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Sa, 10:58 Uhr
09.11.2019
Umfrage

Deutsche empfinden ihr Einkommen gerechter als andere Europäer

Eine aktuelle Studie untersucht, wie gerecht Erwerbseinkommen in Deutschland im Vergleich zum europäischen Durchschnitt empfunden werden. Die Mehrheit in Deutschland und Europa bewertet niedrige Einkommen als ungerechterweise zu niedrig.

Die Einkommensungleichheit ist in vielen europäischen Ländern nach wie vor sehr groß und hat gerade in Deutschland in den letzten Jahren noch zugenommen. Doch Ungleichheit muss nicht per se ungerecht sein. Mit der Ende Oktober veröffentlichten 9. Welle des European Social Survey (ESS) liegen zum ersten Mal europaweite, repräsentative Daten vor, die es erlauben Gerechtigkeitseinstellungen und die Unterscheidung in gerechte und ungerechte Ungleichheiten in Europa umfassend und vergleichend zu beleuchten.

Erste Analysen der 2018 erhobenen Daten zeigen, dass knapp die Hälfte der insgesamt 34.000 Befragten aus 18 Ländern ihr eigenes Bruttoerwerbseinkommen als gerecht bewertet – in Deutschland sogar häufiger als im europäischen Durchschnitt. Niedrige Einkommen werden gleichermaßen in Deutschland und dem restlichen Europa überwiegend als zu niedrig empfunden. Die rund 2400 Befragten in Deutschland halten hohe Einkommen dagegen häufiger für gerecht als der europäische Durchschnitt. Auch befürworten mehr Befragte aus Deutschland, dass die Verteilung von Gütern und Lasten an Leistung und Bedarf gekoppelt sein sollte. Eine Gleichverteilung wird in Deutschland häufiger abgelehnt. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse aus der aktuellen ESS-Befragung, die die DIW-ForscherInnen Jule Adriaans, Philipp Eisnecker und Stefan Liebig für eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ausgewertet haben, um Aufschluss über die Gerechtigkeitsbewertung von Erwerbseinkommen in Deutschland und dem restlichen Europa zu erhalten.

„Wir haben sehr viele Übereinstimmungen zwischen Deutschland und dem europäischen Durchschnitt gefunden, aber auch einige Abweichungen“, berichtet Philipp Eisnecker. Einig sind sich zum Beispiel die meisten Befragten, dass die jeweiligen niedrigsten Einkommen in ihrem Land zu niedrig sind. Dem stimmen 84 Prozent der Befragten in Deutschland und ebenfalls 84 Prozent der Befragten im restlichen Europa zu. „Hohe Einkommen empfinden die Deutschen aber seltener als ungerecht hoch“, ergänzt Eisnecker. 42 Prozent der Befragten in Deutschland gegenüber 47 Prozent der europäischen Befragten bewerten die hohen Einkommen in ihrem jeweiligen Land als zu hoch, aber 18 Prozent der deutschen gegenüber 14 Prozent der europäischen Befragten halten die zehn Prozent der höchsten Einkommen sogar noch für zu niedrig.

Ihr eigenes Einkommen bewerten die Befragten in Deutschland häufiger als gerecht als die restlichen EuropäerInnen. In Deutschland empfinden 49 Prozent ihr eigenes monatliches Bruttoeinkommen als gerecht, gut sechs Prozent halten es sogar für ungerechterweise zu hoch. Bei den europäischen Befragten fühlen sich nur 45 Prozent gerecht bezahlt und die Hälfte für zu gering bezahlt. Je höher das eigene Einkommen, desto gerechter wird es auch empfunden: Diese Faustregel gilt sowohl für Deutschland als auch für das restliche Europa. Jedoch ist dieser Zusammenhang in Deutschland stärker ausgeprägt als im restlichen Europa.

Die StudienautorInnen wollten aber auch wissen, wovon es abhängt, welche Ungleichheiten als gerecht oder ungerecht empfunden werden. Sie haben daher gefragt, welchen Verteilungsprinzipien die Befragten zustimmen. Die meisten befürworten, dass Güter und Lasten nach Leistung verteilt werden. Fast ebenso viele in Deutschland und Europa befürworten die Deckung des Bedarfs, wobei beide Prinzipien von den deutschen mehr Zustimmung als von den restlichen europäischen Befragten erhalten. Dem Gleichheitsprinzip, demnach jeder gleich viel erhält, stimmen 56 Prozent der EuropäerInnen, aber nur 40 Prozent der Befragten in Deutschland zu. Am wenigsten Zustimmung erfährt das Anrechtsprinzip, nach dem erworbene und zugeschriebene Merkmale wie das Familienansehen oder Herkunft über die Verteilung entscheiden.

