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Mo, 15:15 Uhr
15.06.2026
Rezension zum Konzert von Black Patti

Blues, Spirituals & Ragtimes

Mit dem Münchener Duo Black Patti lud das Panorama Museum am vergangenen Freitagabend zu seinem letzten Konzert vor der Sommerpause ein. Zum Ensemble gehören Peter Crow-C – alias Peter Krause – Mundharmonika, Gitarren und Gesang und Ferdinand MR Jellyroll Kraemer – Mandolinen, Gitarre und Gesang und natürlich bei letzterem die dazu passende Haartolle...

Die beiden Musiker hatten von München nach Bad Frankenhausen einen entbehrungsreichen achtstündigen Roadtrip mit Staus und vielen LKWs zu absolvieren gehabt und gelangten erst eine Stunde vor Konzertbeginn an ihrem Auftrittsort. Es wurden die Instrumente reingetragen, aufgebaut und ein sehr knapper Soundcheck absolviert, der für Feinheiten des Schönklangs wenig Raum ließ. Dass man nach einer solchen Ochsentour nicht nur müde ist, sondern auch den Blues hat, ist durchaus naheliegend.

Bild:
„Black Patti" beim Auftritt am Panorama-Museum (Foto: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum)

Und rund um den Blues, Spirituals und Ragtimes, also dem Sound der amerikanischen Prohibitionszeit, rankte sich das Repertoire des Duos. Ihre erste Nummer war allerdings keine Ode auf die Straße sondern eine Art mitreißende Selbstbeschreibung, die dann wie das Duo „Black Patty“ hieß. Insgesamt hat der Blues der 20er und 30er Jahre weniger etwas mit einem wehleidigen 12-Taktschema-Gejammer zu tun, vielmehr mischen sich hier die verschiedensten Traditionen von der erzählenden Ballade der Songster-Tradition, über Worksongs, Gospelgesängen bis hin zur Ragtime-Musik. Aufgeführt wurde diese Melange in Tanzkneipen, Minstrel-Shows oder einfach als Straßenmusik, um damit ein paar Münzen zu erbetteln.

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Zu den Helden des Duos gehörten nicht zuletzt Musiker wie Leadbelly, Tommy Johnson, Skip James oder Sonny Boy Williamson 1. Und genau deren Stücke präsentierten sie neben Eigenkompositionen in dieser Stilistik. Dabei ging es ihnen darum, möglichst authentisch zu klingen ob nun verstärkt auf der Bühne oder unverstärkt durchs Publikum maschierend. Peter quälte dabei seine Hohner-Bluesharps, die sich allzu leicht bei der Expressivität seines Spiels verstimmten oder schrummelte auf seinem Dobro herum, Ferdinand lieferte dazu die mal mehr oder weniger virtuose Mandolinenbegleitung und dazu der nicht weniger expressiven Wechselgesang der beiden. Das rhythmische Mitstampfen der Stücke war aber nicht nur eine Belastung der Knie der beiden, die Vibrationen der Bühne ließen auch das Equipment nicht unberührt. So entfernte sich das eine Mikrofonstativ nach und nach immer weiter von seinem ursprünglichen Platz oder die Monitorboxen gaben kratzige Laute von sich.

Der Sound der 30er war eben ein roher und auch das gehörte zur Performance der beiden. Angesichts dieser geballten Energie, die von der Bühne kam, blieb auch das Publikum nicht unberührt. Natürlich spielten dabei auch die kleinen kuriosen Geschichten über die damalige Zeit, das Saufen von selbstgebranntem Schnaps und dessen katastrophale gesundheitliche Auswirkungen oder die Anzüglichkeiten und sehr direkten Anspielungen auf das, was so zwischen den Geschlechtern passiert, eine Rolle und illustrierten diese musikalische Zeitreise und nicht zu vergessen die zum Teil sehr kundigen musikethnologischen Ausführungen über die verschiedenen Bluesstile. Das Publikum jubelte, klatschte den Rhythmus mit und folgte auch der Einladung zum Mitsingen. Im Ganzen gelang Black Patti ein unterhaltsamer Abend und eine musikalische Zeitreise, die auch mich animierte, vergessene Schätze der eigenen Plattensammlung mal wieder auszugraben.
Fred Böhme
Autor: red

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