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Mo, 06:32 Uhr
09.05.2016
Forum:

Zum Tod von Margot Honecker

Ein Leser unserer Online-Zeitungen glaubt nicht, dass die Mehrheit der Journalisten, die sich in diesen Tagen zum Tod der ehemaligen DDR-Ministerin für Volksbildung äußern, tatsächlich auch in der DDR zur Schule gingen. Zu einseitig erscheinen ihm ihre Darstellungen...


Allzu einfach ist es, die Schwarz-Weiß-Malerei und Polarisierung, die Margot Honecker selbst verkörperte, einfach umzudrehen und gegen sie und ihre Politik zu richten.

Meist wird Margot Honecker, geborene Feist, als unnachgiebige Hardlinerin der marxistisch-leninistischen Ideologie beschrieben, als eine Frau, die nicht nur die „Partei neuen Typs“ verkörperte, sondern in der sozialistischen Schule auch makellose und kritiklose, von Kopf bis Fuß überzeugte Kommunisten heranziehen wollte. Die Benachteiligung christlicher, kritischer bzw. nicht systemkonformer Schüler und Studenten hat die gebürtige Hallenserin wesentlich mit zu verantworten.

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An meiner Hochschule wurden in den 60er Jahren Studenten exmatrikuliert, weil sie eine von der FDJ unabhängige Hochschulzeitung herausgaben, andere mussten sich jedes Mal bei höheren Parteimitgliedern melden, nachdem sie kirchliche Veranstaltungen besucht hatten.

So manchen guten Schülern blieben Abitur und Studium versagt, weil sie aus einem „Intelligenzler“haushalt kamen, regelmäßig Kontakte zu Westverwandten pflegten, sich nicht für einen dreijährigen Ehrendienst in NVA oder Grenztruppen verpflichteten oder im Staatsbürgerkundeunterricht eine drei auf dem Zeugnis hatten. Auch dass die Bildungsministerin mehrmals die Mauertoten verhöhnte, kann ihr nicht verziehen werden.
Dennoch täte eine differenzierte Sichtweise gerade in meinungsbildenden Medien gut.

Denn auf ihr Konto geht auch die polytechnische Schulausbildung, also die Verbindung des naturwissenschaftlich-technischen Unterrichts mit der praktischen Tätigkeit in damaligen volkseigenen Betrieben. Immer wieder wurde in Interviews, die ich zwischen 1998 und 2013 mit rund 1.600 Zeitzeugen überwiegend aus Ostdeutschland führte, von Unternehmern die zum Teil fürchterlichen Grundfähigkeiten der Nachwendelehrlinge beklagt, von denen viele weder Rechtschreibung noch Grundrechenarten ausreichend beherrschten. Das habe sich nach 1990 grundlegend zum Negativen verändert, hörte ich.

Und verwundert rieb sich im Westen so mancher die Augen, wenn ausgerechnet zwischen Saßnitz und Sonneberg Schüler im Rahmen der PISA-Studie auf dem naturwissenschaftlichen Sektor besser abschnitten, als jene in den Altbundesländern. Auch das dürfte eine späte Folge der Prioritäten sein, die dank Frau Honecker im Fachunterrichts an den POS und EOS (Erweiterte Oberschule, heute Gymnasium), aber auch in der straff organisierten, anspruchsvollen Ausbildung der DDR-Diplomlehrer in Mathematik, Physik, Chemie und Biologie gesetzt wurden.

Das ist nicht nur meine Meinung. Sie wird von früheren Mitstudenten und heutigen Lehrern ebenso gestützt, wie von Freunden, die noch immer an ostdeutschen Universitäten lehrend tätig sind.

Und was ist mit dem Sportunterricht? Wenn Schüler heute dem Ball ausweichen, statt ihn zu fangen, wenn sie nicht mehr auf einem Bein stehen können und immer dicker werden, hat das mit der gegenwärtig viel zu geringen Bedeutung des Sportunterrichts und der fast fehlenden Förderung des Breitensports seitens des Staates zu tun.

