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Fr, 12:32 Uhr
25.10.2019
Neues aus Sondershausen

Waldzustand ist düsterer als erwartet

Ein sehr interessanter Vortrag war gestern in der Sitzung des Stadtrats der Stadt Sondershausen. Und es zeichnet sich ein immer düster werdendes Bild vom Zustand unsere Wälder ab...

In einer der letzten Stadtratssitzungen hatten die Mitglieder gebeten, ladet den Forst ein, um uns über den Zustand der Wälder zu informieren. Hintergrund, die Stadt Sondershausen ist selbst Waldbesitzer (Windleite).

Waldzustand ist düsterer als erwartet (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Waldzustand ist düsterer als erwartet (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Das Archivfoto täuscht. die Situation aktuell sieht wesentlicher düsterer aus.

Der Revierförster der Hainleite, Ralf Hubert (er vertrat Forstamtsleiter Uli Klüßendorf) nahm die Aufgabe wahr. Zuerst informierte er über das Forstamt.

Die Gesamtwaldfläche des Forstamtes beträgt ca. 26.000 Hektar in den Landkreisen Kyffhäuser, Sömmerda und Unstut-Hainich. Davon sind ca. 12.000 Hektar Eigentum Freistaat Thüringen und es wird Dienstleistung für 2.500 Hektar kommunalen und 1.500 Hektar privaten Wald geleistet.
In 12 Forstrevieren arbeiten 34 Mitarbeiter (Revierleiter, Forstwirtschaftsmeister und Waldarbeiter), ein forstamtseigener Schlepper für forst- und touristische Wegepflege steht zur Verfügung für Herstellung Lichtraumprofil an Holzabfuhrwegen, sowie für Waldnaturschutzarbeiten.

Geführt wird auch das Jugendwaldheim Rathsfeld im Kyffhäusergebirge mit Waldpädagogik für jährlich 1.500 Schüler!

Unserer Region ist sehr stark von Flächenstilllegungen betroffen, sprich Herstellung von Waldwildnis
Flächenstilllegung im Landeswald:

- 1.300 Hektar Waldgebiet „Hohe Schrecke“
- 700 Hektar im „Kyffhäusergebirge“
- 200 Hektar Naturwaldparzellen
- 230 Hektar Totalreservate in NSG
- 1.001 Hektar am „Possen“ Waldgebiet Hainleite

In Summesid das 3.431 Hektar des landeseigenen Waldes was 28,6 % der Waldfläche entspricht!

Zur Waldsituation

Hubert führte aus, wie die hohen Temperaturen und die geringen Niederschläge die Bodentrockenheit enorm gefördert haben.

Waldzustand ist düsterer als erwartet (Foto: ThüringenForst) Waldzustand ist düsterer als erwartet (Foto: ThüringenForst)

Im Gespräch mit kn nach dem Vortrag bestätigte er, die Niederschläge der letzten Wochen haben nur oberflächlich etwas gebracht, für die Bäume nahezu wirkungslos bei der Bodenfeuchtigkeit im Wurzelbereich. Foto: Thüringenforst
Ein Hektar Buchenwald verdunstet am Tag ca. 50.000 Liter, so Hubert. Da kann man sich ausrechnen, welche Trockenheit im Boden herrscht, bei den geringen Niederschlägen der letztenzwei Jahre.

Über das Resultat des Baumsterbens in der Region hatte kn bereits berichtet, aber die größe es Ausmaßes überraschte doch.
Vertrocknete Buchen finden sich sowohl im Nationalpark „Hainich“, in den Plenterwäldern des Hainichs und der Hainleite, als auch bei der vormals Schirmschlagswirtschaft.

Die Art der Waldbewirtschaftung hat keinen Einfluss auf Umfang der Trockenschäden.
Besonders von der Dürre betroffen sind die Waldbestände in der Hainleite so Hubert.

Das Vertrocknen der Bäume hat noch eine andere Wirkung, es werden Altholzschirme über der Naturverjüngung fehlen, und der Jungwuchs wird wegen der Trockenheit der Sonneneinstrahlung noch weiter leiden.

