Sa, 15:09 Uhr
20.02.2016
Feuerwehr aktuell
Gefährlicher Investitionsstau bei Feuerwehren
Kreistagsmitglieder und Stadträte wurden aufgefordert sich stärker um die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehren zu kümmern. Die Stadt Sondershausen bereitet zur Zeit sogar eine Sonderstadtratssitzung vor. Einzelheiten dazu hier...
Am gestrigen Abend fand im Gerätehaus der Freiwilligen (FFW) Feuerwehr Sondershausen die Jahreshauptversammlung der FFW Stockhausen statt, kn berichtet noch ausführlich. Schwerpunktthema war aber ganz klar die Probleme bei der Ausrüstung und den Räumlichkeiten.
Wehrleiter Mike Grambs hatte zur gestrigen Jahreshauptversammlung kompetenten Besuch erhalten. Fachbereichsleiter Manfred Kucksch (in Vertretung des Bürgermeisters Joachim Kreyer), Kreisbrandinspektor Peter Ortlepp und Stadtbrandmeister Sven Wreden.
Beim Rechenschaftsbericht konnte Kamerad Mike Grambs noch beim Positiven auf die Lieferung von 4 Stück neuer Chemikalienschutzanzügen verweisen (Dank an Peter Ortlepp), die nun wohl wieder für 15 Jahre reichen müssen, so Grambs. Auch einen Satz Prüfröhrchen gab es noch. Dann war aber auch die Herrlichkeit vorbei.
Nicht erhalten wurde die neuste Ausgabe der Gefahrgut CD - Hommel, die im Meßwagen eigentlich notwendig ist, und wegen der Aktualität ausgetauscht werden muss. Abgespeist wurde die Wehr mit dem Hinweis, es gibt ja eine App fürs Handy. Ein Diensthandy habe ich nicht, so Grambs, soll ich auch noch ein Privathandy einsetzten um die Einsatzbereitschaft der Technik zu gewährleisten?
Das war allerdings erst der Anfang. Als Kucksch die voraussichtlichen Mittel für die Feuerwehr Sondershausen im Jahre 2016 in Höhe von 230.000 Euro bekannt gab, war das Fass am überlaufen.
Schon Kucksch räumte ein, dass die Mittel bei weitem nicht reichen. Investitionen sind da kaum drin, denn die 230.000 Euro müssen ja auch für die Heizung, Verbrauchsmaterial usw. der 14 Wehren von Sondershausen reichen.
Kucksch führte aus, zum nun mal schon sechsten Male wird die Anschaffung eines neuen Feuerwehr Fahrzeuges für Oberspier verschoben. Von einem Beginn eines Anbaus für das Gerätehaus hier in Stockhausen kann überhaupt noch nicht die Rede sein. Frühere Planungen sind schon zu alt. Und ob die neuen Planungen überhaupt realisiert werden können, ist bei dem Etat auch noch nicht sicher, so Kucksch.
Mike Grambs verstand die Welt nicht mehr. Beim Umziehen für die Kameraden haben wir ein Niveau von den 70 er Jahren. Es gibt keinen Umkleideraum (erst recht nicht für die Mädchen und Frauen) und der Spalt zwischen geparktem Fahrzeug und den Spinden beträgt kaum 80 cm (Wo im Bild die Kameraden saßen steht ja sonst ein Einsatzfahrzeug.).
Wir sind froh auch Mädchen und Frauen in der Wehr zu haben und die müssen sich mit einer einzigen Toilette mit den Männern teilen. Wenn das Tor schon offen steht können die Passanten beim Umziehen der Frauen und Mädchen zu sehen.
Mike Grambs: Ich gebe hier weder Kucksch oder dem Bürgermeister und erst recht nicht Ortlepp und Wreden die Schuld an der Misere, sondern den Stadträten und den Kreistagsmitgliedern, denn die entscheiden über den Haushalt.
Den Stadträten und den Kreistagsmitgliedern müssen wir klarmachen, so Grambs weiter, wo der wahre Bedarf für die Feuerwehren liegen.
Und in der Tat, wie ist es denn. Die Verwaltung legt erst mal einen Vorschlag für den Haushaltsentwurf vor, der sich meist nicht am wahren Bedarf orientiert, sondern an dem den die Verwaltung denkt, finanzieren zu können und dort wird dann weiter kräftig gestrichen, was das Zeug hält.
Man muss sich mal vorstellen, so Grambs, es muss teils noch mit Fahrzeugen auf Basis W50 und LO Leben und Hab und Gut gerettet werden, die schon vor langer Zeit noch in der DDR gebaut wurden.
Ein spitze Zunge: Kennen Sie noch einen Politiker, von Staat, über Land bis zu den Bürgermeistern herunter, die noch mit Trabant oder Wartburg fahren? Aber wir als Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr sollen mit alten Kisten herumfahren! Dem muss man nichts hinzufügen!