In der DDR gab es ein zentral organisiertes Bildungssystem, in dem ein Rostocker Schüler am 11. März im Durchschnitt den gleichen Stoff vermittelt bekam, wie ein Schüler am selben Tag in Radebeul oder Ilfeld. Probleme bei der Anerkennung von Schulabschlüssen oder Prüfungsleistungen, wie sie heute mitunter vorkommen sollen, waren daher unbekannt.
Und nicht zuletzt erwies es sich kaum als Nachteil, dass die DDR-Lehrer ein breiteres Repertoire an Disziplinierungsmöglichkeiten für renitente Schüler hatten: Ein Tadel, notfalls vor der gesamten Schule, war eben tatsächlich eine schwerwiegende und folgenreiche Disziplinierung, die von den Gestraften auch im überwiegenden Maße verinnerlicht wurde. Wurden die Betriebe der Eltern von der Schule über die Aufsässigkeit des Sohnes oder der Tochter in der Schule informiert, war dies gewiss ebenso nachhaltig.

Der Lehrer oder sagen wir die Schule insgesamt hatte noch echte Autorität, auch gegenüber den Eltern, falls sich diese zu wenig um Hausaufgaben oder Disziplin kümmerten.

Heutige Lehrer berichten mir mitunter haarsträubende Dinge, nicht nur über das zum Teil gewalttätige Verhalten von Schülern, sondern auch über den fehlenden Draht zu den Eltern auffälliger Kinder, von Eltern, die Lehrern wegen einer harmlosen Zurechtweisung ihres Kindes drohen und so weiter. Ich selbst bin froh, die Schule und Hochschule unter Margot Honecker besucht zu haben. Und das hat noch einen weiteren Grund: So dröge der ML-Unterricht auch oft (nicht immer!) war: Wir lernten tatsächlich vieles von dem, was wir in unserer heutigen Gesellschaft bestätigt finden: von der Menschenverachtung im Kapitalismus, der ja bekanntlich nicht nur in der reichen EU, sondern auch in Südafrika, Kolumbien, Indien, Sierra-Leone und in Dutzenden anderen Staaten herrscht.

Wir sehen, dass unsere Gesellschaft - weltweit betrachtet - tatsächlich unfähig ist, die von ihr selbst geschaffenen Probleme zu lösen, sei es im Umweltbereich, in Kriegsgebieten, im Nord-Süd-Gefälle, in den Bereichen Armut, Bevölkerungswachstum, Korruption, Bildung und anderen; die Polarisierung von immer mehr Armen auf der einen und wenigen immer reicheren Menschen auf der anderen Seite. Wir haben gelernt, dass unsere jetzige Gesellschaft auf Grund der vielen antagonistischen Widersprüche (wie es damals hieß) die Existenz der Menschheit bedroht, letztlich, weil es nur um eines geht: Wachstum durch Eroberung immer neuer Marktnischen und Absatzmärkte.

Der Imperialismus, den man uns vermittelte, existiert wirklich. TTIP und Globalisierung, Irakkrieg ohne UN-Mandat – das sind ja keine Hirngespinste, auch nicht die Folterungen und Morde der US-Armee in aller Welt bis hin nach Guantanamo - natürlich zum Wohle von uns allen.

Margot Honecker machte in ihrem Bildungssystem nur den Fehler, die Unfähigkeit des real existierenden Sozialismus zu erkennen, zu benennen und offen zu diskutieren. Die Diktatur des Proletariats, in der wie lernten und die offiziell so bezeichnet wurde, blendete auch im Bildungssektor die eigenen, gesellschaftsrelevanten Widersprüche aus. Diese durfte es nicht geben, was zur Verfolgung und Benachteiligung Andersdenkender führen konnte und letztlich Mauer und Mauertote möglich machte.

Ebenso, wie wir in POS, EOS und im Studium, nichts über die unlösbaren Widersprüche des Sozialismus erfuhren, erfahren wir heute viel zu wenig und nur in ausgewählten Nischen etwas über die Gefahren, die unsere eigene Gesellschaft für Millionen heraufbeschwört und vor allem über die gesellschaftlichen Wurzeln dieser realen Bedrohungen. Dialektisches Denken zu vermitteln, ist leider keine Stärke der Gegenwart.

Ich kann Margot Honecker durchaus verstehen, dass sie ihren Sozialismus bis ins Grab verteidigte. Sicher hat sie damit den für sie einfacheren Weg gewählt. Selbstkritik hätte ihr und Jenen gut getan, die unter ihr litten.
Andererseits sah sie in Südamerika mit eigenen Augen, was wir in der Schule gelehrt bekamen. Ihr letzter Wohnsitz Chile, ich war selbst dort, ist relativ wohlhabend, beispielsweise im Vergleich zu Bolivien oder Kolumbien. Aber Slums, Gewalt, Drogenkartelle, Regenwaldzerstörung und die über vielem stehende Korruption sowie viele andere schlimme Erscheinungen sind ansonsten in Südamerika an der Tagesordnung.

