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Mo, 18:32 Uhr
21.10.2019
kn-Forum

Leserantwort Reinhard Plaschke/ cui bono 2

In der Leserantwort geht es nochmals um den Hotelneubau in der Stadt Bad Frankenhausen...

Sehr geehrter Herr Marco Riese zu Ihrem Beitrag „Sinnfrei, die 2.“

Ich wünschte Sie hätten den sehr guten und intelligenten Artikel von Herrn Zeidler entsprechend der Erkenntniskette: „langsam lesen – verstehen – l a n g e nachdenken – antworten“ behandelt und auch verstanden. (siehe dazu auch „Kyffhäuser-Allgemeine.de“ vom 19.10.19)
Sie merkten bereits, dass es auch anderweitig viele intelligente, verantwortliche und heimatverbundene, Menschen gibt - auch im Rathaus.
Meine Betroffenheit ist allerdings sehr groß, weil wir die nicht immer positive Entwicklung der Stadt (z.B. Kurklinik im Stadtpark, Mittelalter-Spektakel an der Kattenburg u.a.m.) erneut aufs Spiel setzen.
Zur Erinnerung: 35% der der Stadtratsmitglieder haben nicht für das Hotel auf dem Schlossgarten gestimmt.

Leider konnte ich aus Ihren Prozentzahlen zu Belegungen und Gästezahlen weder die Quelle noch Ihre Berechnungsbasis entnehmen. Das Thüringer Landesamt für Statistik spiegelt Ihre Belegungs- und Übernachtungszahlen nicht wider. Doch darauf kam es mir primär nicht an!
Ich sprach deshalb von ca. 50 % Hotelbettenbelegung (ca. = etwa oder annähernd), da erwarte ich bei Ihrer Bildung einfach, dass Sie diese Abkürzungen kennen.

Ihre 3,8% mehr Bettenauslastung schließt was ein? Hotels, Pensionen, Wohnmobile, Camper, Gäste von Frankenhäusern, sonstige Private Vermieter und oder nur die Hotelbetten?
Bei ca. 400 Hotelbetten bedeutet das wahnsinnige 15,2 Hotelbetten mehr - also Zahlen die die bestehen-den Hotels locker aufgefangen haben und trotzdem noch bei ca. 50% liegen.

Nach meinen Informationen plant allein der „Thüringer Hof“, eine Erweiterung um ca. 80 Betten zum Abbau der Belegungsspitzen - aus meiner Sicht eine mutige Unternehmerentscheidung bei einer ungewissen, nicht garantierten Gästeentwicklung. Knackpunkt ist, dass auch hier Fördermittel benötigt werden. Was meinen Sie, ob der Thüringer Hof Fördermittel bekommt, wenn hier ein Großstadthotel mit Fördermitteln entsteht?

Man sollte sich auch bewusst sein, dass der Schlossgarten zur Absicherung der Kredite für das Hotel und der Tiefgarage von der Stadt verkauft werden muss. Eine öffentliche Einflussnahme auf den Schlossgarten ist dann dauerhaft nicht mehr möglich, auch bei einer möglichen Insolvenz.
Der Schlossgarten bleibt dann weiterhin Spielball auswärtiger, windiger Geschäftemacher und dauerhaft für die Frankenhäuser verloren.

Fordern Sie doch Ihren Bürgermeister auf, an den Eckpunkten der Hotelflügel und der Tiefgarage rote Pfähle einzurammen und diese mit „Flatterband“ miteinander zu verbinden – so kann sich jeder Frankenhäuser selbst ein zweidimensionales Bild von diesem Bauvorhaben machen (Hotelhöhe = Dachrinne Schloss).
Es gehört allerdings etwas Mut dazu sich darauf einzulassen. Die Pappschildchen, die ein alter Mann zur Rettung der Bäume angebunden hatte, lassen sich dagegen leicht und mutig entfernen.

#

Es ist auch ziemlich mutig, wenn Sie behaupten, dass kein einziger Gast den bestehenden Unterkünften weggenommen wird, d.h. aber, dass die bestehenden Hotels weiter bei ca. 50% herumdümpeln sollen.
Wer sind Sie, dass Sie eine solche Aussagen treffen können? Kommt ein 3-Sterne-Hotel erfolgt durch das Überangebot eineindeutig ein Verdrängungswettbewerb mit allen negativen Folgen für die Stadt.
Benennen Sie doch bitte auch konkret in welchem Bereich welche Arbeitsplätze entstehen sollen und welche gesichert werden müssen. Bitte nicht wieder Allgemeinplätze sondern Fakten!
Die Frankenhäuser werden ebenfalls zur Kenntnis genommen haben, dass sie im privaten und gewerblichen Übernachtungsbereich keine Unterstützung von der Stadt erfahren werden.

Das Geld, das von Frankenhäusern in Form von Steuern, Umsatz und Konsum erwirtschaftet wird, bleibt in Bad Frankenhausen und bewirkt hier wesentlich mehr Synergieeffekte als durch einen anonymen Hamburger Investor.
Wir wollen hier zu den leer stehenden Gebäuden nicht noch Investruinen von Frankenhäuser Bürgern und Unternehmen sehen. Wir wollen eine unabhängige, stolze Stadt ohne Rekordschulden werden – und nicht den Weg der „Stadt der Träume“(r) gehen.
Wir stehen vor schwierigeren Zeiten, die natürlich auch nicht spurlos an uns vorüber gehen werden.
Das wird sich auch auf das Urlaubsverhalten, deren -charakter und die Übernachtungszahlen auswirken.

