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Sa, 15:25 Uhr
26.01.2019
Pflegende Angehörige in Thüringen

Spagat zwischen Pflege und Beruf

Die Belastungen, die die Pflege von Angehörigen mit sich bringt, schlagen sich auf die Gesundheit nieder. Wie der aktuelle BARMER-Pflegereport zeigt, sind pflegende Angehörige kränker als solche, die nicht pflegen. Wie aber können Pflege und Beruf unter einen Hut gebracht werden?

„Ein Alarmsignal in Anbetracht der vor allem in Thüringen steigenden Zahlen von pflegebedürftigen Menschen. Pflegende Angehörige sind der größte Pflegedienst hierzulande. Sie sind unverzichtbar und es müssen dementsprechend Unterstützungsangebote geschaffen werden“, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen.

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Rund 115.000 Pflegebedürftige gibt es derzeit im Freistaat. Jedes Jahr kommen Tausende hinzu, so der BARMER-Pflegereport. Etwa drei Viertel der Pflegebedürftigen Thüringer werden zuhause gepflegt und sind somit oftmals auf ihre Angehörigen angewiesen. Etwa 80.000 Hauptpflegepersonen gibt es derzeit in Thüringen, so der Pflegereport. Deutschlandweit sind es demnach rund 2,5 Millionen pflegende Angehörige. Demografiebedingt werden es nicht weniger.

Pflegende Angehörige an der Belastungsgrenze

„Die pflegenden Angehörigen sind ein unverzichtbarer Pfeiler des Pflegesystems. Mit ihrer Motivation aus Liebe und Pflichtbewusstsein leisten sie einen unschätzbaren Dienst an der Gesellschaft. Oftmals kommen die eigenen Bedürfnisse dabei zu kurz und die pflegenden Angehörigen werden selbst krank“, so Birgit Dziuk. Laut BARMER-Pflegereport leiden pflegende Angehörige insbesondere unter Rückenbeschwerden, psychischen Belastungsstörungen und Schlafmangel. Etwa die Hälfte von ihnen pflegen täglich zwölf Stunden oder mehr. Und das über mehrere Jahre hinweg.

Ohne pflegende Angehörige geht es nicht (Foto: BARMER) Ohne pflegende Angehörige geht es nicht (Foto: BARMER)
Ohne pflegende Angehörige geht es nicht. Foto: BARMER

Mehr als 40 Prozent der pflegenden Angehörigen sind im erwerbsfähigen Alter. Nur ein Drittel schafft es jedoch, Pflege und Beruf unter einen Hut zu bringen und geht arbeiten. Jede vierte Pflegeperson hat hingegen die Arbeit wegen der Pflege verkürzt oder ganz aufgegeben. Rund 7,5 Prozent der pflegenden Angehörigen und somit etwa 6000 pflegende Menschen in Thüringen stehen zudem kurz davor, den Belastungen nicht mehr Stand zu halten und ihre Tätigkeit als pflegende Angehörige nicht weiter fortzuführen.

„Ohne pflegende Angehörige geht es nicht. Sie müssen frühzeitig unterstützt, umfassend beraten und von überflüssiger Bürokratie entlastet werden. Unter dem Aspekt des allgemeinen Fachkräftemangels ist die Gesundheit pflegender Angehöriger auch in der Arbeitswelt ein wichtiges Thema“, so BARMER-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk. Wie die Ergebnisse des Pflegereports deutlich machen, wünschen sich rund 40 Prozent der pflegenden Angehörigen mehr Informationen, woher sie Hilfe bekommen können und etwa die Hälfte wünscht sich bessere Aufklärung über die Leistungen.

Gesunde und motivierte Arbeitnehmer

Damit der Spagat zwischen Pflege und Beruf gelingen kann, bietet die Thüringer Agentur Für Fachkräftegewinnung (ThAFF) Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter zu sogenannten Betrieblichen Pflegelotsen zu qualifizieren. Mehr als 100 solcher Betrieblicher Pflegelotsen gibt es mittlerweile in Thüringen, verteilt auf derzeit 74 Unternehmen. „Die Qualifizierung eines Mitarbeiters zum Betrieblichen Pflegelotsen ist für Arbeitgeber eine gute Möglichkeit, Beschäftigte zu unterstützen, die mit Pflegeaufgaben konfrontiert sind“, sagt Andreas Knuhr, Teamleiter der ThAFF

Dass Fachkräftemangel und älter werdende Beschäftigte aus der Baby-Boomer-Generation zu einem Umdenken in der Wirtschaft führen, meint auch BARMER-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk: „Prävention ist zwar mit Investitionen verbunden, aber die Produktivität und Bindung an das Unternehmen steigen signifikant. Nicht zuletzt sind gesunde Mitarbeiter auch motiviertere Mitarbeiter.“ Die Krankenkasse engagiert sich aus diesen Gründen gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM) und dem Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF), um bestehende Angebote und Träger in Thüringen besser miteinander zu vernetzen und Unternehmen einen unkomplizierten Zugang zu Informationen zu ermöglichen.
Autor: red