Ein Kamerad in der Diskussion: Es ist genügend Geld in Deutschland da, es muss nur richtig verteilt werden. Die Rechnung ist einfach, Einsatzfahrzeuge sind nach 25 Jahren einfach verschlissen. Wir haben in der Stadt rund 25 Fahrzeuge. Schlussfolgerung, jedes Jahr müsse eigentlich ein Fahrzeug ausgetauscht werden. Wird es aber nicht.
Und die Misere ist ja nicht nur in Sondershausen so. Wir haben Kontakt zu anderen Wehren,so Grambs und es sieht stellenweise auch nicht besser aus. Im Gespräch mit kn fiel das Stichwort Drehleiter. Die FFW Greußen ist mit so einem Einsatzfahrzeug (Drehleiter) unterwegs, dass in den frühen 80er Jahren gebaut worden war.
In Sondershausen will man jetzt die "Reißleine ziehen". Stadtbrandmeister Sven Wreden und Fachbereichsleiter Manfred Kucksch informierten, dass eine Sonderstadtratssitzung für Sondershausen in Vorbereitung ist. In der sollen alle 14 Wehren der Stadt den Stadträten darlegen, wie die Ist-Situation wirklich ist und welcher Bedarf wirklich vorliegt.
Bisher liegen bereits 11 Zuarbeiten der Sondershäuser Wehren vor. Von drei Wehren fehlen noch die Zuarbeiten. Man sollte in diesen Wehren die Sache ernst nehmen.
Einen genauen Termin konnte Manfred Kucksch noch nicht nennen, aber es wird wohl erst im 2. Halbjahr etwas werden.
So lange müssen Stadträten und Kreistagsmitglieder aber eigentlich nicht warten. Der Weg zur nächsten Feuerwehr ist nicht weit. Aber auch Landtagsmitglieder sollten sich angesprochen fühlen, auch wenn sie von Mike Grambs nicht ausdrücklich angesprochen wurden.
Einen Lichtblick gab es. Wreden informierte, dass das defekte Fahrzeug mit der Drehleiter in Reparatur ist. Kostenpunkt immer hin 20.000 Euro. Es liegt wohl schon eine mündliche Zusage des Landkreise vor, die Hälfte der Kosten zu übernehmen.
Wenn das nicht wäre, würden die 20.000 Euro schon fast ein Zehntel des gesamten Feuerwehretats der Stadt Sondershausen fressen, ehe das Jahr so richtig begonnen hat.
Autor: khhAm gestrigen Abend fand im Gerätehaus der Freiwilligen (FFW) Feuerwehr Sondershausen die Jahreshauptversammlung der FFW Stockhausen statt, kn berichtet noch ausführlich. Schwerpunktthema war aber ganz klar die Probleme bei der Ausrüstung und den Räumlichkeiten.
Wehrleiter Mike Grambs hatte zur gestrigen Jahreshauptversammlung kompetenten Besuch erhalten. Fachbereichsleiter Manfred Kucksch (in Vertretung des Bürgermeisters Joachim Kreyer), Kreisbrandinspektor Peter Ortlepp und Stadtbrandmeister Sven Wreden.
Beim Rechenschaftsbericht konnte Kamerad Mike Grambs noch beim Positiven auf die Lieferung von 4 Stück neuer Chemikalienschutzanzügen verweisen (Dank an Peter Ortlepp), die nun wohl wieder für 15 Jahre reichen müssen, so Grambs. Auch einen Satz Prüfröhrchen gab es noch. Dann war aber auch die Herrlichkeit vorbei.
Nicht erhalten wurde die neuste Ausgabe der Gefahrgut CD - Hommel, die im Meßwagen eigentlich notwendig ist, und wegen der Aktualität ausgetauscht werden muss. Abgespeist wurde die Wehr mit dem Hinweis, es gibt ja eine App fürs Handy. Ein Diensthandy habe ich nicht, so Grambs, soll ich auch noch ein Privathandy einsetzten um die Einsatzbereitschaft der Technik zu gewährleisten?
Das war allerdings erst der Anfang. Als Kucksch die voraussichtlichen Mittel für die Feuerwehr Sondershausen im Jahre 2016 in Höhe von 230.000 Euro bekannt gab, war das Fass am überlaufen.
Schon Kucksch räumte ein, dass die Mittel bei weitem nicht reichen. Investitionen sind da kaum drin, denn die 230.000 Euro müssen ja auch für die Heizung, Verbrauchsmaterial usw. der 14 Wehren von Sondershausen reichen.
