Fr, 10:21 Uhr
25.01.2019
Pessimistische Aussichten gewinnen die Oberhand
Konjunktur verliert an Kraft
Die konjunkturelle Entwicklung befindet sich an einem Wendepunkt. Derzeit sind die Kapazitäten zwar noch gut ausgelastet und die Ertragslage bei vielen Betrieben durchaus zufriedenstellend, beim Blick auf die kommenden Monate vertiefen sich allerdings die Sorgenfalten der Unternehmer. Der konjunkturelle Rückenwind flaut ab...
Grafik (Foto: IHK Erfurt)
Konjunkturklimaindex IHK-Bezirk Erfurt
Im Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage unter rund 800 Firmen in Nord- und Mittelthüringen sinkt der Klimaindex zum zweiten Mal in Folge und erreicht nun 113 von 200 möglichen Prozentpunkten. Die bisherige Wachstumsdynamik wird nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt im Jahresverlauf weiter an Schwung verlieren.
Die konjunkturellen Abwärtsrisiken haben zu Jahresbeginn 2019 zugenommen. Derzeit agieren die Unternehmen in einem sehr schwierigen internationalen Umfeld. Eine weitere Zuspitzung der US-Handelskonflikte, die Hängepartie mit dem Brexit oder die Haushaltskrise in Italien könnten die Konjunktur empfindlich treffen und dürften dann auch an den Thüringer Betrieben nicht spurlos vorübergehen, gibt IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Gerald Grusser mit Blick auf die jüngsten Umfrageergebnisse zu bedenken.
Inzwischen hätten die Pessimisten wieder die Oberhand gewonnen. So rechneten 24 Prozent der Unternehmer für die Zukunft mit einer Verschlechterung ihrer Situation und nur noch 15 Prozent mit einem besseren Geschäftsverlauf.
Bislang haben sich die Firmen noch recht erfolgreich gegen die zunehmenden Risiken stemmen können, erklärt Grusser. Branchenübergreifend schätzten 92 Prozent der Unternehmer ihre derzeitige Situation mit gut bis befriedigend ein und arbeiteten mit Gewinn oder wenigstens kostendeckend. Für eine gewisse Stabilität sorgten auch die Investitionsvorhaben, die sich weiterhin auf einem hohen Niveau bewegten. Jeder Fünfte beabsichtige eine Aufstockung des Budgets, knapp die Hälfte der Befragten will die Ausgaben konstant halten.
Erfreulich ist zudem, dass der Arbeitsmarkt von der wachsenden Verunsicherung kaum berührt wird. Die Beschäftigungspläne der Firmen lassen auf eine Fortsetzung des positiven Trends der vergangenen Monate hoffen, zeigt sich der IHK-Chef optimistisch. Schließlich spiele die Suche nach qualifizierten Fachkräften auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung eine große Rolle bei der langfristigen Personalplanung. Immerhin 75 Prozent der Betriebe wollten ihre Mitarbeiterzahl beibehalten, 11 Prozent sogar zusätzliche Stellen schaffen.
Ergebnisse ausgewählter Branchen:
Die Geschäfte in der Industrie laufen gut. Mehr als die Hälfte der Manager beurteilt die aktuelle Situation positiv, über ein Drittel zumindest noch als befriedigend. Über 70 Prozent der Betriebe lastet die Kapazitäten nahezu aus. Dementsprechend wird auch die Ertragslage eingeschätzt. 94 Prozent der Befragten arbeiten mit Gewinn oder wenigstens kostendeckend. Allerdings fällt die Prognose für die nächsten Monate deutlich verhaltener aus als noch im Herbst 2018. Insbesondere die exportorientierten Unternehmen fürchten den negativen Einfluss der außenpolitischen Unwägbarkeiten auf ihre wirtschaftliche Entwicklung.
Dank der hohen Nachfrage stehen die Konjunkturampeln im Baugewerbe immer noch auf grün. Insgesamt schätzen 44 Prozent der Firmenchefs ihre derzeitige Situation mit gut ein, 53 Prozent äußern sich zufrieden. Mit Blick auf das bevorstehende Sommerhalbjahr werden die Erwartungen sogar noch etwas nach oben geschraubt. Knapp jeder Fünfte hofft auf eine weitere Verbesserung der Geschäftslage. Zwei von drei Unternehmern gehen von einer gleich bleibend guten Entwicklung aus.
Auf einem stabilen Konjunkturpfad befindet sich das Dienstleistungsgewerbe. Die Auftragslage in der Branche ist konstant hoch. Fast zwei Drittel der Serviceanbieter können sich über gute Geschäfte freuen und arbeiten in der Gewinnzone. Dennoch ist auch hier der Blick in die Zukunft nicht ganz ungetrübt. 21 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden Monaten mit Umsatzeinbußen.
Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: Die Luft wird dünner, die konjunkturellen Abwärtsrisiken haben spürbar zugenommen. Dementsprechend blicken die Unternehmen deutlich verhaltener auf ihre künftigen Geschäfte. Umso wichtiger ist es, dass die Politik ihre Priorität auf die Stärkung des Wirtschaftsstandortes setzt und den Betrieben keine weiteren Belastungen mehr zumutet. Mit der hohen Steuerbelastung für Unternehmen droht Deutschland im internationalen Wettbewerb immer mehr ins Hintertreffen zu geraten. Zudem brauchen die Firmen einen merklichen Bürokratieabbau und eine moderne Infrastruktur. Nur so können die Betriebe erfolgreich in notwendige Digitalisierung investieren.
