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Do, 00:40 Uhr
22.08.2019
Meldung aus der Wirtschaftswelt

Wie schnell erholen sich unsere Wälder nach einer Feuerkatastrophe?

Wie kommen Fichte, Kiefer & Co. mit Waldbränden klar? Regeneriert das System schnell oder zeigen sich Langzeitschäden? Dazu diese Meldung von ThüringenForst...

Das erste Halbjahr 2019 erreichte mit 24 Waldbränden und knapp 20 Hektar Brandfläche einen traurigen Halbjahresrekord: Noch nie brannten nach der Wiedervereinigung Thüringer Wälder auf so großer Fläche. Neben dem wirtschaftlichen Schaden für den Waldbesitzer ist zusätzlich der ökologische Schaden etwa an Gräsern, Sträuchern und Waldbewohnern zu beklagen – ganz zu schweigen von der klimaschädlichen CO2-Freisetzung. So mancher fragt sich, wie schnell sich überhaupt die heimischen Wälder von solch einer Feuerkatastrophe erholen? Die Waldbrandexperten der ThüringenForst-AöR sind dieser Frage nachgegangen und konstatieren: Feuer schwächen die heimischen Wälder über Jahrzehnte hinaus. Gepflanzte Forstgehölze beschleunigen die Wiederherstellung der Schutzfunktionen.

Nicht nur der Wald brennt, auch der Boden und viele seiner Bestandteile

„Während eines Waldbrandes entstehen Temperaturen bis 500° C. Teilweise frisst sich das Feuer geradezu in den Boden und zerstört Humusauflagen und organische Bestandteile selbst in tieferen Schichten“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Dadurch gehen viele wachstumsfördernde Bodennährstoffe wie Phosphor, organischer Kohlenstoff und Nitrat verloren. Dies auch, wenn die nach dem Brand verbliebene Asche und damit wichtige Inhaltsstoffe wieder teilweise in die Erde gelangen. Auch das chemische Bodenmilieu ändert sich. Aber nicht nur der Brand selbst, auch die damit verbundene anschließende Rodung der Brandfläche entzieht Nährstoffe. Ohne diese Nährstoffe kann der Boden das Pflanzenwachstum weniger unterstützen. In den Folgejahren vergrößert sich außerdem die Schadfläche entlang der Bestandesränder wegen Borkenkäferbefall oder etwa Sonnenbrand.

Eine zügige Aufforstung nach dem Brand fördert die Regeneration des Waldes

In mitteleuropäischen Laub- und Nadelwäldern, in Berg- und Alpinwäldern, sogar in Tropenwäldern wurden Forschungsprojekte zur Regenerationsfähigkeit von Bäumen nach Waldbrandereignissen durchgeführt. Die gewonnenen Ergebnisse zeigen, dass die Wiederbewaldung nach einer Feuersbrunst recht unterschiedlich verläuft. Allen gemeinsam ist aber die Erkenntnis, dass das zeitnahe Pflanzen von Forstgehölzen dem Ökosystem Wald einen Sanierungsvorsprung ermöglicht. Werden Topfpflanzen verwendet, also die jungen Bäumchen nicht mit nackten Wurzeln in den Boden gebracht, wirkt dies ebenfalls beschleunigend. Schnell samen sich auch Pionierbaumarten wie Pappel, Birke oder Weide an und unterstützen die Wiederbewaldung. Durch entsprechende Pflegeeingriffe können sodann die erwünschten Mischungsanteile von Nadel- und Laubhölzern reguliert werden. Trotzdem dauert es noch über hundert Jahre, bis sich wieder dieselbe Waldvegetation und vergleichbare Waldstrukturen wie vor dem Brand einfinden. Und erst dann kann der Wald auch wieder die entsprechende Klimaschutzleistung erbringen.


Die pflegende Hand des Försters kann also dem Ökosystem Wald nach einer Feuerkatastrophe zu einem spürbaren Regenerationsvorsprung verhelfen. Muss sie aber nicht – die Natur verfügt über ausreichende Selbstheilungskräfte. Nur dauert dies dann alles erheblich länger. Soviel Zeit hat unser Klima aber nicht mehr…
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Kommentare

23.08.2019, 13.07 Uhr
Fönix | Wie können wir unseren Wäldern am besten helfen?
Alles was in diesem Artikel zu den Forschungsaktivitäten und Untersuchungsergebnissen geschrieben steht, bezieht sich nach meinen Verständnis auf Regionen, in denen zwar Waldbrände die Waldbestände beeinträchtigt haben, aber ansonsten hinsichtlich pflanzenverfügbarer Wassergehalte im Boden vergleichsweise normale Bedingungen herrschen. Da hat das alles seine Berechtigung und seinen Sinn.