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Kommentare
Micha123
26.01.2019, 21:28 Uhr
Gleiches Geld für pflegende Angehörige, wie für Heime oder Pflegedienste!
Wenn eine Pflegeperson einen Pflegenden richtig pflegen und betreuen will, dann sollte es der Pflegeperson leicht gemacht werden, dass man seinen Beruf aufgibt. Zumindest für die Gesamtzeit der Pflege. Wird keine Pflege mehr benötigt, so muss ein Wiedereinstieg in den Beruf/Firma möglich sein. Egal ob nach 6 Monaten oder 6 Jahren.
Und dann spielt das Geld eine Rollo... Wenn Menschen 12 Stunden am Tag Angehörige pflegen und dann noch berufstätig sind, dann hat dies finanzielle Gründe.
Für Pflegegrad 4 gibt es z.B. 728,- Euro Pflegegeld, für den zu Pflegenden, welcher zu Hause betreut wird. Hört sich schön an... Aber damit sind vielleicht gerade einmal die Mehrkosten gedeckt, welche durch die Krankheit und die Pflege entstehen. Strom, Wasser, Gas, Nahrung, Medikamente, Hilfsmittel, Haus, Wohnung, Möbel, Kleidung.. - überall entstehen höhere Kosten, als bei "gesunden" Menschen.
Die Pflegeperson erhält nichts.
Kommt der Pflegende in ein Heim oder wird vom ambulanten Pflegedienst betreut, so gibt es zwischen 1.600,- und 1.800,- Euro. Die machen die gleiche Arbeit und im Gunde eigentlich noch weniger, da z.B. der Pflegedienst nicht ständig da ist - wie z.B. der pflegende Angehörige.
Zustände in einem Heim will ich hier nicht weiter erläutern, die kann sich jeder gerne selbst ausmalen. Ist da für jeden zu Pflegenden Rund um die Uhr eine Pflegekraft da? Nein. Und bei den 1.800 Euro, welche die Kasse für das Heim bezahlt, kommt noch eine ähnlich hohe Summe hinzu, welche man selbst zahlen muss.
Von daher pflegen die Menschen ihre Angehörigen zu Hause. Und dafür müssten die Pflegepersonen das gleiche Geld erhalten, wie Heime oder ambul. Dienste. Heißt bei Pflegegrad IV 1.600,- bis 1.800,- Euro.
Ebenso müssten sie abgesichert sein, sprich also eine Krankenversicherung haben, Pflegeversicherung - einzig bis heute gibt es einige Rentenpunkte, wenn man Angehörige pflegt. Warum macht man dies nicht so? Diese Themen gehen seit zig Jahren durch die Medien. Es wird in diversen TV Sendungen diskutiert, was es nicht alles für Nöte und Problemen im Bereich der Pflege gibt. Es ändert sich kaum was und wenn, dann so, dass sich Vater Staat über Steuerzahlungen Gelder wieder zurückholt. Kleines Beispiel.. für Pflegehilfsmittel zahlt die Kasse im Monat 30 Euro, seit einigen Jahren sind es 40 Euro.. Dafür kann man z.B. Bettunterlagen kaufen.. welche vor einigen Jahren noch 10 Euro kamen und im Zuge der "40Euro Reform" nun 13,- bis 16,- Euro kosten.
Da braucht sich die Barmer nicht wundern, wenn pflegende Angehörige kränker sind, als solche, die nicht pflegen.
Es wird sich nie was ändern, weil die Lobby fehlt, den Kranken und pflegenden Angehörigen fehlt die Kraft sich zu wehren. Und für viele Investoren sind Pflegeheime oder Pflege generell - sehr lukrative Geschäfte...
Wolfi65
27.01.2019, 07:57 Uhr
Von was träumen Sie Nachts?
Was Sie hier verlangen, bekommen Sie niemals durch. Nicht in diesem Staat. In einigen Zeitungen ist in diesem Zusammenhang auch schon wieder von einer Vollkaskomentalität in Deutschland die Rede. Wiedereinstieg in den alten Job? Hier gilt doch nur: Wenn weg, dann weg. Und höhere Pflegestufen, welche die wahren Kosten der Pflege zu Hause abdecken würden, gibt es nur in den Pflegeeinrichtungen. Also wird weiter auf Zeit gespielt.
A.kriecher
27.01.2019, 12:15 Uhr
Träumer
In was für einem System lebt ihr denn? Hier geht's nicht um den Menschen, hier geht's nur ums Geld. Ob Kirchliche, Öffentliche oder Private Einrichtungen alle sind nur Gewinnorientiert auf kosten der Pflegenden und der zu Pflegenden. Krankenkassen, Pharmaindustrie und Staat alle verdienen. Nur der kleine Mann bleibt auf der Strecke, ob im Heim oder zu Hause. Leidtragende sind Pflegepersonal, Angehörige und die zu Pflegenden. Es wird sich aber nichts ändern in einem auf Gewinn ausgelegten System. Ist so und bleibt so.
geloescht.20250302
27.01.2019, 12:58 Uhr
So ist es leider...
...auch diejenigen, die am lautesten mit Humanismus und Dienst am Menschen werben, müssen/wollen gewinnorientiert arbeiten.

Der Mensch ist in jeder Phase "Von der Wiege bis zur Bahre: Formulare, Formulare." zum Produkt geworden.

Dieser Staat kann oder will daran nichts ändern, egal aus welcher Partei der Gesundheitsminister kommt. Dazu sind bei allen Zuständigen (Pflegeeinrichtungen-, ämter, -behörden, -firmen, -kassen) die Verwaltungswasserköpfe und Gewinnmaximierungsbestrebungen viel zu ausgeprägt.
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