Nur in einer Zeitung fand ich tatsächlich ein wenig Verständnis dafür, dass "manche" Ostdeutsche nicht (nur) den Stinkefinger in Richtung Chile reckten, als sie vom Ableben der Frau mit den lila Haaren hörten: Das Blatt schrieb sinngemäß und etwas verschleiert, dass es tatsächlich auch Menschen gab, die in der DDR, warum auch immer, gern zur Schule gingen - trotz Pionierkleidung, Maidemo und Blauhemd. – Immerhin ein Grund.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Leser X
09.05.2016, 07:38 Uhr
Das Schulsystem damals hatte noch Niveau...
... wohl auch ein Grund dafür, dass sich die Dumm- und Lügenpresse mit soviel Hass und Häme auf die einstige Bildungsministerin der DDR stürzt...
Gothe
09.05.2016, 07:43 Uhr
Mit Stolz Pionier
Ich bin zu DDR Zeiten gerne zur Schule gegangen und habe Halstuch und Pionierhemd mit Stolz getragen. Das Schulsystem der DDR war mit Abstand besser als das BRD System. Ich habe beide Systeme mit erlebt. Jetzt erlebe ich das heutige Schulsystem bei den eigenen Kindern mit und kann nur sagen das es immer schlechter wird.
Die Intelligenz wird in Deutschland aussterben, so wie es von langer Hand geplant wurde.
kein
09.05.2016, 08:25 Uhr
Lieber Bodo ...
warum auch immer gern zur Schule gegangen sind in der DDR? Weils besser war. Immer wieder dieses dumme Gerede über die DDR. Was haben wir denn jetzt ? Ach so ....alles besser , gerechter und eine Demokratie .
Herr Taft
09.05.2016, 08:55 Uhr
interessanter Beitrag...
...dem ich im Großen und Ganzen zustimme. Ich habe auch beide Schulsystem erlebt und darf nun bei meinem Sohn das heutige erfahren. Ja es ist anders als das der DDR ...ob besser oder schlechter soll jeder für sich entscheiden. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied, der wichtiger nicht sein könnte: Vielfalt !

Verschiedene Schulen, verschiedene Konzepte. Die Einen tanzen ihren Namen, die Anderen kriegen Frontalunterricht. Es ist für jeden etwas dabei. Ich kann nichts Schlechtes daran finden, dass jeder die für sein Kind passende Schule auswählen kann, jederzeit die Schule wechseln kann. Die Kinder werden heute zu mehr Gedankenfreiheit angehalten und nicht,so wie wir es in der DDR erlebt haben, zu Parteisoldaten erzogen.

Heute zählt das Ergebnis... aber den Weg , wie es erreicht wird, den bestimmt jeder für sich selbst. Das nennt man Freiheit. Natürlich ist es bequemer, wenn es nur einen Weg gibt...über den man sich keine Gedanken machen muss, aber ist es auch besser ?
Mermaid
09.05.2016, 10:29 Uhr
Schulsystem der DDR
Ich kann mich erinnern, dass unser DDR Schulsystem eines der besten war und die Skandinavischen Ländern dies für sich adaptierten.

Sicher hat alles Vor-und Nachteile, je nach Blickwinkel. Der Artikel fasst es m.M.n.sehr gut zusammen.

Was unsere Allgemeinbildung anbelangt - deren sehr gute Qualität kann man kaum bestreiten. Das sage ich deswegen mit geradem Rücken, da ich in den letzten 20 Jahren vielen Menschen mit verschiedenen Hintergünden deutschlandweit begegnet bin :-)
Micha123
09.05.2016, 13:30 Uhr
Absolut pietätlos
Danke für diesen Beitrag - dem ich auch im Großen und Ganzen zustimme.

Eigentlich "seriöse" Medien berichteten über den Tod von Margot Honecker. Der Aufmacher - die Überschrift "lila Hexe" - finde ich absolut pietätlos. So etwas gehört sich nicht. Aber wie es immer so schön ist.. "Geschichte wird von Siegern geschrieben". Da kann jeder selbst nun darüber nachdenken und sich seine Meinung bilden.

