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Mo, 09:12 Uhr
02.03.2020
Landespolitiker äußern sich

Zur Ministerpräsidentenwahl in Thüringen

Die Wahl von Th. Kemmerich, FDP, am 5.2. zum Ministerpräsidenten führte zu vielen Reaktionen in Thüringen und die Debatten in der ganzen Bundesrepublik waren davon maßgeblich beeinflusst. Die Verunsicherung weit über die Grenzen Thüringens hinaus war und ist merklich spürbar. Dazu diese Meldung von Landtagsmitglied Stefan Schard (CDU)...

Bereits mit dem Landtagswahlergebnis vom 27.10.19 rückten Mehrheiten für „politische Lager“ in weite Ferne. Rot-Rot-Grün hatte diese verloren, auch wenn „Die LINKE“ die meisten Stimmen errang. Es fehlten 4 Stimmen im Landtag, und meine Partei, die CDU, erhielt mit 21,7 % eine deftige Wahlniederlage. Erstmals bekamen AfD und LINKE zusammen die rechnerische Mehrheit. Schon hier wurde deutlich, wie schwierig es werden würde, einen Ministerpräsidenten zu wählen.


Es wäre aus meiner Sicht sehr vermessen zu glauben, dass irgendjemand in dieser Situation tatsächlich alles richtig gemacht hat und ich bedauere, dass eine Einigung auf einen unabhängigen Ministerpräsidentenkandidaten schon weit vor dem 5.2. nicht möglich war. In dieser speziellen Situation wäre das aus meiner Sicht die richtige Verfahrensweise gewesen. Das „Hin und Her“ meiner Fraktion und die Versuche, aussichtslose Vierer-Bündnisse zu schmieden, ohne als drittstärkste Kraft ein Mandat dafür erhalten zu haben, waren ebenso falsch, wie das unaufhaltbare und überhebliche Drängen von „Rot-Rot-Grün“, ohne absehbare Mehrheiten, aber dafür mit einem fertigen Koalitionsvertrag und bereits aufgeteilten Ministerpositionen sowie zusätzlichen Staatsekretären in die Ministerpräsidentenwahl zu gehen. Die Warnungen von FDP und CDU, dass eine Mitwahl eines linken Kandidaten nicht erfolgt und stattdessen die Wahl später stattfinden zu lassen, fanden keine Beachtung und wurden in den Wind geschlagen.

Als sich im dritten Wahlgang zusätzlich zu den Kandidaten von LINKE und AfD ein FDP-Kandidat stellte, erhielt dieser eine Stimme mehr als Bodo Ramelow. Offensichtlich hatten alle AfD-Abgeordneten ihren Kandidaten kalkuliert „fallen gelassen“ und auch für den FDP-Kandidaten gestimmt. Die Frage, die man sich nicht ganz unberechtigt gefallen lassen muss, ist, ob dies nicht vorhersehbar gewesen sei, auch wenn im Ergebnis CDU und FDP vollkommen unabhängig von der AfD den FDP-Kandidaten wählten. Die dauernden Unterstellungen von rot-rot-grüner Seite zu Absprachen usw. sind jedenfalls infam! Auch eine weitere Frage, ob die Annahme der Wahl durch Th. Kemmerich richtig war, steht zweifelsohne im Raum.

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Eins kann jedoch trotz der aktuellen Lage nicht die Maßgabe für die Zukunft sein; Dass die CDU oder auch andere Parteien ihr Abstimmungsverhalten davon abhängig machen, ob bspw. die AfD oder auch die LINKE für einen Vorschlag stimmen könnten oder nicht. Im Ergebnis kämen dann auch gute Entscheidungen für Thüringen nicht zu Stande, weil bspw. ankündigt würde, ebenso für ein Gesetz, eine Person oder andere Entscheidung zu sein. Würde bspw. die AfD einen Parlamentsbeschluss verhindern wollen, bräuchte sie nur bekannt geben, auch dafür zu votieren und alle anderen stimmen dagegen. In wessen Interesse oder Verantwortung sollte das bitte sein?