Autor: red
Grafik (Foto: IHK Erfurt)
Konjunkturklimaindex IHK-Bezirk ErfurtIm Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage unter rund 800 Firmen in Nord- und Mittelthüringen sinkt der Klimaindex zum zweiten Mal in Folge und erreicht nun 113 von 200 möglichen Prozentpunkten. Die bisherige Wachstumsdynamik wird nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt im Jahresverlauf weiter an Schwung verlieren.
Die konjunkturellen Abwärtsrisiken haben zu Jahresbeginn 2019 zugenommen. Derzeit agieren die Unternehmen in einem sehr schwierigen internationalen Umfeld. Eine weitere Zuspitzung der US-Handelskonflikte, die Hängepartie mit dem Brexit oder die Haushaltskrise in Italien könnten die Konjunktur empfindlich treffen und dürften dann auch an den Thüringer Betrieben nicht spurlos vorübergehen, gibt IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Gerald Grusser mit Blick auf die jüngsten Umfrageergebnisse zu bedenken.
Inzwischen hätten die Pessimisten wieder die Oberhand gewonnen. So rechneten 24 Prozent der Unternehmer für die Zukunft mit einer Verschlechterung ihrer Situation und nur noch 15 Prozent mit einem besseren Geschäftsverlauf.
Bislang haben sich die Firmen noch recht erfolgreich gegen die zunehmenden Risiken stemmen können, erklärt Grusser. Branchenübergreifend schätzten 92 Prozent der Unternehmer ihre derzeitige Situation mit gut bis befriedigend ein und arbeiteten mit Gewinn oder wenigstens kostendeckend. Für eine gewisse Stabilität sorgten auch die Investitionsvorhaben, die sich weiterhin auf einem hohen Niveau bewegten. Jeder Fünfte beabsichtige eine Aufstockung des Budgets, knapp die Hälfte der Befragten will die Ausgaben konstant halten.
Erfreulich ist zudem, dass der Arbeitsmarkt von der wachsenden Verunsicherung kaum berührt wird. Die Beschäftigungspläne der Firmen lassen auf eine Fortsetzung des positiven Trends der vergangenen Monate hoffen, zeigt sich der IHK-Chef optimistisch. Schließlich spiele die Suche nach qualifizierten Fachkräften auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung eine große Rolle bei der langfristigen Personalplanung. Immerhin 75 Prozent der Betriebe wollten ihre Mitarbeiterzahl beibehalten, 11 Prozent sogar zusätzliche Stellen schaffen.
Ergebnisse ausgewählter Branchen:
Die Geschäfte in der Industrie laufen gut. Mehr als die Hälfte der Manager beurteilt die aktuelle Situation positiv, über ein Drittel zumindest noch als befriedigend. Über 70 Prozent der Betriebe lastet die Kapazitäten nahezu aus. Dementsprechend wird auch die Ertragslage eingeschätzt. 94 Prozent der Befragten arbeiten mit Gewinn oder wenigstens kostendeckend. Allerdings fällt die Prognose für die nächsten Monate deutlich verhaltener aus als noch im Herbst 2018. Insbesondere die exportorientierten Unternehmen fürchten den negativen Einfluss der außenpolitischen Unwägbarkeiten auf ihre wirtschaftliche Entwicklung.
Dank der hohen Nachfrage stehen die Konjunkturampeln im Baugewerbe immer noch auf grün. Insgesamt schätzen 44 Prozent der Firmenchefs ihre derzeitige Situation mit gut ein, 53 Prozent äußern sich zufrieden. Mit Blick auf das bevorstehende Sommerhalbjahr werden die Erwartungen sogar noch etwas nach oben geschraubt. Knapp jeder Fünfte hofft auf eine weitere Verbesserung der Geschäftslage. Zwei von drei Unternehmern gehen von einer gleich bleibend guten Entwicklung aus.
Auf einem stabilen Konjunkturpfad befindet sich das Dienstleistungsgewerbe. Die Auftragslage in der Branche ist konstant hoch. Fast zwei Drittel der Serviceanbieter können sich über gute Geschäfte freuen und arbeiten in der Gewinnzone. Dennoch ist auch hier der Blick in die Zukunft nicht ganz ungetrübt. 21 Prozent der Befragten rechnen in den kommenden Monaten mit Umsatzeinbußen.
Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: Die Luft wird dünner, die konjunkturellen Abwärtsrisiken haben spürbar zugenommen. Dementsprechend blicken die Unternehmen deutlich verhaltener auf ihre künftigen Geschäfte. Umso wichtiger ist es, dass die Politik ihre Priorität auf die Stärkung des Wirtschaftsstandortes setzt und den Betrieben keine weiteren Belastungen mehr zumutet. Mit der hohen Steuerbelastung für Unternehmen droht Deutschland im internationalen Wettbewerb immer mehr ins Hintertreffen zu geraten. Zudem brauchen die Firmen einen merklichen Bürokratieabbau und eine moderne Infrastruktur. Nur so können die Betriebe erfolgreich in notwendige Digitalisierung investieren.