Sa, 05:01 Uhr
05.04.2008
Schachtgeschichten (3): Anlage Göllingen
Wie sich manchmal die Bilder und Worte gleichen, bei Betriebseröffnungen heute und vor vielen Jahre. Eine kernige Rede zur Einweihung der Schachtanlage in Göllingen aus früheren Zeiten, soll uns das verdeutlichen...
Das bei der Eröffnungsfeierlichkeiten so manch kernige Sätze gesprochen wurden, kann man im Stadtarchiv von Bad Frankenhausen nachlesen. Der damalige Staatsminister von Schwarzburg-Sondershausen, Freiherr von der Recke, machte anlässlich der Fertigstellung des Schachtes Günthershall am 30.8.1906 unter anderen folgende Ausführungen:
... und Ihnen, meinen lieben Bergleuten, rufe ich zu, stehen Sie treu zur Gewerkschaft, die Ihnen den reichlichen Verdienst bietet. Erkennen Sie es gebührend an, was Sie von der Gewerkschaft haben und vergessen Sie nicht, dass Sie den guten Arbeitsverdienst gefunden haben, weil die Gewerkschaft 600 m unter der Erde Kalisalze ausfindig machte, weil die Gewerkschaft die Anlagen und Maschinen beschafft hat, mit deren Hilfe Sie den Schacht bauen konnten und nun das Kali fördern. Und lassen Sie sich nicht ankränkeln vom Geist der Zeit, hören Sie nicht auf die weichlichen Lehren, die den selbständigen Arbeiter herabdrücken zum Parteisklaven.
Wahren Sie Ihre Freiheit und lassen Sie sich von niemandem in der freien Ausnutzung Ihrer Arbeitskraft zu Ihrem und Ihrer Kinder Wohl beschränken. Es hat immer Herren und Knechte gegeben, solange die Welt steht, und wo in der Weltgeschichte etwas Großes geleistet ist, da hat ein starker Wille geherrscht und die Menge hat dem herrschenden Walten Gehorsam geleistet, und so sind die Kräfte des Starken, sein Wissen und seine überlegene Weisheit zum Heil der Gesamtheit und zum Segen des Schwächeren ausgenutzt. Die Weltordnung ist nun einmal so eingerichtet, dass nur Wenige herrschen und Viele dienen müssen. Und wo je die Volksmenge die Hand nach der Herrschaft ausgestreckt hat, da hat großes Elend gegeben, und gerade das geringe Volk ist vom Elend am meisten und schwersten betroffen. Die Wenigen aber, die zur Herrschaft berufen sind, denen liegt die heilige Pflicht auf, für die Dienenden zu sorgen......
Dieses Sorgerecht wurde allerdings im Jahre 1925 beendet, in dem ca. 500 Bergleute in die Arbeitslosigkeit geschickt und die Schachtanlage demontiert wurde.
Hans-Jürgen Schmidt
Bilder: Archiv Hans-Jürgen Schmidt
Hinweis zum Begriff Gewerkschaft
Zur bergbaulichen Bewirtschaftung wurden zumeist sogenannte Gewerkschaften gegründet. Im Hellpolierten Bergbauspiegel die Gewerkschaft wie folgt definiert:
Gewerkschaft / sind Personen/welche eine Zechen bauen / und ihre gewissenTheiledaran haben /uff die dieselben Zubuß geben / und nach Gelegenheit Ausbeute heben. Dies hat also nichts mit Gewerkschaften in heutigem Sinne zu tun. Die Gewerkschaft stellte im damaligen Bergrecht eine Unternehmensform dar. Sie bestimmte über kein nominelles Grundkapital, wie eine Aktiengesellschaft. Das Kapital ist viel mehr in quotenmäßige Anteile, sogenannten Kuxen eingeteilt, die auf einen Bruchteil des Gesamtkapitals lauten.
Bilder untere Reihe:
- Das Kaliwerk während der Demontage 1925.
- Das Kaliwerk während der Produktion 1907.
Autor: khhDas bei der Eröffnungsfeierlichkeiten so manch kernige Sätze gesprochen wurden, kann man im Stadtarchiv von Bad Frankenhausen nachlesen. Der damalige Staatsminister von Schwarzburg-Sondershausen, Freiherr von der Recke, machte anlässlich der Fertigstellung des Schachtes Günthershall am 30.8.1906 unter anderen folgende Ausführungen:
... und Ihnen, meinen lieben Bergleuten, rufe ich zu, stehen Sie treu zur Gewerkschaft, die Ihnen den reichlichen Verdienst bietet. Erkennen Sie es gebührend an, was Sie von der Gewerkschaft haben und vergessen Sie nicht, dass Sie den guten Arbeitsverdienst gefunden haben, weil die Gewerkschaft 600 m unter der Erde Kalisalze ausfindig machte, weil die Gewerkschaft die Anlagen und Maschinen beschafft hat, mit deren Hilfe Sie den Schacht bauen konnten und nun das Kali fördern. Und lassen Sie sich nicht ankränkeln vom Geist der Zeit, hören Sie nicht auf die weichlichen Lehren, die den selbständigen Arbeiter herabdrücken zum Parteisklaven.
Wahren Sie Ihre Freiheit und lassen Sie sich von niemandem in der freien Ausnutzung Ihrer Arbeitskraft zu Ihrem und Ihrer Kinder Wohl beschränken. Es hat immer Herren und Knechte gegeben, solange die Welt steht, und wo in der Weltgeschichte etwas Großes geleistet ist, da hat ein starker Wille geherrscht und die Menge hat dem herrschenden Walten Gehorsam geleistet, und so sind die Kräfte des Starken, sein Wissen und seine überlegene Weisheit zum Heil der Gesamtheit und zum Segen des Schwächeren ausgenutzt. Die Weltordnung ist nun einmal so eingerichtet, dass nur Wenige herrschen und Viele dienen müssen. Und wo je die Volksmenge die Hand nach der Herrschaft ausgestreckt hat, da hat großes Elend gegeben, und gerade das geringe Volk ist vom Elend am meisten und schwersten betroffen. Die Wenigen aber, die zur Herrschaft berufen sind, denen liegt die heilige Pflicht auf, für die Dienenden zu sorgen......
Dieses Sorgerecht wurde allerdings im Jahre 1925 beendet, in dem ca. 500 Bergleute in die Arbeitslosigkeit geschickt und die Schachtanlage demontiert wurde.
Hans-Jürgen Schmidt
Bilder: Archiv Hans-Jürgen Schmidt
Hinweis zum Begriff Gewerkschaft
Zur bergbaulichen Bewirtschaftung wurden zumeist sogenannte Gewerkschaften gegründet. Im Hellpolierten Bergbauspiegel die Gewerkschaft wie folgt definiert:
Gewerkschaft / sind Personen/welche eine Zechen bauen / und ihre gewissenTheiledaran haben /uff die dieselben Zubuß geben / und nach Gelegenheit Ausbeute heben. Dies hat also nichts mit Gewerkschaften in heutigem Sinne zu tun. Die Gewerkschaft stellte im damaligen Bergrecht eine Unternehmensform dar. Sie bestimmte über kein nominelles Grundkapital, wie eine Aktiengesellschaft. Das Kapital ist viel mehr in quotenmäßige Anteile, sogenannten Kuxen eingeteilt, die auf einen Bruchteil des Gesamtkapitals lauten.
Bilder untere Reihe:
- Das Kaliwerk während der Demontage 1925.
- Das Kaliwerk während der Produktion 1907.