In Sachen Ministerpräsidentenwahl wäre es immer noch eine Lösung, in Zeiten, in denen keine „Seite“ eine Mehrheit hat, einen unabhängigen Ministerpräsidenten zu wählen. Dies hat Rot-Rot-Grün ausgeschlossen und damit Neuwahlen wahrscheinlich gemacht. Zum Zeitpunkt solcher Neuwahlen ist viel verlautbart worden, bis hin zum Vorwurf der Sicherung von Pensionsansprüchen. Ich nehme für mich in Anspruch, hier unverdächtig zu sein, da ich als „Parlamentsneuling“ weder jetzt noch im April 2021 solche Ansprüche erwerben werde.

Was viele nicht wissen ist, dass ein von Rot-Rot-Grün in der letzten Legislatur verabschiedetes „Paritätsgesetz“ in der Welt ist, welches die Aufstellung der Landeslisten regelt. Dieses Gesetz liegt derzeit zur gerichtlichen Kontrolle vor. Sollte hierbei festgestellt werden, dass es nicht haltbar ist, so wäre auch das Ergebnis kurzfristig durchgeführter Neuwahlen ebenso obsolet. Auch dieser Sachverhalt ist in die Diskussion mit einzubeziehen. Diese Bedenken teilt übrigens auch Bodo Ramelow, wie er dem „Focus“ mitteilte. Was dann? Ein weiteres Mal Neuwahlen? Eine stabile Regierungskonstellation wäre damit zumindest auch nicht sicher gestellt. Darüber hinaus besteht auch eine große Wahrscheinlichkeit, dass es wiederum keine eindeutigen Mehrheiten gibt.

Ich bin der Überzeugung, dass politische Entscheidungen überlegt, mit Haltung und Verantwortung getroffen werden müssen. Dafür habe ich ein Mandat erhalten. Das bezieht sich auch auf die erneute Wahl eines Ministerpräsidenten. Vieles von dem, was über Bodo Ramelow und seinen Pragmatismus gesagt wird, mag vielleicht stimmen. Am Ende des Tages geht es aber gar nicht nur um Bodo Ramelow als Einzelperson. Spätestens ein nochmaliger Blick in das Wahlprogramm der LINKEN und die dort niedergelegten „Sozialismusthesen“ bzw. Ziele, wie eine sehr offene Zuwanderung, Drogenlegalisierung sowie Abschaffung des notwendigen Verfassungsschutzes oder auch die Einstellung zu Sicherheit und Eigentum, führen für mich nach wie vor eindeutig zu dem Schluss, dass diese mit sozialer Marktwirtschaft und der gesellschaftlichen Überzeugung von Freiheit und Vernunft nichts zu tun haben. Für meine Weltanschauung bedeutet es im täglichen Leben, als auch in der Politik, zu seinen Überzeugungen und Werten zu stehen. Deshalb ist es für mich auch keine Option, einen Ministerpräsidenten der LINKEN zu wählen! Ebenso wenig käme i. Ü. ein AfD-Kandidat in Betracht.

Vieles an der Aussage, „dass man nicht so lange wählen kann, bis allen das Ergebnis gefällt“ ist richtig. Sollte es den beauftragten Parteien und Abgeordneten nicht möglich sein, mit dem Wahlergebnis verantwortungsbewusst umzugehen, so sind neue Wahlen zu welchem Zeitpunkt auch immer u. U. unvermeidlich. Im Moment besteht jedoch ein Wählerauftrag, den man ernst nehmen muß und nicht für politische „Spielchen“ missbrauchen darf. Bei allem was getan wird steht aber eins im Vordergrund; das Wohl des Landes und seiner Einwohner. Allem voran daran zu denken ist unsere oberste Verpflichtung.




