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Do, 13:03 Uhr
31.03.2016
Die Baubranche und der Arbeitsmarkt

Wo gebaut wird ist Zukunft

Die Botschaft ist seit Wochen die gleiche - es geht weiter Aufwärts am Arbeitsmarkt, auch bei der heutigen Präsentation der amtlichen Statistik war das nicht anders. Dafür muss man sich mit anderen Problemen auseinandersetzen, zu Gast bei der Firma Henning Bau wurde über Fachkräfte, Azubis und altgediente Meister auf dem Bau gesprochen...

"Wo gebaut wird ist Zukunft", die pragmatische Einschätzung stammt vom Hauptgeschäftsführer der Nordhäuser Kreishandwerkerschaft Klaus-Dieter Worm, und war heute in den Räumen der Baufirma Henning anlässlich der Präsentation der Arbeitsmarktzahlen zu hören.

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Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch der Baubranche gut, so die einfache Formel und das es gerade sehr gut läuft konnte man schon auf dem Betriebsgelände der Firma sehen, oder vielmehr nicht sehen, denn es war kaum eine Menschenseele zu entdecken - fast alle der 90 Angestellten haben auf diversen Baustellen zu tun. Die Auftragslage ist gut, zuletzt bekam man den Zuschlag für die Errichtung einer Erweiterung der Stallanlagen bei Wipperdorfer Agrar, freute sich die Geschäftsführerin der Firma Henning, Doris König.

Die Baubranche gehört zu den Jobmotoren in Nordthüringen, gut zehn Prozent aller Beschäftigten sind auf die eine oder andere Art im Baubereich beschäftigt, wesentlich mehr als im Rest des Freistaats, war von Karsten Froböse, Leiter der Nordhäuser Agentur für Arbeit zu erfahren.

Die Arbeitsmarktzahlen für Nordthüringen wurden heute bei der Firma Henning Bau präsentiert (Foto: Angelo Glashagel) Die Arbeitsmarktzahlen für Nordthüringen wurden heute bei der Firma Henning Bau präsentiert (Foto: Angelo Glashagel)

Über einen Mangel an Arbeit kann man sich also nicht beschweren. Sorge bereitet der Branche aber die Nachwuchssituation. Rund ein Viertel der Beschäftigten ist 55 Jahre und Älter, ein Drittel bereits zwischen 45 und 54 Jahren alt. Der Nachwuchs der unter 25jährigen macht kaum vier Prozent aus. "Es wird immer enger", konstatierte dementsprechend Hans-Dieter Worm, dabei sei "eine Karriere im Handwerk nicht von der Hand zu weisen". Ein Problem, so seine Analyse, ist das veraltete Bild des Berufszweiges in den Köpfen der Menschen. "Ein Maurer kann heute mehr als einfach nur eine Mauer hochziehen, das sind echte Allrounder", sagte Worm, reine Hilfsarbeiter würden in der Branche kaum noch gebraucht. Die Bezahlung könne sich am Ende auch sehen lassen, meinte Karsten Froböse, dank neuer Arbeitszeitmodelle und anderer Maßnahmen würde es über die kalte Jahreszeit in den Baufirmen auch kaum noch Entlassungen geben. Die Firmen können sich schlicht nicht sicher sein ob sie ihre Leute im Frühjahr auch wieder bekommen, oder ob sie nicht einen neuen Arbeitgeber gefunden haben.

Die Lösung muss Ausbildung heißen, und hier fand der Chef der Kreishandwerkerschaft viele lobende Worte für die Firma Henning, die seit Jahren "einer der Ausbildungsstärksten Betriebe" der Region sei. Zur Zeit lernen acht Azubis hier ihr Handwerk, einen weiteren erwartet man im Sommer. "Man kann in unserer Firma alles werden, meinen Job mal ausgenommen", scherzte Chefin Doris König. Zur Zeit bildet man Straßenbauer, Baugeräteführer, Maurer, Zimmerer und Dachdecker aus und kann mit dem Nachwuchs die Zahl der durch Renteneintritt bedingten Abgänge abfedern. Noch. Die Branchenzahlen würden sehr gut auf die eigene Firma passen, meinte Henning Mitarbeiterin Kristin Krafcick.

David Espinosa und Kristin Krafcick - in der Baubranche wird die Nachwuchssuche zunehmend schwerer (Foto: Angelo Glashagel) David Espinosa und Kristin Krafcick - in der Baubranche wird die Nachwuchssuche zunehmend schwerer (Foto: Angelo Glashagel)

Und so sucht man nach Alternativen, auch im Ausland. Mit David Espinosa und Javier Garcia gehören schon zwei Spanier zu den Azubis der Firma. Für die beiden hat man extra eine Wohnung in Urbach eingerichtet, ansonsten würde es schwer werden mit dem Weg zur Arbeit. Die Firma lässt sich ihre Azubis etwas kosten, "umsonst gibt es nichts", sagte König, "wir würden auch noch mehr einstellen, wir suchen nach Leuten".

Auch Flüchtlinge sind gern gesehen, wenn sie denn kommen möchten, so König. Fakt ist, dass die Zuwanderung aus dem europäischen Ausland überschaubar ist. Von den 85.700 Beschäftigten in Nordthüringen kommen rund 1.600 aus dem Ausland, nicht nur dem europäischen, viele von ihnen sind schon länger hier. Man werde aber weiter für den Standort Nordthüringen werben, versicherte Froböse, "das wird sich entwickeln".

Derweil konzentriert man sich auf die Integration der in den letzten Monaten angekommenen Flüchtlinge. 24 Personen befinden sich in einer Einstiegsqualifizierung, mehr geht im Moment nicht, der Gesetzgeber will es so. Als Alternative habe man verschiedene Maßnahmen bei Arbeitgebern gestartet, so Froböse. "Wir müssen jetzt anfangen und den Leuten zeigen, dass sie hier eine Perspektive haben", sagte der Agenturchef, "wir müssen uns trauen etwas auszuprobieren". Er sei immer wieder erstaunt, wie schnell es auch mit dem erlernen der Sprache funktioniere, wenn erst einmal in einem Betrieb gearbeitet wird.

Dem pflichtete auch Hans-Dieter Worm bei, was "Tasse" oder "Schraubenschlüssel" bedeute und das man "Guten Morgen" sage, könne man schon nach drei Tagen von alleine lernen. Die Sprachbarriere sei am Ende auch gar nicht so entscheidend, wie das oft dargestellt werde - andere Fragen wie etwa die Logistik von Unterbringung und Transport seien für die Unternehmen oft erst einmal viel drängender. Von größter Bedeutung sei aber die Motivation und das gelte für alle Auszubildenden, Einheimische wie Neuankömmlinge.

An Motivation fehlt es David Espinosa nicht, er hat auch die Osterzeit in Urbach verbracht, obwohl ihm ein wenig Heimaturlaub zugestanden hätte. Im Dorf ist er schon ein bekanntes Gesicht, der Fußballverein hat bereits sein Interesse an dem jungen Mann bekundet. Wenn es nach Doris König geht, wird er nicht der einzige Mitarbeiter mit anderen Wurzeln bleiben. Für kleinere Unternehmen, und im Handwerk sind das die meisten, sei die Ausbildung ausländischer Fachkräfte aber wesentlich schwieriger und ohne Unterstützung kaum möglich, mahnte Herr Worm.

Die gibt es und soll es auch weiterhin geben, bis handfeste Ergebnisse zu sehen sind, dürfte es aber noch eine Weile dauern, eine Ausbildung braucht nunmal ihre Zeit.
Angelo Glashagel
Autor: red

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