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Do, 13:49 Uhr
07.02.2008

Der Ast, auf dem wir sitzen

Das bestimmte Regionen recht unterschiedlich gefördert werden ist nicht neu. Das daraus Probleme entstehen können, muss daher nicht verwundern. Ganz besonders, wenn die Interessen von Forstwirtschaft und Tourismus kollidieren. Unter diesen Gesichtpunkt muss man daher die Pressemitteilung des Kyffhäuser-Tourismusverbandes zum Thema Wandern in Thüringen und dem Kyffhäuserkreis sehen...

Thüringen will Deutschlands Wanderland Nr. 1 werden (TA vom 7.2.). Sicher ist es gut, wenn man sich derartig ehrgeizige Ziele setzt. Und dass der bekannteste Wanderweg des Freistaates, der Rennsteig, in diesem Zusammenhang zum Qualitätsweg gemacht werden soll (muss!), leuchtet einem Touristiker aus der Provinz auch noch ein. Mit Sicherheit wird man dafür auch einiges an Landesmitteln zur Verfügung stellen. Und es würde mich nicht wundern, wenn demnächst auch die vor einigen Jahren stillgelegte Bahnlinie von Ilmenau über Bahnhof Rennsteig nach Schleusingen mit ebenfalls kräftiger finanzieller Unterstützung des Landes Thüringen wieder ihren Fahrbetrieb aufnehmen wird. Von derartigen Segnungen sind wir hier im Kyffhäuserkreisweit entfernt.

An eine Wiederbelebung der stillgelegten Bahnlinien glaubt wohl keiner mehr ernsthaft. Dieser Zug ist im wahrsten Sinne des Wortes wohl endgültig abgefahren. Unter touristischer Sicht ohne Frage ein Wettbewerbsnachteil! In Sachen Wanderinfrastruktur sind wir im Kyffhäuserkreis gut aufgestellt, nicht zuletzt dank der kontinuierlichen Arbeit der Beschäftigungsgesellschaften und der ehrenamtlichen Kreiswegewarte. Den Kyffhäuserweg als Qualitätswanderweg haben wir allerdings vollständig aus eigener Kraft geschaffen. Die ursprüngliche Idee, den bereits etablierten Barbarossaweg als Qualitätsweg zu klassifizieren, ist auch an der mangelnden Unterstützung des Landes gescheitert. Immerhin hätten hier 4 Thüringer und ebenso viele hessische Landkreise unter einen Hut gebracht werden müssen.
Aber es gibt hier eigentlich keinen Grund zu lamentieren, haben wir doch mit dem Kyffhäuserweg einen hervorragenden Qualitätswanderweg quasi als Aushängeschild und von der Hohen Schrecke bis zum Helbetal darüber hinaus ein umfangreiches gut ausgebautes und markiertes Wanderwegenetz. Sorgen muss man sich aber machen, ob der wirtschaftliche Druck, der neuerdings auf unserem Wald zu liegen scheint, in der Konsequenz zu einer deutlichen Verschlechterung des Erholungswertes unserer Natur führt.

In der Clusterstudie "Forst und Holz in Thüringen" spricht man von einer Verdopplung des Holzaufkommens im Vergleich zu Anfang der 90er Jahre, womit Thüringen zum drittgrößten Holzproduzenten nach Bayern und Baden-Württemberg geworden ist, obwohl sein Waldanteil wesentlich geringer als beispielsweise der von Brandenburg ist! Natürlich sichert auch die Forstwirtschaft Arbeitsplätze, gerade in strukturschwachen ländlichen Regionen. Und klar ist, dass unsere Kulturlandschaft und auch ein Naturpark von der Nutzung durch den Menschen lebt. Aber die Art und Weise und die Nachhaltigkeit sind der entscheidende Punkt. Es hat den Anschein, als ob wir uns den Ast, auf dem wir sitzen, selbst absägen. Der Erholungswert unseres Waldes - für Touristen, aber auch für uns, unsere Kinder und Enkel sollte nicht kurzsichtigen Wirtschaftszahlen geopfert werden. Und da schlage ich den Bogen zurück zum Rennsteig. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Art des Holzeinschlags, wie sie gegenwärtig die Gemüter im Kyffhäuserwald erhitzt, im Naturpark "Thüringer Wald" bzw. am Rennsteig stattfindet. Dort hat der Tourismus ganz offensichtlich eine andere Lobby. Wir sollten uns aber nicht daran gewöhnen, in allen Bereichen zweitklassig zu sein.
Kyffhäuser-Tourismusverband
Autor: khh

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