Kucksch führte aus, zum nun mal schon sechsten Male wird die Anschaffung eines neuen Feuerwehr Fahrzeuges für Oberspier verschoben. Von einem Beginn eines Anbaus für das Gerätehaus hier in Stockhausen kann überhaupt noch nicht die Rede sein. Frühere Planungen sind schon zu alt. Und ob die neuen Planungen überhaupt realisiert werden können, ist bei dem Etat auch noch nicht sicher, so Kucksch.
Mike Grambs verstand die Welt nicht mehr. Beim Umziehen für die Kameraden haben wir ein Niveau von den 70 er Jahren. Es gibt keinen Umkleideraum (erst recht nicht für die Mädchen und Frauen) und der Spalt zwischen geparktem Fahrzeug und den Spinden beträgt kaum 80 cm (Wo im Bild die Kameraden saßen steht ja sonst ein Einsatzfahrzeug.).
Wir sind froh auch Mädchen und Frauen in der Wehr zu haben und die müssen sich mit einer einzigen Toilette mit den Männern teilen. Wenn das Tor schon offen steht können die Passanten beim Umziehen der Frauen und Mädchen zu sehen.
Mike Grambs: Ich gebe hier weder Kucksch oder dem Bürgermeister und erst recht nicht Ortlepp und Wreden die Schuld an der Misere, sondern den Stadträten und den Kreistagsmitgliedern, denn die entscheiden über den Haushalt.
Den Stadträten und den Kreistagsmitgliedern müssen wir klarmachen, so Grambs weiter, wo der wahre Bedarf für die Feuerwehren liegen.
Und in der Tat, wie ist es denn. Die Verwaltung legt erst mal einen Vorschlag für den Haushaltsentwurf vor, der sich meist nicht am wahren Bedarf orientiert, sondern an dem den die Verwaltung denkt, finanzieren zu können und dort wird dann weiter kräftig gestrichen, was das Zeug hält.
Man muss sich mal vorstellen, so Grambs, es muss teils noch mit Fahrzeugen auf Basis W50 und LO Leben und Hab und Gut gerettet werden, die schon vor langer Zeit noch in der DDR gebaut wurden.
Ein spitze Zunge: Kennen Sie noch einen Politiker, von Staat, über Land bis zu den Bürgermeistern herunter, die noch mit Trabant oder Wartburg fahren? Aber wir als Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr sollen mit alten Kisten herumfahren! Dem muss man nichts hinzufügen!
Ein Kamerad in der Diskussion: Es ist genügend Geld in Deutschland da, es muss nur richtig verteilt werden. Die Rechnung ist einfach, Einsatzfahrzeuge sind nach 25 Jahren einfach verschlissen. Wir haben in der Stadt rund 25 Fahrzeuge. Schlussfolgerung, jedes Jahr müsse eigentlich ein Fahrzeug ausgetauscht werden. Wird es aber nicht.
Und die Misere ist ja nicht nur in Sondershausen so. Wir haben Kontakt zu anderen Wehren,so Grambs und es sieht stellenweise auch nicht besser aus. Im Gespräch mit kn fiel das Stichwort Drehleiter. Die FFW Greußen ist mit so einem Einsatzfahrzeug (Drehleiter) unterwegs, dass in den frühen 80er Jahren gebaut worden war.
In Sondershausen will man jetzt die "Reißleine ziehen". Stadtbrandmeister Sven Wreden und Fachbereichsleiter Manfred Kucksch informierten, dass eine Sonderstadtratssitzung für Sondershausen in Vorbereitung ist. In der sollen alle 14 Wehren der Stadt den Stadträten darlegen, wie die Ist-Situation wirklich ist und welcher Bedarf wirklich vorliegt.
Bisher liegen bereits 11 Zuarbeiten der Sondershäuser Wehren vor. Von drei Wehren fehlen noch die Zuarbeiten. Man sollte in diesen Wehren die Sache ernst nehmen.
Einen genauen Termin konnte Manfred Kucksch noch nicht nennen, aber es wird wohl erst im 2. Halbjahr etwas werden.
So lange müssen Stadträten und Kreistagsmitglieder aber eigentlich nicht warten. Der Weg zur nächsten Feuerwehr ist nicht weit. Aber auch Landtagsmitglieder sollten sich angesprochen fühlen, auch wenn sie von Mike Grambs nicht ausdrücklich angesprochen wurden.
Einen Lichtblick gab es. Wreden informierte, dass das defekte Fahrzeug mit der Drehleiter in Reparatur ist. Kostenpunkt immer hin 20.000 Euro. Es liegt wohl schon eine mündliche Zusage des Landkreise vor, die Hälfte der Kosten zu übernehmen.
Wenn das nicht wäre, würden die 20.000 Euro schon fast ein Zehntel des gesamten Feuerwehretats der Stadt Sondershausen fressen, ehe das Jahr so richtig begonnen hat.


