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So, 09:00 Uhr
14.12.2025
Neue Studienergebnisse

Zukunftsängste belasten Kinder und Jugendliche

Die Ergebnisse der achten Befragungsrunde der COPSY-Studie (Child Outcomes in PSYchology) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigen, dass aktuelle gesellschaftliche Diskussionen bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle spielen. Neu ist, dass sich die junge Generation neben ihren Ängsten...

Angst (Symbolbild) (Foto: Anemone123 auf Pixabay) Angst (Symbolbild) (Foto: Anemone123 auf Pixabay)
...vor Kriegen und Terrorismus auch Sorgen um die Spaltung der Gesellschaft und Zuwanderung macht. Auch ist die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen immer noch schlechter als vor der Pandemie: Ein Fünftel berichtet von eingeschränkter Lebensqualität und psychischen Belastungen, besonders häufig betroffen sind Mädchen und junge Frauen ab 14 Jahren. Die Studie zeigt aber auch, dass Kinder und Jugendliche über gute Bewältigungsstrategien verfügen, um die momentanen Krisen zu meistern.

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„Unsere COPSY-Studie zeigt immer noch eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu den präpandemischen Daten. Aber nicht jedes Kind mit psychischen Belastungen muss auch behandelt werden – viele junge Menschen entwickeln starke Bewältigungsstrategien und verfügen über persönliche Ressourcen. Diese Stärken müssen wir gezielt fördern, idealerweise schon in der Schule, um ihre mentale Gesundheit nachhaltig zu stärken“, fasst Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie und Leiterin der Forschungssektion Child Public Health der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE, die aktuellen Studienergebnisse zusammen. (Abbildung 5.)
Grafik (Foto: UEK) Grafik (Foto: UEK)
Lebensqualität und psychische Gesundheit nicht weiter verbessert
Die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen hatte sich zu Beginn der Pandemie in 2020 im Vergleich zu den präpandemischen Daten (der BELLA-Studie im Zeitraum von 2014 bis 2017) deutlich verschlechtert, dann in den Jahren 2022 und 2023 wieder verbessert und stagniert jetzt auf einem stabilen Niveau. 22 Prozent der jungen Menschen geben weiterhin eine geminderte Lebensqualität an.

Damit liegt die Prävalenz noch etwa sieben Prozentpunkte über den Werten vor der Corona-Pandemie. Neu ausgewertet wurde der Verlauf der Einsamkeit. Hier ist das Ergebnis ähnlich wie bei der Lebensqualität: Fühlten sich während der Pandemie rund 39 Prozent der Kinder und Jugendlichen einsam, sind es aktuell noch 18 Prozent. Auch hier ist noch nicht wieder das präpandemische Niveau von 14 Prozent erreicht. (Abbildung 1.)

Grafik (Foto: UEK) Grafik (Foto: UEK)
Ängste und depressive Symptome stärker ausgeprägt bei jungen Frauen
Die allgemeinen psychischen Belastungen sind ähnlich wie in den Vorjahren stabil geblieben. Allerdings ist es auffällig, dass Mädchen und Frauen ab 14 Jahren stärker von psychischen Belastungen betroffen sind als Jungen. Vor allem jugendliche Mädchen und junge Frauen berichten deutlich häufiger von depressiven Symptomen, hier stieg der Anteil im letzten Jahr von 11 auf 17 Prozent, sowie von Angstsymptomen, hier konnte ein signifikanter Anstieg von 20 auf 31 Prozent festgestellt werden.

Deutliche Zunahme der Besorgnis über globale Themen und gesellschaftliche Diskurse
Die COPSY-Studie zeigt auch, dass aktuelle gesellschaftliche Diskussionen und Krisen einen spürbaren Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben. Während die Folgen der Pandemie kaum noch eine Rolle spielen, setzen sie sich nun intensiv mit Themen wie Kriegen (70 Prozent), Terrorismus (62 Prozent), wirtschaftlicher Unsicherheit (57 Prozent) und der Klimakrise (49 Prozent) auseinander und erleben diese Entwicklungen als belastend.

Neu erhoben wurden jetzt Fragen nach gesellschaftlicher Uneinigkeit und migrationspolitischen Herausforderungen: 56 Prozent der Befragten sorgen sich um eine Spaltung der Gesellschaft und 51 Prozent aufgrund von Zuwanderung. (Abbildung 2.) „Diese globalen Sorgen und gesellschaftlichen Diskussionen führen bei vielen jungen Menschen zu mehr Ängsten und Belastungen. Kinder und Jugendliche, die unter krisenbezogenen Zukunftsängsten leiden, haben ein 3,4 mal höheres Risiko für psychische Auffälligkeiten, Ängste, depressive Symptome und Einsamkeit.

