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Di, 17:32 Uhr
22.10.2019
Hotel in Bad Frankenhausen

Herbstliches Arrangement in der Kurstadt

„Rote Blätter fallen, graue Nebel wallen, kühler weht der Wind.“ Und in Bad Frankenhausen weht der Wind derzeit auch noch sehr scharf. Eine ehemalige Stadträtin äußert sich im Forum...

Es geht um ein Hotel gleich neben der Therme, auf der Schlosswiese, mit Bademantelgang. Und genau dieser Gang, diese paar Kubikmeter umbaute Luft, scheinen existentiell zu sein für den Fortbestand unserer Kur- und Erholungsstadt. Das entnimmt man zumindest den Worten und Aktivitäten des Bürgermeisters, da werden wirklich alle Register gezogen, um die Bürgerinnen und Bürger zur erwünschten Stimmabgabe zu bewegen.

Im August hat der Stadtrat die Bürgerumfrage beschlossen. In der Begründung steht etwas vom „zweistufigen Verfahren zur Meinungsbildung und Beteiligung“. Das waren die Einwohnerversammlung und die Bürgerwerkstatt. Dort erhielten „Interessierte die Möglichkeit, eigene Gedanken zum Projekt vorzutragen, sich auszutauschen“ und waren „zum Dialog eingeladen.“

Was aber jetzt passiert, hat nichts mehr mit Dialog zu tun!

Die Idee eines Hotels mit Bademantelgang entstand schon vor vielen Jahren und war als I-Tüpfelchen für die Kurstadt und die Therme gedacht. Und jetzt plötzlich soll es „eine existentielle Maßnahme für die Entwicklung Bad Frankenhausens“ sein? Unsere Stadt braucht ein Hotel, um „zukunftsfähig“ zu sein?

Jahrelang hieß das Mantra für die Kurstadtentwicklung „Alleinstellungsmerkmal“, jetzt auf einmal müssen wir ein Bademantelganghotel haben, weil es das in anderen Kurorten auch gibt.

Was bewegt Frankenhäuser Bürgerinnen und Bürger denn plötzlich, sich so vehement für ein Hotel auf dem Schlossplatz auszusprechen? Es mag sein, dass unsere Kurstadt noch ein Hotel vertragen kann und damit mehr Gäste kommen, die einkaufen, ins Café und in die Gaststätte gehen, das Museum besuchen usw. usw. Und die ganz sicher auch ohne Bademantelgang in die Therme gehen! Aber dieses Hotel gehört nicht auf den Schlossplatz und schon gar nicht auf die Fläche, auf der die meisten alten Bäume stehen!

In Amtsblatt, Handzetteln und Presseartikeln werden die Erfolge der positiven Stadtentwicklung erwähnt und die zahlreichen Investitionen hervorgehoben. Auch Maßnahmen der Stadt im sozialen und kulturellen Bereich werden aufgezählt. Gleichzeitig wird das alles mit dem Hotelbau in Verbindung gebracht und suggeriert, dass es ohne Hotel mit Bademantelgang für Bad Frankenhausen keine Zukunft als Kur- und Erholungsstadt gibt – was für ein Unsinn!

Der Stadtrat hat im September auf Antrag des Bürgermeisters und seiner SPD-Fraktion beschlossen „Mehr Grün in Bad Frankenhausen und den Ortsteilen“. Hat lange gedauert, bis sie darauf gekommen sind. Das sollten wir Bürgerinnen und Bürger doch gleich unterstützen und mit unserer Stimmabgabe verhindern, dass die Schlosswiese über- und unterirdisch versiegelt wird! Geben wir uns allen die Chance, dass eine Wiese, ein Garten oder Park entstehen kann, die ihren Namen verdienen! Kein Hotel auf diesem Platz!

Ich äußere mich als ehemalige Stadträtin und habe schon beim ersten Beschluss vor 1 ½ Jahren gegen den Verkauf eines Teilstückes der Schlosswiese für den Hotelneubau gestimmt.

Sabine Zeidler
Bad Frankenhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare

22.10.2019, 18.03 Uhr
PIMI | Vielen Dank
Frau Zeidler, vielen Dank für Ihren ( ich denke mal auch ) mutigen Kommentar noch einer Frau gegen die Alte- Männer- Riege der Gwamperten ( so nennt man die in Bayern ) hinter dem Noch- Regenten, der die Bürger schon mit der Baugenehmigung genug verschaukelt hat

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22.10.2019, 19.29 Uhr
tannhäuser | Viel Glück!
Möge dieser von oben verordnete Traumtanz den Frankenhäusern ebenso erspart bleiben wie uns allen in Nordthüringen zuletzt die R2G-Gebietsreform.

Herr Strejc scheint gerade etwas die Fassung zu verlieren, was Demokratie betrifft, sollte er wirklich die zuletzt kolportierten Drohungen gegen AfD-Sympatisanten ausgestoßen haben.

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22.10.2019, 19.45 Uhr
PIMI | Die Fassung verlieren oder seinen Schreibtisch räumen ?
Ich möchte ein Gegenbeispiel nennen- ein Kurort in Bayern.
Dort machte ein Thermenbetreiber mittels Klüngel mit dem Bürgermeister einen Abgabenrabatt aus. Ging solange bis ein parteiloser Bürgermeister kam. Paul Gruschka, genannt Robin Hood von Bad Wörishofen machte dem ein Ende. Er kam danach unter schweren Beschuß, aber war dem als Rechtsanwalt gewachsen. Ein sehr angenehmer, mutiger und seinem Amtseid entsprechend handelnder Mensch.
Was hier in der Kurstadt abgeht ist reine Parteipolitik von einer Partei die ich mit Agenda Schröder / Hartz nur noch persönlich verachten kann. Warum sich dem BM neben Parteimitgliedern auch ein Herr Hunger als devote Lakaien hofieren, verstehe ich einfach nicht. Gegen jede Vernunft ?

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