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Di, 18:14 Uhr
01.10.2019
Meldungen aus der Region

Wasserloses Talheim voller Geschichten

Ein quirliger Heimatverein bewahrt in Holzthaleben viele Schätze und pflanzt Neues ein. Dazu erreichte kn aus Holzthaleben dieser Bericht...

Nur noch zwei Wochen, dann erhält der Natur- und Heimatverein in Holzthaleben die seit Langem erwarteten 60 Obstbäume zum Einpflanzen. An drei ortsnahen Stellen auf Gemeindeland sollen die ausgewählten alten Arten von Kirschen, Äpfeln, Zwetschen und Birnen wachsen. Ernten soll sie einmal jeder Holzthalebener können, versicherte der Verein um die Vorsitzende Monika Heidl ihrem Gast aus dem Thüringer Landtag, der Abgeordneten Dr. Iris Martin-Gehl.

Wasserloses Talheim voller Geschichten (Foto: Ingo Linsel) Wasserloses Talheim voller Geschichten (Foto: Ingo Linsel)

Die rechtspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE sah sich am Montag in Holzthaleben, einem Ortsteil der Gemeinde Helbedündorf, beim Heimatverein um und erfuhr, dass noch Helfer zum Bäumepflanzen gesucht werden. Auch in der Schule in Menteroda will man das Projekt vorstellen und die größeren Schüler gern in die Pflege der Bäume einbeziehen. „Keine Sorge“, so versicherte Klaus Heidl, „natürlich sollen die Kinder nicht das Wasser bis zu den Bäumen schleppen. Das übernehmen Traktoren.“

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Der Wassermangel, so wurde der Abgeordneten berichtet, begleitete die weit über tausend Jahre alte Siedlung auf kargem Kalkboden schon immer. Wasserloses Talheim war einer der wechselnden Ortsbezeichnungen, und auch heute noch versiegt der im Ort quellende Bach häufig. Überlebenswichtig wie das Wasser war der umliegende Wald. Die Holzverkäufe halfen über die schlimmsten Zeiten, keineswegs zufällig steht daher das Holz am Anfang des Ortsnamens. Und Erinnerungen an schlimme Zeiten haben sich viele erhalten.

Der Heimatverein hat die Überlieferungen gesammelt, so wie einst die Gebrüder Grimm aufgeschrieben und mit den Fakten verglichen, die akribisch im Staatsarchiv in Rudolstadt gesucht wurden. Heraus kam eine Ortschronik, die ihresgleichen sucht. Sie spiegelt die Geschichte jedes einzelnen Hauses und seiner Bewohner wider. Markiert sind auf den Karten sogar die Stellen, an denen Häuser standen, bevor die marodierenden Haufen der Dänen, Schweden und der kaiserlichen Liga im Dreißigjährigen Krieg über das Dorf herfielen. Iris Martin-Gehl überlief eine Gänsehaut nur beim Überblättern der Seiten. Im Haus Nummer 1, das diese Zahl schon trug, als hier die Gassen noch keine Namen hatten, weilte sie nun selbst - es ist das alte Backhaus und jetzige Heimatmuseum.

Wasserloses Talheim voller Geschichten (Foto: Ingo Linsel) Wasserloses Talheim voller Geschichten (Foto: Ingo Linsel)

In zwölf Zimmern wird hier erhalten, was alte Speicher, Keller und auch die Erde preisgaben. Steinbeile, römische Münzen als Beleg des Handels zwischen Germanen und dem einstigen Weltreich, alte Werkzeuge, Trachten, Haushaltsgeräte künden von einer wechselhaften Geschichte, in der das Dorf zeitweise die Größe der benachbarten Stadt Ebeleben erreichte. Im nächsten Jahreskalender, den der Verein herausgibt, wird ein Foto von jedem Zimmer eine Seite schmücken.

Was die 56 Mitglieder des Heimatvereins alles auf die Beine stellen, ist enorm. Erhalten haben sie in dem alten Backhaus auch den mit Buchenholz betriebenen Backofen. Zum Backtag Anfang Mai und zum Museumstag quirlt das Haus voller Menschen, so dass Zelte davor aufgebaut werden müssen, um die vielen Gäste bewirten zu können. Wer will, kann sich ein großes rundes Kuchenblech ausleihen und sich selbst ausprobieren. Am beliebtesten aber sind die gebackenen Schweinshaxen und Nackenstücke mit Sauerkraut.


Dennoch, seit die umliegenden Kaliwerke schlossen – die ländlichen Industrien von Dampfmühlen, Ziegeleien, Kalkwerk und Molkerei sind schon weit länger Geschichte – leidet Holzthaleben und hat es schwer, die wegziehende Jugend zu halten. Umso wichtiger, so empfindet es Frau Martin-Gehl, ist es, die Bürgerinitiativen wie den Heimatverein zu unterstützen. Sie tat dies, aber Geld allein kann nicht das Engagement der Bürger am Leben erhalten, die sich für eine gute Lebensqualität in ihren Orten einsetzen. Es geht auch darum, darauf zu achten, dass ihnen nicht von Amtsschimmeln noch zusätzliche Schwierigkeiten in den Weg geräumt werden.

Text und Fotos: Ingo Linsel

Fotos
Dr. Iris Martin-Gehl (l.) zu Gast beim Heimatverein Holzthaleben.
Die wertvolle samtene Vereinsfahne.
Nostalgie im Schlafzimmer des Heimatmuseums.
Am alten Küchenherd.
Der Backofen ist manchmal noch in Betrieb.
Die Vereinsvorsitzende Monika Heidl freut sich über ein lustiges Sparschwein.
Wasserloses Talheim voller Geschichten (Foto: Ingo Linsel)
Wasserloses Talheim voller Geschichten (Foto: Ingo Linsel)
Wasserloses Talheim voller Geschichten (Foto: Ingo Linsel)
Wasserloses Talheim voller Geschichten (Foto: Ingo Linsel)
Autor: khh

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