Fr, 07:00 Uhr
02.12.2016
Lichtblick
Advent – wer kommt an?
Die Adventszeit ist eine von Erwartungen überladene Zeit. Sie soll ruhig und besinnlich sein. Sie soll Zeit zum Kauf von Geschenken bieten. Sie soll die Familie zusammenführen, Harmonie verbreiten, stimmungsvoll sein. Sie soll, sie soll, sie soll…
Adventszeit ist ihrem ursprünglichen Sinn nach Fastenzeit. Das Fasten nicht als Form der Selbstkasteiung, sondern als eine Zeit der Reduktion auf das Wesentliche. Was aber ist das? Jede*r von uns hat vermutlich eine andere Antwort. Wenn wir uns dem Wort Advent von seinem Sinn und Inhalt her nähern, dann weist es über sich hinaus.
Advent heißt (lat.) Ankunft. Damit wird deutlich, dass Advent auf Weihnachten verweist, das am 25.12. beginnt, dem 1. Weihnachtsfeiertag. Der Heilige Abend ist der Vorbote und zum Beginn der Weihnachtszeit geworden, weil die Tage nach morgenländischem Verständnis und kirchlicher Tradition bereits am Abend des Vortages 18 Uhr begannen/beginnen (deshalb auch das Wochenausläuten am Sonnabend 18 Uhr, der Sonntag ist der erste Tag der Woche! – nur dann ist Mittwoch auch die Mitte der Woche, falls es skeptische Blicke beim Lesen gibt).
Die Fastenzeit sollte einstimmen und Vorfreude unterstützen. Nur wenn ich mein Essen reduziere, kann ich mich auf volle Tische freuen. Wer immer alles hat, für den wäre sonst Weihnachten nichts anderes als der Alltag. Deshalb wurden früher auch die Eisenbahnen nach der Weihnachtszeit (sie endet am 02.02., vierzig Tage nach Weihnachten am Feiertag Darstellung des Herrn bzw. Maria Lichtmess) weggeräumt und erst zum Weihnachtsfest wieder aufgebaut (Hansens Eisenbahn ist weg, steht nicht mehr am alten Fleck).
Sie bekamen daher einen über den Materialwert hinausgehenden ideellen Wert, eine Kostbarkeit die nicht in der Verarbeitung oder ihrer Hochpreisigkeit liegt, sondern in ihrer begrenzten Verfügbarkeit. Damit tun wir uns heute schwer, wir finden es normal, dass wir das ganze Jahr Erdbeeren und leckeres Obst essen können. Alles muss immer verfügbar sein. Die Kinderzimmer quellen über von Spielzeug, die Eisenbahn ist ein Angebot von vielen, die ganzjährig zur Verfügung stehen.
Fasten wird deshalb immer mehr als eine Chance zur Entschleunigung entdeckt. Eltern machen gute Erfahrungen, dass sie im Jahr unbeachtetes Spielzeug einfach einsammeln und immer mehr reduzieren. Zu Weihnachten wird es herausgeholt, statt ständig neues Spielzeug zu kaufen. Plötzlich spielen die Kinder mit dem lange nicht vermissten Spielzeug und anderes kann bis zum nächsten Weihnachten pausieren. Manchmal kann es sogar weiterverschenkt werden, wenn so gar nicht danach gefragt wird.
Das immer mehr ist für Kinder genauso schädlich wie für uns Erwachsene. Ein ständiges Wachstum gibt es nicht, weder bei Pflanzen, bei Tieren, bei uns Menschen und auch nicht in der Wirtschaft. Deshalb ist es gut, wenn wir die Adventszeit als das ansehen, was sie sein will. Zeit der Reduktion auf das Wesentliche. Was möchte ich loswerden an schlechten Angewohnheiten? Was möchte ich mal klären, mit meinem Mann, meiner Tochter und meiner Mutter? Was stört mich an mir selbst?
All das dürfen wir dem kleinen Kind am Heiligen Abend anvertrauen, besser noch uns ihm anvertrauen – mit Haut und Haaren, ganz und gar.
Weihnachten bekommt vor allem dann einen Reiz, wenn wir nichts machen (das geht oft genug schief), sondern es an uns geschehen lassen. Wenn wir bereit sind uns von der Botschaft dieses Fest einnehmen zu lassen. Der Rest kommt dann von allein, denn GOTT will uns in diesem Kind begegnen, anrühren und beschenken. Das spürt aber nur die/der, die/der sich darauf einlässt. Vielleicht probieren Sie es einfach mal aus. Reduzieren Sie alles auf das Nötigste (sie werden staunen, wie wenig das ist) und kommen Sie zur Ruhe, lassen Sie los und werden Sie gelassen. Das wäre ein gelungener Advent.
