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Do, 14:38 Uhr
28.03.2019
Polizei stellte Kriminalstatistik 2018 vor

Sicherheit ist nicht nur ein Gefühl

Es ist nicht nur das Gefühl, sondern es sind die Zahlen, die am Vormittag bei der Nordhäuser Polizei vorgestellt wurden: In Nordhausen und damit in Nordtüringen lebt es sich sicher…


20.865 Fälle wurde von den von den Beamten der Nordthüringer Polizei im vergangenen Jahr erfasst und bearbeitet, das sind 784 Fälle oder 3,6 Prozent weniger als im Jahr davor. Auch erfreulich: die Aufklärungsquote konnte im Norden des Freistaates von 64,3 auf 66,3 Prozent gesteigert werden.

Den 20.865 Fällen konnten insgesamt 8.555 Tatverdächtige zugeordnet werden. Die Anzahl der weiblichen als auch der männlichen Tatverdächtigen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen liegt mit 935 Personen bei 10,9%. Hier sei ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen und im Vergleich mit den anderen Polizeiinspektionen  in Thüringen befinde man sich weiterhin im unteren Bereich, konstatierte Detlev Schum. Betrachtet man die Altersstruktur der Tatverdächtigen, so ist vor allem im Segment der Jugendlichen (14 bis 18) die Zahl gestiegen.

Sehr positiv zu vermelden ist die 100prozentige Aufklärungsquote bei den schweren Straftaten wie Mord und Totschlag. Insgesamt wurden hier im abgelaufenen Jahr neun solcher Straftaten verzeichnet. Im Jahr 2017 waren es 18 Taten.

Bei der heutigen Vorstellung wurde auch die Opferstatistik beleuchtet: Im Jahr 2018 ist ein Rückgang der registrierten Opfer von 4.646 auf 4.412 Opfer (-234 Opfer) zu verzeichnen, der durch den Anstieg der Anzahl der erwachsenen Opfer bestimmt wird. Die Altersgruppen der Jugendlichen und der Heranwachsenden verzeichnen etwa so viele Opfer wie im Vorjahr. In der Gruppe der Kinder wurden -3 Opfer und in der Altersgruppe der Erwachsenen -201 Opfer (davon Senioren -22 Opfer) weniger gezählt. Von den 4.412 erfassten Opfern sind 2.523 (57,2 %) männlichen und 1.889 (42,8 %) weiblichen Geschlechts. Gestiegen ist vor allem die Zahl der kindlichen und jugendlichen Opfer bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, hier vor allem der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen.

Erläuterung:Nach Gesetzesänderungen im Sexualstrafrecht im Jahr 2016, die auch in der Erfassung der Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2017 und 2018 Berücksichtigung fanden, ist eine Vergleichbarkeit zu den Vorjahren nur eingeschränkt bzw. nicht gegeben. Bereits seit 2017 wird die sexuelle Belästigung gemäß § 184i StGB unter dem Deliktschlüssel 114000 (+15 Fälle; +107,1 %) erfasst und damit zu den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gezählt. Der Tatbestand des § 184i StGB war vor der Gesetzesänderung vom § 185 StGB (Beleidigung) umfasst und wurde statistisch unter der Deliktsgruppe „Sonstige Straftaten gemäß StGB“ gezählt. Seit 2018 werden der „Sexuelle Übergriff und die sexuelle Nötigung im besonders schweren Fall § 177 StGB“ und der „Sexuelle Übergriff und die sexuelle Nötigung § 177 Abs. 1, 2,4, 5 und 9 StGB“ getrennt dargestellt.

Höhere Fallzahlen weist der sexuelle Missbrauch (+33 Fälle) mit den Fallbereichen „sexueller Missbrauch von Kindern“ (+11 Fälle; +21,6 %), „Exhibitionistische Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses“ (+21 Fälle, +233,3 %) auf. Die Anzahl des „sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen“ blieb auf dem Niveau des Jahres 2017. Im Jahr 2016 traten Gesetzesänderungen im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie in Kraft, welche auch statistisch Wirkung entfalten. Vergleiche zu den Vorjahren sind nur noch bedingt möglich. Im Jahr 2018 sind höhere Fallzahlen im Bereich Verbreitung/Erwerb/Besitz und Herstellung von Kinderpornografie (+5 Fälle; +50,0 %) zu verzeichnen.


Polizeidirektor Detlev Schum (links), Kriminaloberrat Detlef Grabs

Mit einem Anteil von über einem Viertel aller registrierten Straftaten nimmt der Diebstahl nach wie vor eine exponierte Position ein, obwohl der Anteil am Gesamtstraftatenaufkommen in Nordthüringen um 18,5 Prozent auf 5.506 Delikte zurückgegangen ist.