„Vor allem die Befragten aus Deutschland befürworten, dass sich die Verteilung von Gütern und Lasten in einer gerechten Gesellschaft an Bedarf und Leistung orientiert, und empfinden gleichzeitig, dass die niedrigsten Einkommen zu gering sind“, fasst Studienautorin Jule Adriaans zusammen. Gerade in Deutschland ist der Niedriglohnbereich sehr groß. Mit dem Mindestlohn wurde hierzulande zwar ein Instrument zur Anhebung der Löhne am unteren Rand der Einkommensverteilung geschaffen, dieser wird jedoch nicht in allen Beschäftigungsverhältnissen auch ausbezahlt. Die StudienautorInnen fordern daher zum einen, dass die Einhaltung des Mindestlohns stärker kontrolliert wird. Darüber hinaus gibt Jule Adriaans zu bedenken: „Es ist nicht nur wichtig, Löhne zu zahlen, die den individuellen Bedarf decken können, sondern auch Löhne, die die individuelle Leistung wertschätzen und anerkennen, damit mehr Menschen es als gerecht empfinden.“ Insgesamt machten die Ergebnisse aber auch deutlich, dass gerade in Deutschland mit sozialer Gerechtigkeit weniger eine Gleichheit von Einkommen als vielmehr eine nach Leistung differenzierte Bezahlung verbunden sei, ergänzt Stefan Liebig, Direktor des Sozio-oekonomischen Panels am DIW Berlin: „Es soll auch sichergestellt sein, dass sich die unteren Einkommensgruppen einen angemessenen Lebensstandard leisten können – ein Versprechen, das zum Grundprinzip der sozialen Marktwirtschaft deutscher Prägung gehört.“
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Kommentare

09.11.2019, 11.50 Uhr
Leser X | Halb voll oder halb leer?
Man kann natürlich bejubeln, dass die gute Hälfte mit ihrem Einkommen zufrieden ist.

Man kann es aber auch als Skandal bezeichnen, dass sich fast jeder Zweite ungerecht entlohnt fühlt.

Die Deutungs-Hoheit obliegt natürlich dem mit einem klaren Auftrag ausgestatteten Institut.

2   |  0     Login für Vote
09.11.2019, 15.47 Uhr
libertinus | Volle Zustimmung Leser X
Wenn ich beim einem der grössten Arbeitgeber in der Region genauso viel bekomme, wie bei meinem alten Arbeitgeber 20 Jahre vorher.....dann stimmt irgendwas nicht !!!
Natürlich haben die Schröder/Grün-Truppen bei der Entrechtung der Arbeitnehmer ganze Arbeit geleistet.
Als die Demographie ihren Klienten einen Strich durch die Rechnung machte......haben sie die große Armutseinwanderung forciert.
Mehrere Millionen junge Menschen aus Ostdeutschland sind in den Westen emigriert. Auf Grund von Hungerlöhnen.
Nachdem diese jetzt als billige Arbeitskräfte nicht mehr verfügbar sind, wird die Mär von wichtigen Facharbeitern aus der Flüchtifantenszene verbreitet.
Diese Armutseinwanderung ist ein Trick des Kapitalismus, um billige Arbeitskräfte und willige Mieter zu bekommen.
Und Unsere LINKE klatscht auch noch Beifall ! :-(
Sie sollten sich was schämen !!!!

4   |  1     Login für Vote
09.11.2019, 16.19 Uhr
libertinus | Volle Zustimmung Leser X
Wenn ich beim einem der grössten Arbeitgeber in der Region genauso viel bekomme, wie bei meinem alten Arbeitgeber 20 Jahre vorher.....dann stimmt irgendwas nicht !!!
Natürlich haben die Schröder/Grün-Truppen bei der Entrechtung der Arbeitnehmer ganze Arbeit geleistet.
Als die Demographie ihren Klienten einen Strich durch die Rechnung machte......haben sie die große Armutseinwanderung forciert.
Mehrere Millionen junge Menschen aus Ostdeutschland sind in den Westen emigriert. Auf Grund von Hungerlöhnen.
Nachdem diese jetzt als billige Arbeitskräfte nicht mehr verfügbar sind, wird die Mär von wichtigen Facharbeitern aus der Flüchtifantenszene verbreitet.
Diese Armutseinwanderung ist ein Trick des Kapitalismus, um billige Arbeitskräfte und willige Mieter zu bekommen.
Und Unsere LINKE klatscht auch noch Beifall ! :-(
Sie sollten sich was schämen !!!!

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09.11.2019, 16.35 Uhr
tannhäuser | Am zufriedensten...
...sind die wahrscheinlich Nichtbefragten wie Polen, die auf ihrer Seite der Oder gut und gerne leben, westlich des ehemaligen Grenflusses ihren Lohn verdienen und in der Heimat finanziell besser klarkommen als ihre deutschen Kollegen*Innen, die den klimawahnsinnbedingten Steuererhöhungen entgegenbibbern.

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