Man kann darüber unendliche Diskussionen führen. Das Schulsystem war besser. Der Rest... Frau Honecker, ihr Gatte und viele andere alte Betonköpfe hätten 10 Jahren früher abtreten sollen. Aber die "Macht" sorgte dafür, dass sie nicht loslassen konnten - ebenso das Zugeständnis, dass doch nicht alles so richtig ist - was sie machten.

So kann man Verbindungen mit der heutigen Politik finden..ich sag nur "wir schaffen das".
Duplex
09.05.2016, 13:53 Uhr
Exakte Darstellung
Dem Artikel kann ich nur zustimmen und bin der Meinung, dass diesen viel mehr Leser in Ost und West zur Kenntnis erhalten sollten. Meine Kinder, im Osten zur Schule gegangen, sind froh, dass sie dieses Schulsystem kennengelernt haben.

Auf jedem Fall war es besser, dass Schule und Kirche getrennt waren. Nach meiner Auffassung gehört die Kirche nicht in die Schule, und jeder Schüler soll nach seiner Glaubensrichtung in der Freizeit wählen, ob er in die Christenlehre geht.

Vor allem war ein einheitliches Schulsystem besser, vor allem auch für Schüler, die z.B. wie beim Wanderzirkus, in anderen Orten den Schulunterricht besuchen müssen.
Danke Herr Schwarzberg für den Artikel, ich bin kein Sozialist, aber diese Einschätzung war toll und ist richtig!
Wolfi65
09.05.2016, 14:33 Uhr
Ja die Lila Hexe
Jetzt war die Lila Hexe dran.
Und irgendwann ist der Oggersheimer Saumagenfresser dran!
Ist nur eine Frage der Zeit.
Und die vielen Annehmlichkeiten, welche die DDR Staatsführung so hatte.
Westwagen......geschenkt!
Kaffeemaschine aus dem Westen......geschenkt!
Reisefreiheit.......geschenkt!
Meinungsfreiheit für die jungen BRD - Ostler.......geschenkt!
(Gibt es sowieso nicht!)

Und die Massenarbeitslosigkeit kann sich die BRD Freiheitsregierung am besten da hinschieben, wo es am meisten kitzelt!!
geloescht.20250302
09.05.2016, 16:05 Uhr
Allgemeinbildung ...
...wird zukünftig im gender- und flüchtlingsquotenverseuchten Deutschland nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Herr Montgomery hat kürzlich vor Ärzten ohne ausreichende Sprachkenntnisse gewarnt. Sein einfaches Beispiel: Notaufnahme. Patientin mit Schmerzen. Arzt Nr. 1 sagt "Blinder Alarm." Nr. 2 versteht: "Blinddarm!" Ergebnis: Überflüssige OP. Aber ohne ausreichende Allgemeinbildung oder gar Beherrschung der deutschen, lateinischen, griechischen (ich lernte mal, letztere beiden wären die Grundlagen für ein Medizinstudium) kann man solche Ärzte nicht mal zum Zusammenflicken oder Erstversorgen von Kriegsversehrten gebrauchen.

Und zu Frau Honecker: Ich fand sie nie sympathisch und hatte damals persönlich daran zu knabbern, als sie veranlasste, den Wechsel von POS zu EOS ohne Schonfrist übergangslos auf die 11. Klasse zu verlegen Aber Schande über alle armseligen Charakterzombies, die auf den Gräbern der Gescheiterten tanzen.
Beobachter0123
09.05.2016, 16:16 Uhr
MARGOT, KOMM WIEDER ! UNSRE BILDUNG IST NIEDER !
Bei aller Kritik menschenverachtender Dinge der Frau Honecker:

Im Staatsvertrag fehlt die DDR- Bildungspolitik als Vereinigungserlebnis für alle Wessis, die nur „Kosten im Osten“ bekamen. Diese Bildung war, das Politische herausgenommen, für die Finnen usw. eine Vorlage. Wo Finnland und Deutschland im PISA Ranking stehen wissen wir.

Vom Verlierer wollte niemand lernen, obwohl Erfahrungen vorlagen. Die Einen waren zu feige, die Anderen zu überheblich, die Herren des Staatsvertrages.

Sachsen ist pragmatisch, behielt brauchbare Dinge, wie das Schulfach WPA Wiss.- Praktische Arbeit, als BeLL. Eigene erlebte Forschung durch die Arbeit in realen F&E- Teams der Wirtschaft.