Insbesondere im Diebstahlsbereich werden immer wieder neue Kriminalitätsphänomene und Veränderungen in den „Begehensweisen“ der Täter festgestellt, um schnell an Geld- und hochwertige Sachwerte zu gelangen. Im Bereich der Diebstahlsdelikte ist in der LPI Nordhausen ein deutlicher Rückgang im Jahr 2018 um 1251 Fälle zu verzeichnen. Dies betrifft unterschiedliche Phänomenbereiche bei den Eigentumsdelikten. Hier wird in der Regionalanalyse im Bereich der PI Unstrut Hainich nochmals näher darauf eingegangen.

Der Deliktsbereich des Wohnungseinbruchsdiebstahls ist trotz des leichten Rückganges nach wie vor auf einem hohen Niveau. (2017 = 458 Delikte / 2018 = 371 Delikte = -87 Delikte = -19,0%). Dennoch scheint auch das hohe Engagement in der Präventionsarbeit erfolgreich zur Verhütung von Neuanfällen beigetragen zu haben. Die nach den Taten durchgeführte intensive Tatortarbeit und die im Zusammenhang durchgeführten täterorientierten Ermittlungen führten letztendlich auch zur Ermittlung von Tatverdächtigen.


Im Bereich der Rauschgiftdelikte kann sich auch der Norden des Freistaates dem allgemeinen Trend nicht entziehen - die Zahlen gehen weiter nach oben. In den vier Nordthüringer Landkreisen wurden im vergangenen Jahr 2.124 Delikte registriert, das waren 298 mehr als 2017. Klar ist den Beamten auch, dass die Dunkelziffer gerade hier sehr hoch ist.

Der Blick in die Regionen

Landkreis Nordhausen
Der Inspektionsdienst der LPI Nordhausen weist im Jahr 2018 mit insgesamt 4.612
Straftaten (2017 - 4.673), den höchsten Bearbeitungsanteil am Gesamtstraftatenaufkommen der Landespolizeiinspektion Nordhausen auf. Dabei konnten bis zum Jahresende insgesamt 2.987 Straftaten aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote beträgt 64,8 % (Jahr 2017 – 62,3 %). Durch eine verstärkte Kontrolltätigkeit, insbesondere im Straßenverkehr, wurden im Berichtsjahr = 489 Rauschgiftdelikte festgestellt, was eine erneute Zunahme von + 50 Delikten = + 11,4 % darstellt.

Unstrut-Hainich-Kreis
In der Polizeiinspektion Unstrut-Hainich wurden insgesamt 4.445 Fälle bearbeitet und abgeschlossen. (2017=4.891). Dabei lag die Aufklärungsquote bei 65,9 %. 2.929 Fälle konnten aufgeklärt und 1.890 Tatverdächtige ermittelt werden. Den Schwerpunkt im Kreis bildeten wie bereits im Vorjahr die Diebstahlsdelikte (2018 = 1.475 / 2017 = 2.132 = - 657 Delikte) mit einem Anteil von 33,2 % an der Gesamtkriminalität, was den Höchstwert unter den vier Polizeiinspektionen darstellt. Aufgrund der hohen Anzahl von Diebstählen aus Firmen und Arztpraxen im Jahr 2017, mit dem örtlichen Schwerpunkt im Bereich der PI Unstrut-Hainich, wurde die Arbeitsgruppe „Kasse“ eingerichtet. Es erfolgte eine konzentrierte Sachbearbeitung. Schlussendlich führte diese zu Täterermittlungen und in der weiteren Folge zur Festnahme/Inhaftierung der Hauptverdächtigen. Die Ergebnisse schlagen sich in dem recht deutlichen Rückgang der Fallzahlen von - 656 Diebstahlsdelikten nieder.

Landkreis Eichsfeld
Durch die Beamten der Polizeiinspektion Eichsfeld wurden im Jahr 2018 3.452 Straftaten bearbeitet und abgeschlossen. Das sind 55 Straftaten mehr als im Vorjahreszeitraum. Von diesen Straftaten konnten 2.275 Delikte aufgeklärt werden. Insgesamt wurden dabei 1.562 Tatverdächtige ermittelt. Erheblich zugenommen haben die Betrugsdelikte. Mit 448 erfassten Fällen ist hier eine Steigerung um 34,9 % zu verzeichnen. Darüber hinaus gab es Steigerungen bei den Beleidigungen (+83 Delikte) und den Rauschgiftdelikten (+51 Delikte).

