernehmen und ihr Stadtratsmandat sowie sämtliche Parteiämter niederzulegen. An die SPD Fraktion kann ich nur appellieren gegen den Antrag zu stimmen und die weiteren Parteien des Sondershäuser Stadtrates im Vorfeld der Sitzung über das geänderte Abstimmungsverhalten zu unterrichten.

Uwe Dönhoff
Autor: khh

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Micha123
23.09.2015, 17:37 Uhr
Rücktritt
Sehr geehrter Herr Dönhoff,

wäre ich ein SPD Mitglied - so könnte würde ich Ihren Unmut verstehen.
Aber der Bürger sieht hier folgendes: Es geht nur um die Macht!
Egal - menschliche-, politische-, wirtschaftliche Aspekte spielen da keine Rolle.
Der Kreis hat es doch vorgemacht mit der Abwahl des 1. Beigeordneten. Allerdings war Herr Häßler parteilos und hatte so keine "Lobby".

Warum wird beim Bürger gespart? Firedhofgebühren usw. Alles belastet den Bürger. Warum fängt man nicht in den eigenen Reihen dann auch an? Von daher war dieser Schritt notwendig.
Auch wenn es suspekt ist, dass ja dann eine Versorgungskasse die Bezüge weiter zahlt. Am Ende belastet dies aber den Sonderhäuser Bürger und die Stadt weniger - also wenn die Kosten alleine bei der Stadt bleiben.

Der zuständige für den Bereich Kultur des Landratsamtes Kyffhäuserkreis sitzt auch mit im Sondershäuser Stadtrat. Das Landratsamt ist neben der Stadtverwaltung. Vielleicht kann sich in Zukunft diese Person auch mit ein wenig um Kultur in der Stadt kümmern und man macht eben auf diese Art und Weise eine "Amtshilfe".

Frau Bräunicke hat sicherlich über den Tellerrand geschaut - dass sollten die anderen SPD'ler im Stadtrat auch tun und der Rest der Genossen auch.

Wenn aber solche "Streitigkeiten" scheinbar vorhanden sind.. so sollte man über Neuwahlen nachdenken. Obwohl für Stadtrat als auch für den Bürgermeister.
Tami.SDH
23.09.2015, 19:55 Uhr
Nicht nachvollziehbar...
Sehr geehrter Herr Dönhoff,

für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie Sie hier öffentlich „Stimmung machen“ gegen Ihre ehemaligen Parteikollegen und Ihnen unterstellen, den Antrag „möglicherweise sogar initiiert“ zu haben. Noch weniger ist nachzuvollziehen, wie Sie hier öffentlich auf die anstehende Entscheidung im Stadtrat Einfluss nehmen und die SPD-Fraktionsmitglieder beeinflussen wollen – oder sagen wir es mit Ihren Worten: „aufs herzlichste bitten, doch gegen den Antrag zu stimmen“!

Was sich mir als Leser vor allem nicht erschließt ist, warum deren möglicher und von Ihnen gewünschter „Sinneswandel“ auch sogar noch im Vorfeld anderen Parteien mitgeteilt werden soll. Welchen Zusammenhang soll es da bitte geben, wenn Mandatsträger in einem nach demokratischen Grundsätzen freien (!) Abstimmungsverfahren eine Entscheidung treffen?!?

Frau Bräunicke soll Schaden von der SPD abwenden. Vielleicht sollten Sie als scheidendes SPD-Mitglied lieber keinen weiteren Schaden durch Ihre öffentlichen „Gedanken“ anrichten!
Micha123
24.09.2015, 04:21 Uhr
Für die Abwahl der 1. Beigeordneten
Herr Dönhoff...
ich habe jetzt in anderen Artikel gelesen, dass Sie gar kein SPD Mitglied mehr sind.
Von daher - woher die Besorgnis gegenüber Ihrer Ex-Partei?

Sie sind Amtsleiter in der Stadtverwaltung von Sondershausen.
80% der Bürger träumen von so einem Einkommen - welches Sie in Sondershausen haben.
Ihnen macht es keine Sorgen, dass Ihr Arbeitgeber - die Stadt Sondershausen - de facto pleite ist.

Um was geht es hier? Machtspiele der SPD und private Interessen oder um den Bürger?
Wären Sie in der privaten Wirtschaft tätig, so würden Sie mit Sicherheit anders in der Öffentlichkeit reden.

War nicht einmal schon vor Jahren -intern- in der Stadtverwaltung Sondershausen die Rede davon, dass man diese Stelle des 1. Beigeordneten einsparen will??

Wie wäre es - im Interesse der Stadt Sondershausen und vor allem seiner Einwohner - wenn die komplette Verwaltung auf die Hälfte ihrer Gehälter verzichtet? So kann sicherlich die Stelle von Frau Kraffzick gehalten werden und es kann gespart werden. Und... es ist ein gutes Zeichen für alle Bürger!
Das wäre Gerechtigkeit - von der Sie ja auch schreiben.

Respekt vor Frau Bräunicke und ihrem Mut!

Hingegen unterstellen Sie Frau Bräunicke noch ihre Position im Kreis-Jugendamt auszunutzen. Da die Unterstützung der mächtigen Sozialamtsleiterin viele Vereine brauchen. Ina Seichter und Andreas Gothe sind Geschäftsführer von Vereinen und in der Stadtratsfraktion der SPD.

Viele SPD'ler geben hier ihre Meinung kund und sprechen sich für Frau Kraffzick aus. Allerdings kommt kein Statement von ihr selbst. Das vermissen mit Sicherheit viele Leser/Bürger. Vielleicht kommt es ja noch - so kann man gespannt sein auf die Entwicklung.

Und was sehr schlimm ist und die Bürger in "Schockstarre" versetzt... wenn sich noch nicht einmal mehr die "Basis" der SPD einig ist - wem wundert es, wenn sich in Berlin kaum was bewegt. Da bekommt man die Bestätigung, wenn die Regierung nichts "ahnte" von der Flüchtlingskrise und nun total überfordert ist.

Blicken Sie nach Erfurt, Dresden, Leipzig.. dort gehen die Menschen auf die Straße - ähnlich wie 1989 - weil man damals mit den Machtinhabern und System nicht mehr zu frieden war und nun wieder ist. Die SPD von 1989 war eine ganz andere. Wo ist denn heute noch der Unterschied zwischen SPD, Linke, Grüne, CDU? Bei entscheidenden Dingen kann man getrost von einer Blockpartei 2.0 sprechen.
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