Jedes Bundesland kocht sein eigenes „Bildungs- Süppchen“ ! Arme Schülerinnen ! Armes Deutschland ! Kommentar Gysi: „Postkutschen- Zeitalter“
Peter59
09.05.2016, 17:45 Uhr
Lila Hexe....
im Angesicht des Todes auch/und einer Person "nongrada" ist das fehl am Platze. Warum bitten Schulen um Kontakt mit der Wirtschaft, "neue Projekte" einiger "UTP- Lehrer"? War wohl doch nicht so schlecht , was da früher ablief?

Was Unser "Natur- Bodo" an anderer Stelle geschrieben hat, war wohl auch nicht so verkehrt.... Jetzt, wo keiner weiter weiss in einer völlig verfahrenen Situation, besinnt man sich auf Bewährtes.... Armselige Deutschland.....
henry12
09.05.2016, 18:28 Uhr
Zum Tod von Margot Honecker .........
An alle , die schreiben, das Bildungswesen in der DDR war besser..........Es war auf alle Fälle anders als heute. Darüber zu grübeln, warum man heute nicht und wieso........? Ganz einfach, der Föderalismus ist gewollt, um die Defizite zu verstecken und den schleichenden Bildungsabbau zu kaschieren.
Bräuchte das Land wirklich kluge Köpfe in der breiten Masse, würde man anders agieren.
Wer Geld hat, kauft sich Bildung dazu in Form von Nachhilfe, wer ganz viel Geld hat leistet sich Privatschulen. Vielleicht ist deshalb der Hass auf Margot Honecker so groß, weil sie auch den Proletenkindern Aufstiegsmöglichkeiten gab. Ich habe in der DDR mein Abitur gemacht und weder da, noch beim Studium gab es nur Stalinistenkinder. Ganz im Gegenteil !
Franz100
09.05.2016, 18:31 Uhr
Hochgelobt?
Und wessen Kind nicht in der vorgegebenen Schiene drohte erzogen zu werden, dem wurde es auch fix zwangsadoptiert. Mitunter auch mit solchen grausamen Mitteln wie plötzlicher Tod usw. Viele suchen ihre Kinder heute noch! Ich kann den Hype über diese Frau nicht nachvollziehen!
Paulinchen
09.05.2016, 18:48 Uhr
Nun - man erinnere sich...
...selbst eine Pfarrerstochter durfte in der DDR studieren und was ist aus ihr letztlich geworden?

Ja, richtig, die Dame ist im Moment dabei und schafft sich ab. Ob es von ihrem Abgang auch ein Selfi geben wird?
Zukunft
09.05.2016, 20:35 Uhr
Fremd
Einen Teil der Schüler sind doch heute Begriffe wie Respekt, Höflichkeit und Disziplin fremd. Unternehmen finden doch kaum noch geeignete Azubis, selbst ein Hochschulabschluss will nichts heißen.

Aus Unternehmerkreis ist bekannt, dass diese lieber einen zum Azubi machen mit Abitur, als mit Realschulabschluss.

Die große "Vielfalt" im Bildungssystem geht scheinbar nicht mit einem größeren Wissenszuwachs einher.
Franziskus
09.05.2016, 20:36 Uhr
Diskriminierungen
unsere Kinder wurden in den Schulen erheblich diskrimminiert und benachteiligt.
Selbst unser jüngster ( 9 Jahre alt )Sohn mußte am 15.September 89 mit zur "Abteilung Inneres" mitgehen, um auszusprechen,daß er mit uns mitwolle. Was wäre wenn. . .
Andreas Dittmar
09.05.2016, 22:41 Uhr
Da muss ich auch meinen Senf dazu abgeben :-)
Ich war von 1978 bis 1988 auf diese Schule gegangen und ich bereue keinen Tag. Ganz besonders ist mir der Spruch : "Du lernst nicht für die Schule sondern für das Leben" in Errinnerung. Das macht sich allerdings nicht von selbst. Viele Dinge vermisst man heute, besonders Respekt gegenüber den Lehrern aber auch ein wenig das Engagement der Lehrer selbst . Da hab ich manchmal das Gefühl, das die einfach nur den Stoff abspulen und dann genervt nachhause gehen. Auch das was man den Kindern heute vermittelt wie z.B. diese Gendergeschichte oder die Frühsexualisierung, da sollte man sich echt mal Gedanken drüber machen.
Herr Taft
10.05.2016, 08:26 Uhr
endlich mal...
...eine sachliche (naja mehr oder weniger) Diskussion ! Bravo, es geht doch !

