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So, 15:27 Uhr
20.09.2020
ThüringenForst wildert Hühner aus

Ist das Auerhuhn bald wieder heimisch?

Das größte Waldhuhn im Freistaat kommt inzwischen in drei Forstämtern vor. 16 Tiere wurden bereits in der letzten Wochen in Auswilderungsvolieren langsam an das Leben im Wald gewöhnt, nun sollen fünf weitere im Beisein von Forst-Staatssekretär Torsten Weil folgen...

ThüringenForst entlässt in dieser und der nächsten Woche im Bereich der Forstämter Neuhaus und Gehren insgesamt 19 Auerhühner in die Freiheit. Alle Tiere stammen aus der ThüringenForst-eigenen Aufzuchtstation bei Rudolstadt.

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Forst-Staatssekretär Torsten Weil erklärte anlässlich der Auswilderungsaktion: „Durch Lebensraumverluste, Schadstoffeinträge und überhöhte Wildbestände stand das Auerhuhn vor zehn Jahren in Thüringen kurz vor dem Aussterben. Mit der Auswilderung von Auerhühnern und gezielten forstlichen Maßnahmen zur Lebensraumgestaltung leisten wir unseren Beitrag zum Schutz dieser seltenen und nach wie vor stark bedrohten Art der Roten Liste. Ich bin sehr froh, dass die Anstrengungen der letzten Jahre Früchte tragen, und hoffe, dass die Auerwildpopulation im Freistaat nachhaltig wächst“.

Kann der Auerhahn in Thüringen wieder heimische werden? (Foto: Sebastian Hey) Kann der Auerhahn in Thüringen wieder heimische werden? (Foto: Sebastian Hey)

Schwedenhühner dienen der Bestandsauffrischung
Mehrfach wurden in den vergangenen Jahren im Bereich des Forstamtes Gehren zuvor in Schweden gefangene Auerhühner ausgewildert. „Nicht nur, dass Wildfänge die besseren Überlebenschancen gegenüber den Zuchttieren haben, gleichzeitig wird damit eine genetische Bestandsauffrischung verfolgt“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Aber nicht nur der Bestandesstützung gilt als wichtiger Pfeiler des gesamten Rettungsprojektes: Seit 2012 hat ThüringenForst in fünf Forstämtern des Ostthüringer Schiefergebirges rund 45.000 Hektar Fläche in der forstlichen Bewirtschaftung auf das Auerhuhn abgestimmt. Dort werden, neben den Auswilderungen, auch Fressfeinde verstärkt bejagt wie auch die Wilddichten gesenkt. Derzeit gehen Experten von einem geschätzten Bestand von inzwischen bis zu 30 Tieren aus. Damit konnte der Abwärtstrend der Population in Thüringen gestoppt werden, wenngleich die ursprünglich gewählte Zielgröße von 100 Tieren in 2022 vermutlich nicht mehr erreichbar sein wird.

Das Auerhuhn ist Naturschutz-Leitart lichter Wälder
Das Auerhuhn gilt als Naturschutz-Leitart lichter Wälder. Wo das Auerhuhn geeignete Lebensraumbedingungen vorfindet, sind auch bald weitere schützenswerte Arten wie der Ziegenmelker, die Kreuzotter oder Sperlings- bzw. Raufußkauz zu beobachten. Das macht das größte heimische Waldhuhn für Förster und Waldökologen noch interessanter. Denn die forstlichen Maßnahmen zur Lebensraumgestaltung, die insbesondere die Herstellung lichterer Waldstrukturen oder die Förderung alter starkastiger Kiefern und Lärchen umfassen, schaffen ein ausgesprochen vielfältig nutzbares Biotop mit vielen ökologischen Nischen.
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Kommentare

20.09.2020, 19.00 Uhr
Boris Weißtal | Auerhuhn: der wievielte Versuch der Auswilderung?
So gerne ich diese edlen Tiere auch gerne wieder im Harz hätte, dennoch mag ich an den Erfolg nicht glauben.
Der größte Teil des Harzes ist numal Nutzwald, geprägt durch Monokulturen. Die BORKENKÄFERWÜSTE beim Torfhausl lässt grüßen. Daneben ist der Wildbestand komplett aus dem Gleichgewicht geraten. Und jeder "überambitionierte" vermeintlicher Naturschützer (BUND lässt idiologisch grüßen) lässt den ausgebildeten Jägern ihren Job fast unmöglich erscheinen. Luchs und Wolf haben Narrenfreiheit. Eingewanderte Arten, oft Nesträuber ohne natürliche Feinde, werden schön geredet. Wir müssen uns davon verabschieden, dass im dichtbesiedeltem Deutschland der Wildbestand sich jemals selber wieder zu regulieren vermag. Außer wir lassen sehr großflächige Urwälder ohne wirtschaftliche Nutzungen zu. Aber dagegen stehen wirtschaftliche Interessen der Holzwirtschaft, touristische Interessen (z. B. durch große Bärenpopulationen) und mangelnde große und nicht besiedelte Waldgebiete. Deshalb sollte man solange unseren Jägern mehr vertrauen. Aber solange, wie in Thüringen, Menschen ohne jegliche Qualifikation Umweltminister werden können, sehe ich schwarz - gerade für die Auerhühner...

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