Grafik (Foto: UEK) Grafik (Foto: UEK)
Dazu trägt sicherlich auch bei, dass sie über soziale Medien häufig mit ungefilterten oder belastenden Inhalten konfrontiert werden, was diese Entwicklungen weiter verstärken. Kinder und Jugendliche brauchen eine gute Medienkompetenz, um Inhalte einzuordnen und ihre Nutzung regulieren zu können“, sagt Erstautorin Dr. Anne Kaman, Stellvertretende Leiterin der Forschungssektion Child Public Health der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.

Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) für Schule und zum Spiel
Ebenso haben die Forschenden festgestellt, dass KI bereits fest im Alltag von Kindern und Jugendlichen verankert ist. Am häufigsten wird KI zur Unterstützung beim Lernen im Bereich der Schule und bei den Hausaufgaben (77 Prozent) genutzt. Kinder und Jugendliche sehen KI aber nicht nur als Arbeitsmittel, sondern auch als Spiel- und Kreativwerkzeug: Spaß (66 Prozent), Neugier (56 Prozent) und Erstellen von Bildern/Videos (26 Prozent).

Grafik (Foto: UEK) Grafik (Foto: UEK)
Der soziale oder emotionale Einsatz spielt nur eine untergeordnete Rolle. „Wir haben mit Erleichterung festgestellt, dass nur ein sehr kleiner Teil von sieben Prozent der Kinder und Jugendlichen KI nutzt, um über persönliche Sorgen zu sprechen. Das deutet darauf hin, dass KI bisher nicht als emotionaler oder sozialer Ansprechpartner angesehen wird“, sagt Dr. Kaman. (Abbildung 3.)

Intaktes soziales Umfeld schützt vor psychischen Beeinträchtigungen
Kinder, die Selbstwirksamkeit erleben, in stabilen sozialen Verhältnissen leben und von unterstützenden familiären Strukturen profitieren, zeigen in der Regel eine robustere psychische Gesundheit und berichten seltener von Angst- oder Depressionssymptomen. Im Gegensatz dazu tragen Kinder aus bildungsfernen Haushalten, die unter engen Wohnbedingungen leben und deren Eltern psychisch belastet sind, ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Beeinträchtigungen. „Unsere Daten zeigen, dass diese Kinder häufiger Ängste, depressive Symptome und eine geringere Lebensqualität haben. Für diese Kinder und Familien braucht es niedrigschwellige Angebote in Schulen und im sozialen Umfeld, um diesen sozialen und gesundheitlichen Ungleichheiten zu begegnen“, sagt Prof. Ravens-Sieberer. (Abbildung 4.)

Grafik (Foto: UEK) Grafik (Foto: UEK)
Über die Studie
In der COPSY-Studie untersuchen die UKE-Forschenden die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie und globaler Krisen auf die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Es ist das einzige langfristige Gesundheitsmonitoring in Deutschland, das sich mit der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen befasst. Insgesamt haben 3.312 Familien mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 23 Jahren an mindestens einer Befragungswelle der COPSY-Studie von Mai 2020 bis Oktober 2025 teilgenommen, an der achten Befragungswelle nahmen 1.607 Familien teil.

Die 11- bis 23-Jährigen füllten ihre Online-Fragebögen selbst aus. Für die 7- bis 10-Jährigen antworteten die Eltern. Die Mehrheit der Eltern hatte einen mittleren Bildungsabschluss. Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen hatte einen Migrationshintergrund und ein Fünftel der Eltern war alleinerziehend.
Autor: psg

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Kommentare
DonaldT
14.12.2025, 13:30 Uhr
Zukunftsängste belasten Kinder und Jugendliche
Zitat aus dem Text:
"Intaktes soziales Umfeld schützt vor psychischen Beeinträchtigungen"

Dazu passt doch leider der offenen Brief der Eltern aus Cottbus.