Kyffhäuserkreis
Für die Polizeiinspektion Kyffhäuser sind im Jahr 2018 insgesamt 4.179 Straftaten erfasst worden. Das sind 408 Straftaten weniger gegenüber dem Vorjahr. Hiervon konnten 2.766 Fälle geklärt werden. Die Beamten ermittelten dabei 1.606 Tatverdächtige (1.852 im Jahr 2017). Zudem, dass die Kriminalität im Kyffhäuserkreis rückläufig ist, konnte eine gute Aufklärungsquote von 66,2 % erreicht werden. Zugenommen haben im Berichtszeitraum insbesondere Beleidigungsdelikte + 12,8 %

Kriminalpolizei
Durch die Beamten der Kriminalpolizeiinspektion sind im Jahr 2018 insgesamt 4.175 Fälle abgeschlossen worden. Die Zahl der aufgeklärten Fälle beläuft sich auf 2.879 Delikte (2017 - 2.864 Fälle), was einer Aufklärungsquote von 69,0 % entspricht. Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 2.189 Tatverdächtige ermittelt. Bei den Rohheitsdelikten, insbesondere den Körperverletzungsdelikten, ist ein Rückgang zu verzeichnen. Einer der Gründe für eine Reduzierung in dem Deliktsbereich ist auch in der rückläufigen Anzahl an Asylbewerbern im Schutzbereich zu sehen. Damit einhergehend ist auch eine sinkende Zahl der ausländischen Tatverdächtigen festzustellen. Der Rückgang der Straftaten im Bereich des Wohnungseinbruchsdiebstahls lässt sich hauptsächlich auf die ermittlungsseitige Schwerpunktsetzung auf diesen Phänomenbereich zurückführen.
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Kommentare

28.03.2019, 14.44 Uhr
spaßamdienstag
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema
28.03.2019, 15.07 Uhr
tannhäuser | Placebo Statistik!
Was hilft sie dem Opfer einer Straftat (Dabei handelt es sich dann, das meine ich ohne Zynismus, immer um jeweils einen Einzelfall, der beurteilt werden muss), vor Gericht und gegenüber seiner oder der Versicherung des Täters, juristische Genugtuung oder Schadenersatz zu erlangen?

Wer jetzt jubelt, dass die Statistikskeptiker falsch liegen, sollte sich überlegen, dass jeder Mensch jederzeit Opfer eines Rasers oder Raubs/Einbruchs/Mordes werden kann.

Es heisst immer, das letzte Hemd hat keine Taschen. Wer es dann trägt, braucht auch keinen Trost mehr, dass neben ihm 10 Prozent weniger Opfer als im Vorjahr in der Pathologie auf die Freigabe zur Bestattung warten.

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28.03.2019, 16.24 Uhr
harzwj | einfach nur Danke,...
sagen an die Beamtinnen und Beamte, die täglich für uns alle ihren Kopf hinhalten und nicht selten bei bestimmten Einsätzen ihr Leben für die Gemeinschaft auf´s Spiel setzen.
Nicht selten allein gelassen von der sogenannten großen Politik.
Ihnen allen weiterhin viel Erfolg bei der Arbeit, Gesundheit und immer eine "handbreit Wasser unterm Kiel".
Wolfgang Jörgens
Harztor/ Ilfeld-Sophienhof

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28.03.2019, 20.35 Uhr
Leo 1A5 | Unsere Beamten
machen eine super Arbeit dafür erstmal Respekt und Anerkennung an alle und ein großes Dankeschön!

Ich erinnere mich auch gern zurück an Tag der offenen Tür und wie viel Spaß es auch den Kindern gemacht hat.

Das die Arbeit hart und manchmal auch Undankbar ist weis ich auch.

Ich würde mir mehr Unterstützung(auch personell) für eure Arbeit wünschen.

Gerade was die Belastung an Wochenenden , Feiertagen(Weihnachten etc.) angeht.

Schließlich ist jeder Beamte auch noch eine Privatperson mit Familie allerdings mit dem derzeitigen Personalschlüssel wird sich daran wohl eher nichts ändern in nächster Zeit.

Die Bürger brauchen euch!

Daumen hoch für eure Arbeit

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28.03.2019, 21.57 Uhr
Gehard Gösebrecht
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema
28.03.2019, 22.01 Uhr
AktenzeichenXY | Genau harzwj & Leo 1A5,
euren Zeilen schließe ich mich gerne an.
(schön geschrieben)
Richtig Leo, am 22.09.2018 war das. ;)
Solche Ignoranten - denen diese Arbeit hier gleichgültig ist - wird es immer geben.
Aber irgendeiner muss es ja machen, damit auch DIE sicher Leben.
Danke für den Bericht - nnz.

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29.03.2019, 07.57 Uhr
Spätzlevernichter | Sehr schön...
... Es wird also mehr gekifft und weniger geprügelt.... 69% Aufklärungsquote finde ich jedenfalls beachtlich, liegt über Bundesdurchschnitt meine ich. Weiter so und nicht unterkriegen lassen.

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