Eines möchte ich hier noch zu bedenken geben:

Die Welt hat sich weiter gedreht. Wir vergleichen hier ein Schulsystem von vor 30 Jahren mit dem heutigen. Da drängt sich doch die Frage auf, ob dieser Vergleich überhaupt funktionieren kann. Könnte das DDR-Schulsystem in der heutigen Gesellschaft mit emanzipierten Eltern und wesentlich früher sich emanzipierenden Schülern überhaupt funktionieren ? Schließlich war es eigentlich ein simples System aus Restriktionen, Gruppenrestriktionen und öffentlichen Belobigungen. Selbst wenn man den ganzen Politikquatsch weglässt, wäre manches heute recht bedenklich.
I.H.
10.05.2016, 09:28 Uhr
Hier mal meine Schulrealität unter Königin Margot
5 Stunden Russisch, drei Stunden Staatsbürgerkunde, 1 Stunde Wehrkunde oder so nen Mist in der Woche. Das macht 30 Prozent vergeudete Unterrichtszeit pro Woche. Selbst der Englischunterricht an der Penne war so eine Art Stabü mit poor working class und imperialism bla bla bla . In vier Wochen bei Berlitz habe ich in den Neunzigern mehr und besseres Englisch gelernt als in vier Jahren Margot-Penne.

Prinzipiell halte ich für ein Land ein einheitliches Schulsystem mit Wahlmöglichkeiten einzelner Fächer für das gerechtere, vergleichbarere System, aber nicht für das Bessere. Die Finnen haben damals etwas vom Rahmen, aber nichts vom Inhalt des DDR Schulsystems übernommen.

Hier tun immer einige so, als wären die überdurchschnittlich gebildeten Skandinavier alles kleine DDR Produkte. Das ist großer Käse. Die sind uns zum Beispiel bei Fremdsprachen hoch überlegen, weil sie mit ihren Mini-Sprachen gar nicht weit kommen. Wir fahren durch fünf Länder und merken das sprachlich gar nicht. Das ist auch Teil der Realität...
Boris Weißtal
10.05.2016, 09:33 Uhr
Hitler und die Autobahnen
genau daran erinnert mich diese dämliche Diskussion. Alle, denen der Massenmord eines A.H. nicht über die Lippen kommt, faseln von den tollen Autobahnen. Bei Margot Honecker sinds halt die tollen Schulen. Auch wenn die Frau unbestreitbar nicht das Verbrechenskaliber eines Hitlers aufweist, hatte sie doch unbestritten Blut an den Fingern. Diese Schuldiskussion hier soll dies doch lediglich verschleiern, merkt Ihr noch was?
Gothe
10.05.2016, 10:00 Uhr
Schulsystem und Autobahnen
Die Autobahnen sind doch das beste was er für Deutschland getan hat genau so wie das Schulsystem von Margot. Was merkst du noch?
gosalianer
10.05.2016, 10:37 Uhr
Sympathy for the Devil
Hier stimme ich Boris Weißtal uneingeschränkt zu. Da scheinen einige an Realitätsverlust zu leiden.

Ich zitiere: "...dass die DDR-Lehrer ein breiteres Repertoire an Disziplinierungsmöglichkeiten für renitente Schüler hatte..." Also ganz ehrlich: Jeder der das hier liest und noch für zeitgemäß hält, dem ist aus meiner Sicht nicht mehr zu helfen. Was für ein altbackener Stumpfsinn. Gibt es wirklich noch Menschen die daran glauben, dass all diese Lobhudelei auf das System der DDR (in diesem Fall speziell das Bildungssystem) zu etwas führt oder gar eine Wiederauferstehung erfährt? Wenn ja: Wann, in der gesamten Zivilisationsgeschichte, ist dies jemals eingetreten?
Real Human
10.05.2016, 10:51 Uhr
"Ein Denkmal für Margot Honecker!" oder „Kauft Pink!“
Diese Zeile habe ich vorhin in eine sehr bekannte Suchmaschine eingegeben und bekam als Antwort: „Keine Ergebnisse für "Ein Denkmal für Margot Honecker!" gefunden“

Ich denke, das ist jetzt anders!