17 Jahre lang wurde die Salzwassertherme unüberlegt erweitert, umstrukturiert und nicht kontinuierlich mit den erforderlichen Werterhaltungsmitteln versorgt. Nun sind wir an einem Punkt angelangt wo sich ein riesiger Sanierungsstau gebildet hat. Dieser gravierende Fehler soll nun durch den Bau eines Hotels und den Verkauf des Schlossgartens abgefedert werden. (Kofinanzierung der Fördermittel bei 17 Mio. Euro Schulden?). Welcher Fachmann ist eigentlich bei der Stadt oder im Verwaltungsrat für diese kurzsichtige und laienhaft betriebene Entwicklung der Therme verantwortlich?

Nun soll der Teufel (fehlende Nutzer im zu großen Wellnessbereich, der Salzgrotte u.a.m.) mit Beelzebub (erneutem Größenwahnsinn) ausgetrieben werden, ohne überhaupt eine Grundlagenanalyse oder Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zu machen. Dazu gehört auch, dass man seinen wirklichen, finanzierbaren Platz in der vorhandenen Thermenlandschaft finden muss.
Letztendlich sollen wir Frankenhäuser nun wegen dieser Versager mit Ihren Fehlentwicklungsplänen und erneutem Größenwahnsinn auch noch den Schlossgarten verlieren und ein Hotel erhalten, was keiner braucht.

Ein 4-Sterne-Hotel mit dem Focus Wellness braucht einen r u h i g e n Standort zum Entspannen und einen eigenen Wellnessbereich, und kein lautes Hallenschwimmbad mit Wellnessbereich. Wer etwas anderes möchte kann doch trotzdem in die Kyffhäusertherme oder das Freibad g e h e n.
Auf Nachfrage in der Bürgervorstellung wollte sich der Investor jedoch nicht zu den beabsichtigten Sternen (Hotelkategorie) äußern – und trotzdem wird bis heute seitens der Stadt naiv mit einem anderen (reicheren) Klientel geworben.



Von unserem Bürgermeister wurde immer wieder mit unserem nächsten Konkurrenten, die Frederiken-Therme in Bad Langensalza mit Bademantelgang, als positives Beispiel geworben.
„Schon vor der Eröffnung (Bad Langensalza) sorgten mangelnde Kapazitäten für Therapiegruppen - etwa für Betroffene von Osteoporose – in der Therme zugunsten der Hotelgäste für Unmut“  (TA v. 17.06.2017)
Dazu gibt es, außer der gewohnten Jubelbewertung zur Eröffnung, z.B. aber auch folgende Bewertungen:

- „Für uns interessant war die zentrale Lage zu den Städten Goth, Erfurt und Weimar also tagsüber – sightseeing“.
- „ Mit der Buchung hatte man jederzeit die Möglichkeit die Therme zu benutzen. Nur die Einführungsangebote sind sehr günstig. Positiv ist der Anschluss an die Friederiken-Therme.
Alles in Allem würde ich dem Hotel keine 4 Sterne geben und werde wohl auch nie wieder hinfahren.“
- „Das angeschlossene Thermalbad ist einen Besuch wert, aber auch nichts wirklich Besonderes und sicherlich nicht tages füllend – es war bei unseren Besuchen am Tage und am Abend sehr frequentiert, da es öffentlich ist. Fazit: Es war alles in Ordnung, aber ich müsste nicht unbedingt wiederkommen.“
- „Parkplatz 3 Euro am Tag. Die Stadt ist klein (17.000 EW), schön restauriert und mit mehreren Themengärten sehenswert – aber im Winter sind diese geschlossen“.

Mögliche „Tagungsgäste“ oder ein versprochenes vermögenderes Hotelklientel wird nicht die Kräme stürmen und als Erinnerung ein chinesisches T-Shirt, eine Nähmaschine, einen Lampenschirm o.ä. kaufen.

Alle drei Fotos in besserer Auflösung gibt es hier:
Fotos Groß

Bei Tagungen, sitzt man abends an der Hotelbar und tauscht sich mit den Kollegen aus. Nach Ende der Veranstaltung, meistens am Wochenende, möchte dann jeder schnell nach Hause.
Da man ggf. ca. 5% mehr Fördermittel erhält, wurde hier schnell noch ein Tagungshotel hineininterpretiert.

Übrigens hat die gleiche Premero Immobilien GmbH und Herr Prantner (RIMC) in Brandenburg /Havel ebenfalls ein Großstadthotel auf einem Filetstück platzieren wollen und ist nach einer Bürgerbefragung krachend gescheitert.

Nachzulesen bei: „http://www.bi-packhof.de/nein-zum-hotelneubau-rueckblick-und-archiv/„ und „Märkische Allgemeine – Premero verabschiedet sich vom Packhof“
Sie werden hier leicht das deckungsgleiche Handlungsmuster dieser Hamburger Firma wie in Bad Frankenhausen erkennen! Motto: Clevere Hamburger Investoren treffen auf Frankenhäuser Hinterwäldler!

Text und Fotos: Reinhard Plaschke
Anmerkung der Redaktion:
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Kommentare

21.10.2019, 19.08 Uhr
PIMI | Vielen Dank für Ihre Informationen
Herr Plaschke, vielen Dank für Ihre fachlich fundierten Informationen, auch was Brandenburg betrifft. Hoffentlich bemerkt man jetzt, was hier den Bürgern vorgeführt wird.

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