Fr, 09:00 Uhr
04.03.2022
Lichtblick zum Wochenende
Wege finden in einer anderen Welt
Wir sind in einer anderen Welt aufgewacht. Das ist einer der Sätze, die in diesen Tagen häufig zitiert werden. Wir sind in einer anderen Welt aufgewacht, am letzten Donnerstagmorgen, als der Angriff auf die Ukraine begann...
So hat es unsere Außenministerin Annalena Baerbock in Worte gefasst. Wir sind in einer Welt aufgewacht, die wir – je nach Alter – nur aus der Erinnerung kannten. Oder nur aus Erzählungen. Oder nur aus den Nachrichten von weit weg. Wir sind in einer Welt aufgewacht, in der Krieg herrscht, nah bei uns.
Mir macht sie Angst, diese andere Welt. Mich erschrecken die Berichte von den Kämpfen. Die Drohung mit immer schärferen Waffen. Die Bilder von U-Bahnstationen, wo Menschen Schutz vor den Angriffen suchen. Oder das, was ein Pfarrer aus der Ostukraine erzählt von den vielen durchreisenden Flüchtlingen, die in seiner kleinen Kirche übernachten. Die alles zurückgelassen haben und von denen manche nur noch weinen können.
Wir sind in einer anderen Welt aufgewacht. Und in so einer anderen Welt muss man sich erst mal orientieren und neue Wege finden. Wege an den Worst-Case-Szenarien vorbei, die drohend in den Ecken lauern. Wege zwischen den ganzen Fragen hindurch, die sich plötzlich stellen: Ist Aufrüstung jetzt der einzige Weg? Wie kann ich helfen? Wege zwischen dem Verdrängen der Schrecken und dem Ertrinken in der Nachrichtenflut.
Ich sehe noch keinen klaren Weg in dieser, unserer, anderen Welt. Drum bitte ich zum Himmel um einen Weg: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Eine Bitte aus der Bibel ist das (Lukas 1,79b). Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens, bitte ich und meine damit:
Richte die Füße der flüchtenden Menschen sicher an friedliche Orte.
Richte die Füße der Helfenden sicher zu den gefährdeten Menschen.
Richte die Füße der Kämpfenden mit Bedacht auf ihren Wegen und mit Achtung für das Leben.
Richte die Füße der Entscheidungsträger zu einer friedlichen Einigung.
Richte die Füße all derer, denen dieser Krieg Angst macht, zu einer Hoffnung, die tröstet.
Richte all unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Noch sehe ich keinen klaren Friedensweg in dieser, unserer, anderen Welt. Aber wenn ich jetzt die ersten gelben Blüten der Forsythien vor dem strahlend blauen Himmel sehe, dann sehe ich die Farben der Ukraine. Gelb und Blau. Dann sehe ich das blühende Leben im Frühling erwachen und kann nicht anders, als auf den Himmel zu hoffen, der unsere Schritte behüten möge. Und auf ganz viele Menschenschritte, die sich aufmachen in Richtung Frieden.
Pfarrerin Theresa Hauser, Greußen
Autor: redSo hat es unsere Außenministerin Annalena Baerbock in Worte gefasst. Wir sind in einer Welt aufgewacht, die wir – je nach Alter – nur aus der Erinnerung kannten. Oder nur aus Erzählungen. Oder nur aus den Nachrichten von weit weg. Wir sind in einer Welt aufgewacht, in der Krieg herrscht, nah bei uns.
Mir macht sie Angst, diese andere Welt. Mich erschrecken die Berichte von den Kämpfen. Die Drohung mit immer schärferen Waffen. Die Bilder von U-Bahnstationen, wo Menschen Schutz vor den Angriffen suchen. Oder das, was ein Pfarrer aus der Ostukraine erzählt von den vielen durchreisenden Flüchtlingen, die in seiner kleinen Kirche übernachten. Die alles zurückgelassen haben und von denen manche nur noch weinen können.
Wir sind in einer anderen Welt aufgewacht. Und in so einer anderen Welt muss man sich erst mal orientieren und neue Wege finden. Wege an den Worst-Case-Szenarien vorbei, die drohend in den Ecken lauern. Wege zwischen den ganzen Fragen hindurch, die sich plötzlich stellen: Ist Aufrüstung jetzt der einzige Weg? Wie kann ich helfen? Wege zwischen dem Verdrängen der Schrecken und dem Ertrinken in der Nachrichtenflut.
Ich sehe noch keinen klaren Weg in dieser, unserer, anderen Welt. Drum bitte ich zum Himmel um einen Weg: Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Eine Bitte aus der Bibel ist das (Lukas 1,79b). Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens, bitte ich und meine damit:
Richte die Füße der flüchtenden Menschen sicher an friedliche Orte.
Richte die Füße der Helfenden sicher zu den gefährdeten Menschen.
Richte die Füße der Kämpfenden mit Bedacht auf ihren Wegen und mit Achtung für das Leben.
Richte die Füße der Entscheidungsträger zu einer friedlichen Einigung.
Richte die Füße all derer, denen dieser Krieg Angst macht, zu einer Hoffnung, die tröstet.
Richte all unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Noch sehe ich keinen klaren Friedensweg in dieser, unserer, anderen Welt. Aber wenn ich jetzt die ersten gelben Blüten der Forsythien vor dem strahlend blauen Himmel sehe, dann sehe ich die Farben der Ukraine. Gelb und Blau. Dann sehe ich das blühende Leben im Frühling erwachen und kann nicht anders, als auf den Himmel zu hoffen, der unsere Schritte behüten möge. Und auf ganz viele Menschenschritte, die sich aufmachen in Richtung Frieden.
Pfarrerin Theresa Hauser, Greußen