Auswirkungen

Etwa 600.000 Buchen werden wegen Trockenheit bis Jahresende absterben, in zwei Jahren könnten auf zwei Drittel der Fläche der Nordthüringer Wälder alte und starke Buchen abgestorben sein.

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Die Trockenheit ruft weitere Gefahren hervor. Es wird eine starke Zunahme der Gefahren durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume geben.

Der größte Teil der Wälder hat eine, nach wie vor vitale Verjüngungsschicht, aber wie lange die bestehen wird, bei unhaltender Trockenheit ist unklar.

Ees gibt bereits einen Stopp des Einschlags von Nadelholz im Thüringer Wald. Wegen des Überangebots von Fichtenholz in ganz Mitteleuropa gibt es daher dramatisch gefallene Holzpreise

Prognose:


Wir werden die Fichten, Lärchen und Kiefern in der Region Nordthüringen nahezu komplett verlieren
es entstehen ungeplante Kahlflächen, hohe Aufwendungen für Wiederbewaldung!


Aktuell gibt es keinen Einschlag in vitalen Buchenbeständen. Das heißt, es werden nur Bäume in den Schadtgebieten gefällt.

Für die geschädigten Waldgebiete gibt es ein „Herantasten“ an Technologien zur Holzernte und Beurteilung der sich monatlich vermindernden Holzqualität. Vertrocknete Bäume fällen ist eine sehr gefährliche Angelegenheit, weil sie ohne Vorwarnung auch einfach umfallen können und zur Gefahr für die Waldarbeiter und Besucher des Waldes werden.

Hubert sagte zwar, wir wollen die Wälder noch nicht sperren aber beim Passieren ist größte Vorsicht geboten. Die Information der Bürger über die Gefahren ist wichtig!
Der Schwerpunkt der Arbeiten wird auf die Verkehrssicherung entlang öffentlicher Verkehrswegen, Erholungseinrichtungen im Wald und Bebauung gerichtet.
Es wird Veränderungen der Waldbilder (z.B. Entlang von Verkehrstrassen) geben
Information der Öffentlichkeit über die zunehmenden Gefahren beim Waldbesuch, bisher keine Sperrung von Wäldern

Stehendes und liegendes Totholz in den Wäldern wird kräftig zunehmen, so Hubert. Für das Schalenwild werden „paradiesische“ Einstände, mit viel Deckung und Äsung entstehen.
Wenn wir in Zukunft artenreiche Mischwälder mit einheimischen Baumarten haben wollen, muss Jagd intensiv ausgeübt werden, so Hubert weiter.

Wärmeverträgliche Baumarten aus anderen Regionen werden bezüglich Ihrer Anbauwürdigkeit gerade erforscht, so auch bei Oldisleben, aber heimischen Baumarten werden auch zukünftig unsere Waldgesellschaften bestimmen, die weniger von Fichte und Buche dominiert sein werden.

Eine Baumartenmischung zur Risikostreuung sei weiterhin wichtig, so Hubert. Der Erhalt und Schutz der Wälder im Klimawandel kostet Geld, bisher haben die Forstbetriebe ihr Einkommen zu 90 % aus dem Holzverkauf bezogen, Gemeinwohlleistungen wurde nicht ausreichend honoriert.


Zum Forst der Stadt Sondershausen

Die Schadsituation sieht ähnlich dem des Forstamtes aus. Der Einschlagschwerpunkt liegt beim Borkenkäferholz. Die Versorgung des Heizkraftwerks des Stadtwerke Sondershausen erfolgt ausschließlich mit Nadelholz.
Der BuchenStarkholzblock im Komunalwald unter 10%, die Schädigung in den Beständen ist unterschiedlich.
Die Verkehrssicherung an öffentlichen Straßen ist auch hier der Schwerpunkt.

Die Prognose für den Forst der Stadt: Die Kosten werden stark steigen und die Einnahmen stark sinken.
Einen wichtigen Tipp hatte Hubert noch:
Die Nutzung aller Fördermittelmöglichkeiten sei dringend notwendig, um die Kosten für die Stadt geringer zu halten.
Autor: khh

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