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Do, 09:00 Uhr
07.02.2008

Gedanken eines Bergmanns

Im Kyffhäuserkreis gibt es ja etliche ehemalige und auch noch aktive Bergleute aus der Kaliindustrie. Auch die machen sich so ihre Gedanken zur Ausschreibung der Lagerstätte Roßleben. Hier eine Meinung von Hans-Jürgen Schmidt, ehemaliger Steiger im Kaliwerk Glückauf Sondershausen


Schachtanlage Georg-Unstrut (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Schachtanlage Georg-Unstrut (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Unter den ehemaligen Bergleuten in Sondershausen und Roßleben gibt es immer wieder Diskussionen, ob und wann endlich wieder ein Kalibergwerk eröffnet wird. Um es gleich vorneweg zu nehmen, man sollte auf die Euphoriebremse treten. Nach dem jetzigen Erkenntnisstand (dieser bezieht sich auf die Informationen der GVV) gibt es auf das öffentliche Verkaufsangebot neben 4 Interessenbekundungen aus Deutschland drei weitere aus Kanada, Luxemburg und Frankreich.

Dabei sein dürfte auch Kali und Salze aus Kassel, die schon mehrfach Interesse öffentlich bekundet hatten. Das liegt vermutlich darin begründet, dass mit der Einstellung von Fachleuten aus der Kaliindustrie der DDR auch entsprechendes Fachwissen vorhanden ist.

Die GVV wird in einem strukturierten Verfahren die vorliegenden Unterlagen prüfen und geeignete Interessenten zur Abgabe eines detaillierten Angebotes auffordern. Das soll sich auch auf die personelle Absicherung des Bergwerkes beziehen. Leider ist es so, dass die Bergleute, die bis 1991 in der Kaliindustrie tätig waren, entweder die wohlverdiente Rente beziehen oder in andere Bereiche der jetzigen Kaliindustrie abgewandert sind. Das bedeutet es muss qualifiziert werden, denn ein computergesteuerter Bohrwagen war in den Südharzwerken um 1990 erst in der Erprobung, um ein Beispiel zu nennen. Einen Schwerpunkt werden die durchzuführenden Genehmigungsverfahren bilden.

Kaliwerk Roßleben um 1967/1968 (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt) Kaliwerk Roßleben um 1967/1968 (Foto: Archiv Hans-Jürgen Schmidt)

Das Bergamt wird wohl nur eine Doppelschachtanlage genehmigen, denn dies war schon zur Zeiten des Kalibooms um 1900 so. Die Schachtanlage Immenrode hatte eine Verbindung zu Ludwigshall, in Hain gab es 2 Schächte, 1911 wurde in Sondershausen der Schacht II mit Schacht I durchschlägig, in Roßleben gab es den Schacht „Roßleben“ und Schacht „Wendelstein“ und so weiter. Des weiteren ist sicherlich zu bedenken, dass kein Kaliwerk ohne Abwässer auskommt. Dies bezieht sich auch auf notwendige Aufhaldungen.

Das heißt, es sind komplexe Maßnahmen, die kausal betrachtet werden müssen und Zeit brauchen. Eingeschlossen ist vermutlich auch der Kampf um Fördermittel. Bei den polysulfatischen Hartsalzen, die im Bereich der Lagerstätte anliegen, muss das Aufbereitungsverfahren bestimmt werden. Nach meiner Ansicht kommt nur eine Elektro-Statische Aufbereitung oder eine Flotation in Frage, wobei beim ESTA- Verfahren die größten Erfahrung bei K+ S Kassel liegen. Man sieht, es muss vieles berücksichtigt werden, was Zeit, Kraft und Nerven kostet. Damit ist auch gesagt, dass dies nur ein kompetenter Bewerber den Zuschlag erhalten kann, der bereits Erfahrungen hat.

Es ist nur schade, dass man von 1991 an viel Schächte verfüllt bzw. geflutet hat. 1921 (Kaliwirtschaftsgesetz, § 83 e) hat man damals eine andere Lösung gefunden. Es wurde in 3 Kategorien eingeteilt:

- in Förderung stehende Schächte
- in Reserve gehaltenen
- und bis mindestens 1953 stillgelegte Schächte.

Hätte man es um 1991 so gehandhabt, wären heute viele Kosten bei einer Neuerschließung erspart geblieben.

Übrigens – was wäre mit einem Zentralschacht in Sondershausen, der bereits 1990 angedacht war und die ausgezeichnete Lagerstätte im Bereich Hachelbich als Basis hätte.

Hans-Jürgen Schmidt, Sondershausen
Fotos: Archiv Hans-Jürgen Schmidt
Autor: khh

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