Autor: khh

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Kommentare
Joerg Esser
02.03.2020, 09:51 Uhr
Haben Sie die letzten Monate verschlafen Herr Schard?
Ich weiß ja nicht, was Sie die letzten Wochen und Monate getan haben, aber die Realität haben Sie anscheinend nicht wahr genommen. Wenn Ihnen und Ihrer Partei ein unabhängiger Kandidat lieber gewesen wäre, warum haben Sie dann das CDU-Mitglied Lieberknecht abgelehnt? Es ging Ihnen und Ihrer Partei doch nie um einen unabhängigen Kandidaten, es ging Ihnen darum, keine zeitnahe Neuwahl zu riskieren.
Wie scheinheilig Ihre Partei dabei ist zeigt doch auch der Umstand, dass Ihr Noch-Vorsitzender und seine Stellvertreter vor einem dreiviertel Jahr die Aufstellung eines Haushaltes, der in eine neue Wahlperiode greift, als Verstoß gegen die Verfassung gebrandmarkt haben und dann vor eventuellen Neuwahlen die Aufstellung eines genau solchen Haushaltes gefordert haben.
Sorry, aber das ist so durchsichtig, dass man es kaum noch glauben mag.
deepstate
02.03.2020, 10:34 Uhr
Parteisoldat Esser
Man muss dankbar sein, zumindest bei der SPD, dass Jörg Esser gleich alles stehen und liegen lässt und einen gepfefferten Kommentar verfasst. Bravo und Danke. So hört man immerhin noch etwas von der ehemaligen Volkspartei. Während man sich dort noch immer im Staube wälzt, macht Herr Schard das, wofür er gewählt wurde. Arbeit im Wahlkreis. Von Frau Marx kann man das, besonders wenn man ihre sozialen Medien so verfolgt, nicht unbedingt behaupten.
A-H-S
02.03.2020, 10:44 Uhr
@ Herr Esser: ein vergiftetes Angebot
Zur Info: Frau Lieberknecht wäre wohl das Gegenteil eines unabhängigen Kandidaten gewesen. Ihr zur Seite sollten ausschließlich r2g-Minister sein. Sie wäre dann tatsächlich eine Ministerpräsidentin von Gnaden der Linken gewesen.

Tatsächlich unabhängig wäre z.B. ein Wirtschaftsexperte, der dann völlig frei SEINE Regierungsmannschaft zusammenstellt und nicht Frau Lieberknecht, die gleich eine r2g-Mannschaft aufgedrückt bekommt.

Und ja, natürlich will die CDU keine Neuwahlen im Moment. Macht aus ihrer Sicht auch keinen Sinn. Warum sollten sie es also betreiben? Davon abgesehen ist es ja nicht sicher, dass eine Neuwahl ein anderes Ergebnis liefert. Unter Umständen bekommen die Linken 5% mehr, dafür fliegen die Grünen aus dem Landtag. Die FDP fliegt raus, die FW kommen rein, die Verluste der CDU nehmen AfD und FW auf und wir stehen wieder an der gleichen Stelle. Und dann? Nichts gewonnen, aber 6 Monate Zeit verloren und einige Millionen für die Wahl rausgepulvert.

Davon abgesehen wissen Sie natürlich, dass Neuwahlen im Moment keinen Sinn machen. Die AfD hat gegen das Paritätsgesetz geklagt. Wird die Wahl kurzfristig durchgeführt und das Paritätsgesetz anschließend kassiert, müssten die Bürger sofort wieder an die Urne. Versuchen Sie das bitte mal jemanden zu erklären.
geloescht.20250302
02.03.2020, 11:24 Uhr
Herr Schard!
Bitte erzählen Sie das alles Ihrer aktuellen und auch der ehemaligen Parteivorsitzenden sowie der Kanzlerin und allen Kandidaten für diese Posten, bevor die sich wieder in Thüringer Belange einmischen!

Ansonsten können wir im Freistaat den Laden in Erfurt dichtmachen, alle Politiker nachhause schicken und uns gleich von Berlin aus regieren lassen.

