Fr, 12:29 Uhr
24.12.2021
Schwierigkeiten in der Baubranche
Wie sieht es mit der Zukunft aus?
Der Bauwirtschaft geht es nicht gut. Wegen der Probleme in der Materialbeschaffung und deutlichen Preiserhöhungen beim Einkauf bleiben die Aussichten in den nächsten Monaten gedämpft. Auch in der Nordthüringer Region...
Dachdeckermeister Lars Etzrodt (Foto: C. Wilhelm)
Man müsse in den nächsten Monaten weiter mit deutlich höheren Einkaufspreisen rechnen. "Die Bauunternehmen werden daher auch nicht umhin kommen, die Baupreise entsprechend weiter anzupassen. Per Juni haben die Preise für Bauleistungen gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent zugelegt. Das hat natürlich auch die nominale Umsatzentwicklung gestützt. Real liegen wir bei der Umsatzentwicklung bei einem Minus von 7 Prozent., so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, zu den vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten zur Konjunktur im Bauhauptgewerbe im August diesen Jahres. (Quelle: https://www.zdb.de/) Bis zum Jahresende ist keine wirkliche Besserung zu verzeichnen. Im Gegenteil.
Personalmangel stellt eine weitere Schwierigkeit im Baugewerbe dar. Volle Bücher müssen auch abgearbeitet werden können. Preiserhöhungen der Industrie werden im Einkauf gnadenlos auf den Handwerker umgelegt. In früheren Zeiten bekam man die Ware noch zum alten Preis, wenn man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die Bestellung auslöste. Gegenwärtig gilt der neue, gerade ausgerufene Preis der Industrie ab sofort. Und kann sich täglich ändern, so Erik Dorl von Melle Baustoffe Nordhausen.
Die eigene Kundschaft sei aber nicht in jedem Fall – oder sehr oft nicht - einsichtig und bereit, eine nachträgliche Preiserhöhung zum bestehenden Angebot in Kauf zu nehmen, weiß der Handwerksbetrieb aus der Praxis. Wir reden hier ja im Schnitt von bis zu 12 Prozent Erhöhung für Hauptprodukte in der Verarbeitung wie Ziegeln und Schweißbahn, erklärt Dachdeckermeister Lars Etzrodt aus Steigerthal. Eine Entspannung sei seiner Ansicht nach vorerst nicht in Sicht. Die Holzpreise stiegen im letzten Jahr sogar um 300 Prozent. Dazu kommen noch die laufenden Kosten und eine immer deutlicher sinkende Zahlungsmoral einiger Kunden, beklagt Etzrodt. Dieses Verhalten wirke sich störend auf die Liquidität aus. Viele größere Bauvorhaben würden aus Erlösen vorfinanziert. Sicher wäre das in anderen Betrieben ganz ähnlich.
Auch ein Blick in die Zukunft sei aus derzeitiger Sicht alles andere als von Optimismus geprägt. Die Bauzinsen steigen wieder an, Bodenpreise ebenso. Parallel dazu steigen Preise für Energie und Benzin. Ändert sich das Bauen in Zukunft vollständig? Wo geht die Reise hin? Barbara L., Architektin, stellt eine vorsichtige Prognose auf. Sie ist der Ansicht, dass sich die Bauweise der Zukunft in Richtung Fertighausbau verschieben könnte. Dann könnten es sich nur noch Auserwählte leisten zu bauen. Förderungen energetischer Sanierungen im politischen Programm geben kaum Grund zum Optimismus; leichten, ganz vorsichtigen Optimismus vielleicht.
Cornelia Wilhelm
Autor: psg
Dachdeckermeister Lars Etzrodt (Foto: C. Wilhelm)
Man müsse in den nächsten Monaten weiter mit deutlich höheren Einkaufspreisen rechnen. "Die Bauunternehmen werden daher auch nicht umhin kommen, die Baupreise entsprechend weiter anzupassen. Per Juni haben die Preise für Bauleistungen gegenüber dem Vorjahr um 4 Prozent zugelegt. Das hat natürlich auch die nominale Umsatzentwicklung gestützt. Real liegen wir bei der Umsatzentwicklung bei einem Minus von 7 Prozent., so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, zu den vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten zur Konjunktur im Bauhauptgewerbe im August diesen Jahres. (Quelle: https://www.zdb.de/) Bis zum Jahresende ist keine wirkliche Besserung zu verzeichnen. Im Gegenteil.
Personalmangel stellt eine weitere Schwierigkeit im Baugewerbe dar. Volle Bücher müssen auch abgearbeitet werden können. Preiserhöhungen der Industrie werden im Einkauf gnadenlos auf den Handwerker umgelegt. In früheren Zeiten bekam man die Ware noch zum alten Preis, wenn man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt die Bestellung auslöste. Gegenwärtig gilt der neue, gerade ausgerufene Preis der Industrie ab sofort. Und kann sich täglich ändern, so Erik Dorl von Melle Baustoffe Nordhausen.
Die eigene Kundschaft sei aber nicht in jedem Fall – oder sehr oft nicht - einsichtig und bereit, eine nachträgliche Preiserhöhung zum bestehenden Angebot in Kauf zu nehmen, weiß der Handwerksbetrieb aus der Praxis. Wir reden hier ja im Schnitt von bis zu 12 Prozent Erhöhung für Hauptprodukte in der Verarbeitung wie Ziegeln und Schweißbahn, erklärt Dachdeckermeister Lars Etzrodt aus Steigerthal. Eine Entspannung sei seiner Ansicht nach vorerst nicht in Sicht. Die Holzpreise stiegen im letzten Jahr sogar um 300 Prozent. Dazu kommen noch die laufenden Kosten und eine immer deutlicher sinkende Zahlungsmoral einiger Kunden, beklagt Etzrodt. Dieses Verhalten wirke sich störend auf die Liquidität aus. Viele größere Bauvorhaben würden aus Erlösen vorfinanziert. Sicher wäre das in anderen Betrieben ganz ähnlich.
Auch ein Blick in die Zukunft sei aus derzeitiger Sicht alles andere als von Optimismus geprägt. Die Bauzinsen steigen wieder an, Bodenpreise ebenso. Parallel dazu steigen Preise für Energie und Benzin. Ändert sich das Bauen in Zukunft vollständig? Wo geht die Reise hin? Barbara L., Architektin, stellt eine vorsichtige Prognose auf. Sie ist der Ansicht, dass sich die Bauweise der Zukunft in Richtung Fertighausbau verschieben könnte. Dann könnten es sich nur noch Auserwählte leisten zu bauen. Förderungen energetischer Sanierungen im politischen Programm geben kaum Grund zum Optimismus; leichten, ganz vorsichtigen Optimismus vielleicht.
Cornelia Wilhelm