Wie will die Politik wieder ein gesundes Klima schaffen?
Game Over
14.12.2025, 13:49 Uhr
Oh mein Gott :(
Lebensqualität muss erarbeitet werden, oder dachten die unser Wohlstand ist vom Himmel gefallen? Ich glaube die denken das wirklich.
Diese Generationen die jetzt nach kommen! Schütze uns Gott.
Nur noch gejammer hier und da man kann es nicht mehr hören.
Meine Generation hat auch nichts geschenkt bekommen.
Also an mir und meiner Generation und den davorigen ist doch die letzte Zeit nicht dran vorbei gegangen. Als ginge es uns besser!
Naja jammert ruhig weiter rum.
Es ist nur noch zum Kopfschütteln.
NDH-Kanne
14.12.2025, 14:58 Uhr
Kinder und Jugendliche, meine zukünftigen Rentenzahler ?
Gibs nur eins, die ganzen Sozialen Netzwerke abschalten SOFORT !!!
Kybieser
17.12.2025, 09:12 Uhr
@Game Over
"Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und
verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die
Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."
- Sokrates (470 - 399 v.Chr.)
HisMastersVoise
17.12.2025, 10:44 Uhr
Reizüberflutung!!
Bedauerlicher Weise sind die Ängste der jungen Generation der Preis, den sie für die allumfassende Informiertheit zahlen müssen oder eben nicht, wenn man in Australien lebt. Denn die unkontrollierte Flut an Informationen und auch Falschinformationen ohne die Möglichkeit der Überprüfbarkeit der Relevanz für das eigene Leben führt zu genau der Verwirrung und Unsicherheit, welche hier beschrieben wird. Und damit ist nun das Konsumvieh am Wendepunkt ihres Dasein angelangt. Wem soll man glauben? Aber oh Wunder gibt es ja nun die KI, die der neuen Generation und jeder geistigen Schwarzlichtleuchte erklären kann, wer man ist und warum. Wann haben eigentlich Mutter und Vater aufgehöhrt, zu erziehen. Wo sind Opa und Oma, die von früher und auch die Lehren daraus vermittelt haben. Heute muss ein Mensch an einem Tag mehr Informationen verarbeiten als ein Mensch des Mittelalters in seinem gesamten Leben. Und leider wächst die Datenflut schneller als die evolutionäre Anpassung des Menschen daran. Daher begrüße ich ausdrücklich den Schutz unserer Kinder vor den Datenschleudern der Gegenwart. Denn am Ende geht es nur um ihre Daten und ihr Taschengeld. Macht Euch den Spass und schaut Euch unsere Datenzombis mit dem Handy vor dem Gesicht einmal live um Euch herum an. Früher zählte man Autos als Zeitvertreib. Warum nicht Datenzombis zählen...Nur so zum ..sorry das ist kein Spass!! Das ist der Grund, warum auf einmal Menschen mit Autos in Weihnachtmärkte fahren und Kinder in Gymnasien Amok laufen !!!
murmeltier
17.12.2025, 11:47 Uhr
Schlimmer geht es nicht.
Das behauptet einer der Lautsprecher des linken Lagers tatsächlich, dass Menschen mit Autos in gezielt in Weihnachtsmärkte rasen, um möglichst viele andere zu töten. Und nein, es waren keine Deutschen, die gerade mal keine Frau zum Töten gefunden hatten. Dieser böse Post richtet sich an HMV und den Diskuswerfer. Wiehilflos muss man sein, um so zu argumentieren?
HisMastersVoise
17.12.2025, 20:23 Uhr
Mut zur Erkenntnis !
Bei dieser Diskussion geht es nicht nur um die Folgen, welche im Artikel beschrieben sind. Hier geht es auch um die Ursachen. Und letztendlich radikalisieren sich Menschen durch die Informationen oder Fehlinformationen im Netz. Unsere Jugend kann nicht mehr unterscheiden zwischen richtig und fake, uns Erwachsenen fällt das auch extrem schwer. Es muss doch aber der ganze mediale Wahnsinn betrachtet werden. Die einen fühlen sich unsicher. Wieder andere Menschen fühlen sich perspektivlos. Und in der Realität werden überall Azubis gesucht. Und in der Realität geht es den Menschen hier so gut wie selten zuvor. Das passt doch nicht zusammen. Daher ist es wichtig, die jungen Menschen nicht den Rattenfängern und Panikmachern in den sozialen Medien zu überlassen. Hier ist die Gesellschaft aufgerufen, die neue Generation nicht an falsche Propheten zu verlieren. Denn die Unsicherheit unserer Jugend resultiert aus der Informationsüberflutung.
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