Das würde aber die Arbeitslosenstatistik ziemlich ruinieren und für Hartz-IV sind Sie alle zu vermögend.

Ansonsten positiv zu vermerken, dass Sie sich, selbst wenn man nicht Ihrer Meinung ist, direkt an die Wähler wenden.

Da stimme ich den Kommentaren von deepstate und A-H-S komplett zu, was das Auftreten der SPD und ihrer hiesigen MdL betrifft. Wobei ich nicht damit sagen will, dass ich Herrn Essers Wortmeldungen überflüssig finde.

Endlich mal eine Abwechslung zur sonst üblichen Hetze aus der hiesigen SPD-Ecke gegen AfD und "Nazis/Faschisten".
Joerg Esser
02.03.2020, 12:16 Uhr
An die Vorredner ohne Namen
@deepstate
Da Sie ja anscheinend zum Thema und zu meiner Frage nix beizutragen haben, gehe ich davon aus, dass Sie einfach mal was schreiben wollte. OK.

@A-H-S
OK, ihre Meinung kann ich verstehen. Ich sehe es anders. Die Lage hat sich durch den Tabubruch von CDU und FDP schon recht stark geändert, so dass ich finde, die Wähler sollten das neu bewerten und neu abstimmen.
Zu Ihrem Einwand, man müsse erst die Anfechtung des Paritätsgesetzes abwarten, es reicht also in Zukunft, eine Verfassungsbeschwerde gegen eines der Wahlgesetze einzureichen, um eine Wahl zu verhindern? OK, das wird die AfD freuen.

@tannhäuser
Ich finde Ihre letzten zwei Satz völlig überflüssig, denn sie widersprechen sich sogar.

Aber es ist gut, dass Herr Schard ein paar anonyme Kommentatoren hat, die für Ihn kommentieren können.
geloescht.20250302
02.03.2020, 13:44 Uhr
Herr Esser...
...ja, mit Widersprüchlichkeit kommt Ihre Partei nicht klar und was Überflüssigkeit bedeutet spürt sie gerade selbst.

Und "Kommentator für Herrn Schard" haben Sie wohl aus einer nie gehaltenen Büttenrede zitiert.
Luke Skywodka
02.03.2020, 14:37 Uhr
Ich wiederhole mich
immer ist hier die Rede von Tabubruch gerade aus der immer kleiner werdenden Ecke der SED Kofferträger, ja gemeint ist die bis zum fremdschämen opportunistische SPD. Sie haben auch vergessen das sie für die Entstehung des Wortes Tabubruch in der Politik verantwortlich sind, denn sie waren die ersten die einen solchen vollzogen hatten und einen SED Kandidaten an die Spitze eines Bundeslandes hoben. Das nenne ich scheinheilig. Aber der Wähler hat ein langes Gedächtnis und wird diesen Urtabubruch der SPD mit baldige Bedeutungslosigkeit dieser honorieren. Die SED wird sobald die SPD nutzlos ist diese schlucken getreu nach dem Motto geliebt ist der Verrat nicht der Varräter. Schönen Tag allen
Bussard
02.03.2020, 17:18 Uhr
Neuwahlen sind der beste Weg
Am 04.03.2020 entscheidet sich der weitere Weg für Thüringen im Hinblick auf eine Landesregierung.
Alle Parteien hoffen und bangen um das Ergebnisse. Alle Parteien wollen am liebsten Neuwahlen, aber ihre jetzigen Stühle im Landtag sollen weiterhin garantiert werden.
Stehen alle Parteien zu ihren gemachten Ansagen, dürfte eine Neuwahl kein Problem sein. Der Wähler entscheidet und muss nicht bis 20121 warten. Ob es dann zu Neuwahlen kommt, ist höchst fragwürdig, wenn die alten Amtsinhaber wieder ihre bequemen Sessel bezogen haben.
Über alle Parteigrenzen hinweg, entscheiden sie für Neuwahlen, lassen Sie den Souverän sprechen.
Bussard
02.03.2020, 17:27 Uhr
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