Auch ich finde den Nachruf von Bodo Schwarzberg prinzipiell ok, denn er ist differenzierend und nicht einseitig. Dennoch macht er insgesamt fast schon den Eindruck der Verklärung – einer verblendeten Persönlichkeit. „Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.“ (https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1845/thesen/thesfeue-or.htm)

Genau dies trifft auch auf M.H. zu. Wer sich über sie – zurecht – empört, sollte sich eben auch mal mit der geistesgeschichtlichen Vorgeschichte beschäftigen und natürlich daraus die entsprechenden Schlussfolgerungen für seine künftigen Wahlentscheidungen treffen. Denn sonst könnte sich die Geschichte wieder mal reimen. Zur Vertiefung siehe z.B.: http://www.frag-machiavelli.de/philosophie/politische-philosophie/polybios/ oder besser https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungskreislauf !

Wem das alles zu philosophisch-anstrengend war, der möge sich entspannen bei https://www.youtube.com/watch?v=u7pHDoJrrzA ! … Und vielleicht zum Zeichen seiner Verbundenheit mit M.H. ein Jahr lang Pink tragen !–)
henry12
10.05.2016, 11:25 Uhr
"5 Stunden Russisch, drei Stunden Staatsbürgerkunde, 1 Stunde Wehrkunde "
Was´n das für ein Käse . Auf welcher Schule waren Sie denn ? Oder ist dieser Quatsch Ergebnis einer gravierenden Schwäche in den Grundrechenarten ?
M.H. im Vergleich mit Hitler...........?
Das wird ja immer dümmer hier !
Aber wem DSDS glotzende Idioten wichtiger sind als allgemein gebildete und interessierte junge Menschen, haut auch Margot und Adolf in einen Topf. Komischerweise haben überwiegend die Schulversager so eine Meinung, warum nur ?
I.H.
10.05.2016, 12:24 Uhr
Das war noch viel besser @henry
in einigen Klassenstufen, meist in der V, mußten wir Kinder sogar sechs Stunden in der Woche im Russisch Unterricht pennen. Schade, dass Sie nicht in die DDR Oberstufe gegangen sind, sonst würden Sie alles das wissen henry. War schon 'ne echte Elite Ausbildung.
Don R. Wetter
10.05.2016, 14:29 Uhr
Das bessere Schulsystem - trotz Frau Honecker !
Frau Honecker war nicht "das System". Sie war eine Funktionärin - eine Spitzenfunktionärin im System.
Funktionäre "funktionieren" - das ist ihr Zweck (in allen Systemen !).
Der Erfolg lag - wie immer - bei allen Beteiligten.

"Die offizielle Politik der sozialen Gleichheit wurde durchgesetzt, indem Kindern aus benachteiligten Schichten bevorzugt wurden. Diese positive Diskriminierung war ein soziales Korrektiv zur Auswahl nach Leistung. "