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen.
Ihr Superintendent Kristóf Bálint
Kommentare sind hier nicht möglich
Autor: redAdventszeit ist ihrem ursprünglichen Sinn nach Fastenzeit. Das Fasten nicht als Form der Selbstkasteiung, sondern als eine Zeit der Reduktion auf das Wesentliche. Was aber ist das? Jede*r von uns hat vermutlich eine andere Antwort. Wenn wir uns dem Wort Advent von seinem Sinn und Inhalt her nähern, dann weist es über sich hinaus.
Advent heißt (lat.) Ankunft. Damit wird deutlich, dass Advent auf Weihnachten verweist, das am 25.12. beginnt, dem 1. Weihnachtsfeiertag. Der Heilige Abend ist der Vorbote und zum Beginn der Weihnachtszeit geworden, weil die Tage nach morgenländischem Verständnis und kirchlicher Tradition bereits am Abend des Vortages 18 Uhr begannen/beginnen (deshalb auch das Wochenausläuten am Sonnabend 18 Uhr, der Sonntag ist der erste Tag der Woche! – nur dann ist Mittwoch auch die Mitte der Woche, falls es skeptische Blicke beim Lesen gibt).
Die Fastenzeit sollte einstimmen und Vorfreude unterstützen. Nur wenn ich mein Essen reduziere, kann ich mich auf volle Tische freuen. Wer immer alles hat, für den wäre sonst Weihnachten nichts anderes als der Alltag. Deshalb wurden früher auch die Eisenbahnen nach der Weihnachtszeit (sie endet am 02.02., vierzig Tage nach Weihnachten am Feiertag Darstellung des Herrn bzw. Maria Lichtmess) weggeräumt und erst zum Weihnachtsfest wieder aufgebaut (Hansens Eisenbahn ist weg, steht nicht mehr am alten Fleck).
Sie bekamen daher einen über den Materialwert hinausgehenden ideellen Wert, eine Kostbarkeit die nicht in der Verarbeitung oder ihrer Hochpreisigkeit liegt, sondern in ihrer begrenzten Verfügbarkeit. Damit tun wir uns heute schwer, wir finden es normal, dass wir das ganze Jahr Erdbeeren und leckeres Obst essen können. Alles muss immer verfügbar sein. Die Kinderzimmer quellen über von Spielzeug, die Eisenbahn ist ein Angebot von vielen, die ganzjährig zur Verfügung stehen.
Fasten wird deshalb immer mehr als eine Chance zur Entschleunigung entdeckt. Eltern machen gute Erfahrungen, dass sie im Jahr unbeachtetes Spielzeug einfach einsammeln und immer mehr reduzieren. Zu Weihnachten wird es herausgeholt, statt ständig neues Spielzeug zu kaufen. Plötzlich spielen die Kinder mit dem lange nicht vermissten Spielzeug und anderes kann bis zum nächsten Weihnachten pausieren. Manchmal kann es sogar weiterverschenkt werden, wenn so gar nicht danach gefragt wird.
Das immer mehr ist für Kinder genauso schädlich wie für uns Erwachsene. Ein ständiges Wachstum gibt es nicht, weder bei Pflanzen, bei Tieren, bei uns Menschen und auch nicht in der Wirtschaft. Deshalb ist es gut, wenn wir die Adventszeit als das ansehen, was sie sein will. Zeit der Reduktion auf das Wesentliche. Was möchte ich loswerden an schlechten Angewohnheiten? Was möchte ich mal klären, mit meinem Mann, meiner Tochter und meiner Mutter? Was stört mich an mir selbst?
All das dürfen wir dem kleinen Kind am Heiligen Abend anvertrauen, besser noch uns ihm anvertrauen – mit Haut und Haaren, ganz und gar.
Weihnachten bekommt vor allem dann einen Reiz, wenn wir nichts machen (das geht oft genug schief), sondern es an uns geschehen lassen. Wenn wir bereit sind uns von der Botschaft dieses Fest einnehmen zu lassen. Der Rest kommt dann von allein, denn GOTT will uns in diesem Kind begegnen, anrühren und beschenken. Das spürt aber nur die/der, die/der sich darauf einlässt. Vielleicht probieren Sie es einfach mal aus. Reduzieren Sie alles auf das Nötigste (sie werden staunen, wie wenig das ist) und kommen Sie zur Ruhe, lassen Sie los und werden Sie gelassen. Das wäre ein gelungener Advent.
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen.
Ihr Superintendent Kristóf Bálint
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