Auf die derzeitige Situation in weiten Teilen Deutschlands bezogen sind die beschriebenen Maßnahmen aber untauglich. Wir leben das zweite Jahre hintereinander mit erheblichen Niederschlagsdefiziten, betrachtet man nur die Niederschlagssummen im Vegetationszeitraum, ist gerade in unserer Region eine entsprechende Entwicklung bereits seit einigen Jahren zu beobachten. Die Bestände sind dementsprechend schon länger einem erheblichen Trockenstress ausgesetzt und entsprechend geschwächt. Mittlerweile ist kaum noch Wasser im Boden (von den oberen 20 bis 30 cm mal abgesehen, wo die vereinzelten Schauer für ein Mindestmaß an Feuchte gesorgt haben) mit weitreichenden Folgen für das gesamte Habitat. Denn im Ergebnis sind nicht nur Gehölze geschädigt bzw. abgestorben, sondern nahezu die gesamte feuchtebedürftige Bodenflora und -fauna und damit auch viele Humusbildner von den Pilzen über die Kellerasseln, Schnecken und Würmer bis hin zu den Mikroorganismen. Die Folgen dieser Entwicklung sind noch gar nicht abzusehen, zumal der Austrocknungsgrad unserer Böden bereits soweit fortgeschritten ist, dass eine schnelle Wiederanreicherung auch der tieferen Bodenschichten selbst bei deutlicher Zunahme der Niederschläge auf absehbare Zeit nicht erfolgen wird.

Deutlich werden die gegenwärtigen katastrophalen Rahmenbedingungen auch im "Dürremonitor" (Darstellung "Gesamtboden bis ca. 1,8 m Tiefe", Download unter der Überschrift "Tagesaktuelle Vektorgrafiken") vom UFZ belegt.

Es bleibt die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, unter den gegebenen Voraussetzungen mit hohem finanziellen und personellen Aufwand schnellstmöglich hunderttausende Jungbäume im staubtrockenen Boden zu verscharren. Es ist an den Brand- und Dürrestandorten sinnvoller, die Naturverjüngung in den kommenden Monaten und ggf. Jahren (je nachdem, wie lange es dauert, bis die relevanten Bodenschichten wieder genügend Wasser aufgenommen haben) zu beobachten und entsprechende Erkenntnisse zu sammeln, auf welchen Standorten unter welchen Bedingungen welche Arten genügend tolerant und leistungsfähig sind, die Bestände wieder aufzubauen. Danach sollte man die aktiven Wiederaufforstungsmaßnahmen ausrichten und die natürliche Bestandsentwicklung unter den derzeit gegebenen extremen Bedingungen unterstützen. Alles andere ist in meinen Augen nicht nur vergebliche Liebesmüh sondern vergeudetet auch unnötig Steuergelder, die mit etwas Geduld und Weitsicht später viel wirksamer eingesetzt werden können.

Übrigens warne ich dringend davor, aus forstökonomischen Erwägungen heraus ohne entsprechende Langzeituntersuchungen in Größenordnungen nicht heimische, aber trockenresistente Baumarten in unseren Wäldern zu etablieren. In der Regel werden solche Neophyten nicht in das Habitat integriert. Sie stehen dann wie ein steriler Mast im Wald, von Besiedlung durch Flechten, Ameisen, Spinnen, insekten, höhlenbewohnende Vogelarten etc. keine Spur. Sie hätten ihre Daseinsberechtigung dann nur als temporärer Sonnenschirm und Holzlieferant. Nach meinem Kenntnisstand ist die Robinie, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt, die einzige in Frage kommende Baumart, die von heimischen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum angenommen wird. Sollte es hier neuere Erkenntnisse geben, wäre als Vorbereitung von nachhaltigen Wiederaufforstungsmaßnahmen eine breit angelegte Informationskampagne für alle potentiellen Akteure von größter Bedeutung. Sonst könnte im Übereifer mehr Schaden als Nutzen angerichtet werden.

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