https://de.wikipedia.org/wiki/Einheitsschule#Struktur_des_DDR-Schulsystems

Die "gefühlte" Anzahl von Russischstunden oder Pioniernachmittagen ist dabei völlig unerheblich !
gosalianer
10.05.2016, 16:38 Uhr
@ Don R. Wetter
Soviel zur Theorie. Es gab auch in der DDR keine Gleichheit an den Schulen. Es wurden in erster Linie die bevorzugt, deren Eltern als regimetreu galten bzw. Anhänger der Partei waren - das war zumindest meine Erfahrung. Kinder einfacher (parteiloser) Produktions- und Schichtarbeiter mussten tatsächlich Leistungen zeigen, während sich die ein oder andere Blinse tolle Noten holen konnte mit solch sinnvollen Aktionen wie Hagebutten sammeln etc. Da war es schon von Vorteil wenn die Eltern als linientreu galten und/oder Beziehungen anderer Art aufwiesen. Das war zumindest meine Erfahrung aus der DDR-Schulzeit! Da wurde einem auch schnell mal eine schlechte Tat angehangen nur um jemand anderes zu schützen. Aber wahrscheinlich war ich nur ein renitenter Schüler, der das breite Repertoire an Disziplinierungsmöglichkeiten erfahren musste... wie es Herr Bodo Schwarzberg hier so schön beschreibt.
Andreas Dittmar
10.05.2016, 19:36 Uhr
Meine Meinung
Es gab zu DDR-Zeiten eben eine sogenannte "Rote Linie" Diese zu überschreiten wollte wohlüberlegt sein. Von den Eltern wie auch von den Schülern. Wer damals die Kraft hatte sich gegen das Regime zur Wehr zu setzen der musste mit Konsequenzen rechnen. Ich gehe davon aus, dass auch Lehrer die sowas haben durchgehen lassen ordentlich Probleme bekommen haben. Dazu zähle ich mal nicht die üblichen Streiche. Man musste also genau abwägen, ob es wirklich Sinn machte, gerade mit schulpflichtigen Kindern wegen ein paar Freiheiten mehr im Betrieb oder in der Freizeit auf die Barrikaden zu gehen und den Helden zu spielen. Ich habe keine 5 Stunden Russisch erleiden müssen, dafür kann ich aber noch mit einfachen Dingen, wie Rechenschieber und Kompass umgehen oder mich im Gelände ohne Navi orientieren. Auch kann ich im Wald Pilze sammeln, ohne danach irgendwelche Ärtze aufsuchen zu müssen. In der Wissensvermittlung waren die Schulen damals besser, was natürlich nicht unbedingt auf Frau Honecker, sondern viel mehr auf die Lehrer zurückzuführen ist. Meiner hatte 25 Jahre NVA Erfahrung, war aber auch ein Genie in Mathematik oder wenn es eben drauf ankam, sich im Gelände fortzubewegen. Der war streng aber gerecht. Die DDR wünsche ich mir keinesfalls zurück aber sie ist eben auch ein Teil von uns, den man nicht verteufeln sollte. Was haben wir heute an den Schulen ? Lehrermangel, Ausfall von Stunden, Gewalt an den Schulen, Fragwürdige Unterrichtsthemen...
I.H.
10.05.2016, 22:14 Uhr
Das Schulsystem ist nicht nur die Gesamtschule
oder damals genannt die Einheitsschule @Don R. Wetter. Und selbstverständlich spielt es bei der Bewertung des Schulsystems eine Rolle, was gelehrt oder vermittelt wurde. Was nützt es zum Beispiel, wenn ich Kindern über Jahre hinweg Sprachen lehre, die nur ganz wenige von ihnen benutzen? Was nützt es, wenn ich Kindern nur die Ideologie einer Partei lehre und vermittle? Das ist Erziehung, Dressur, aber keine Lehre!

Das Kinder möglichst lange gemeinsam lernen, ist ein positiver, aber eben nur ein Aspekt des DDR Schulsystems. Und von den Verantwortlichen so genannte "positive Diskriminierung" ist eben leider auch nur eine Form der Diskriminierung. Wie erklärt man Kindern die trotz Fähigkeit und Leistung hinten herunter fallen so einen Schxxss?

Frau Honecker war nicht nur eine Funktionärin. Sie war die verantwortliche Funktionärin! Sie war nicht nur ein Rädchen im Getriebe. Sie war 25 Jahre lang die Entwicklerin und Bedienerin dieses "Getriebes". Und dieses "Getriebe" hatte zwar ein relativ stabiles Gehäuse(Rahmen) aber einen instabilen Inhalt!
Boris Weißtal
10.05.2016, 23:39 Uhr
Danke AndeasD
ehrlicher und sachlicher Beitrag. Im Gegenteil zu vielen Geschichtverfälschern hier, die aufgrund ihrer "Vorbelastungen" es schwer im Neuen Deutschland hatten und nun unter Nicknames jetzt und hier die DDR verherrlichen. Ich sage nur:

Die Arbeitslosenqoute und die H4-Zahlen in Bochum sind schlechter als in NDH,

willkommen in der Realität.
geloescht.20250302
11.05.2016, 21:43 Uhr
Politbüro und Volkskammer
Vielleicht habe ich in Stabü nicht aufgepasst oder sozialistische Gesetzgebung wurde in meiner POS nicht behandelt. Aber konnte in der DDR ein Ministerium ein Gesetz ohne Abnicken durch Politbüro und Volkskammer beschliessen?

Wehrkunde war für Mädels überflüssig, ebenso wie Nadelarbeit für Jungs. Ich empfand das Wehrlager auf dem Straussberg ebenso lästig wie später das GST-Lager in Scheibe-Alsbach. Keine Ahnung, ob die Honeckers jeden Mist allein zu verantworten hatten. Aber diese Lager (ich weiss, der Begriff ist politisch unkorrekt) waren eine gute Vorbereitung auf den Wehrdienst. Viele Verweigerer gab's damals nicht.
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