Do, 07:10 Uhr
01.05.2008
Schachtgeschichte (6): Zweckentfremdung Kaliwerke
Über die frühere Zweckentfremdung einiger Kaliwerke unserer Region berichtet Hans-Jürgen Schmidt...
Kristalle (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Eigentlich war der unter Tage Bereich des Schachtes 3 (Müserschacht) und des Schachtes 4 ( Raudeschacht) in den 60-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Eldorado für Mineraliensammler. Sylvinkristalle (gelblich) und sogar Carnallititkristalle mit ihre rhombischen Form waren anzutreffen. Letztere mussten sofort unter Tag in ein Schauglas gepackt werden, sonst wären sie entsprechend starker hygroskopischer Eigenschaften im über Tage Bereich zerlaufen. Jedoch nicht nur Mineralien wurden gefunden. Zeitungen aus der Nazizeit waren hinter so manchem Ausbau zu finden. Die stammten nicht von den Bergleuten, denn die Schachtanlagen hatten bereits 1924 die Förderung eingestellt und Fördereinrichtungen wurden demontiert.
Im Jahre 1937 übernahm das Oberkommando des Heeres die Regie, um den Grubenbereich in eine Munitionsverarbeitung umzufunktionieren. Der Schacht 4 der Winterhall AG und der Schacht 3 der Burbach-Kaliwerke wurde zu militärischen Zwecken zur Verfügung gestellt. In den Jahren 1938 und 1939 gingen die Arbeiten sehr schleppend voran. Erst im Herbst 1940 waren die Fertigungsräume unter Tag fertiggestellt.
Über Tage hatte die Heeresmunitionsanstalt auf den Raudeschacht für unscharfe Munitionsteile Lagerhallen errichtet .Ein Lager aus 6 Baracken diente in der Hauptsache der Unterbringung von Zwangsarbeitern aus den sowjetischen Gebieten. Es wurde also in Verbindung mit der noch heute sogenannten MUNI südlich von dem heutigen Gewerbegebiet Berka, gelegen am Fuße der Hainleite, Munition hergestellt. Im März 1945 wurden unter Tage zirka 1500 t Kampfstoffmunition eingelagert, so dass in einem Militärbericht der Engländer die Heeresmunitionsanstalt Sondershausen (Berka/Wipper) als Depot für Kampfstoffmunition (chemical warfare depot) ausgewiesen wurde. Kurz vor den Einmarsch der Amerikaner soll es eine Verlagerung der Kampfstoffmunition mit ungekannten Ziel gegeben haben.
In den 70-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde die Kaliproduktion wieder aufgenommen. Die Steiger waren Günther Pforr und Heinz Henze in diesem Revier.
Quelle: Sondershäuser Hefte (Heft 2 – Frank Baranowski Die Umwandlung von Kaliwerken im Südharzrevier zu unterirdischen Heeresmunitionsanstalten) und der Zeitzeuge Günther Pforr
Text und Bild: Hans-Jürgen Schmidt
Autor: khh
Kristalle (Foto: Hans-Jürgen Schmidt)
Eigentlich war der unter Tage Bereich des Schachtes 3 (Müserschacht) und des Schachtes 4 ( Raudeschacht) in den 60-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Eldorado für Mineraliensammler. Sylvinkristalle (gelblich) und sogar Carnallititkristalle mit ihre rhombischen Form waren anzutreffen. Letztere mussten sofort unter Tag in ein Schauglas gepackt werden, sonst wären sie entsprechend starker hygroskopischer Eigenschaften im über Tage Bereich zerlaufen. Jedoch nicht nur Mineralien wurden gefunden. Zeitungen aus der Nazizeit waren hinter so manchem Ausbau zu finden. Die stammten nicht von den Bergleuten, denn die Schachtanlagen hatten bereits 1924 die Förderung eingestellt und Fördereinrichtungen wurden demontiert. Im Jahre 1937 übernahm das Oberkommando des Heeres die Regie, um den Grubenbereich in eine Munitionsverarbeitung umzufunktionieren. Der Schacht 4 der Winterhall AG und der Schacht 3 der Burbach-Kaliwerke wurde zu militärischen Zwecken zur Verfügung gestellt. In den Jahren 1938 und 1939 gingen die Arbeiten sehr schleppend voran. Erst im Herbst 1940 waren die Fertigungsräume unter Tag fertiggestellt.
Über Tage hatte die Heeresmunitionsanstalt auf den Raudeschacht für unscharfe Munitionsteile Lagerhallen errichtet .Ein Lager aus 6 Baracken diente in der Hauptsache der Unterbringung von Zwangsarbeitern aus den sowjetischen Gebieten. Es wurde also in Verbindung mit der noch heute sogenannten MUNI südlich von dem heutigen Gewerbegebiet Berka, gelegen am Fuße der Hainleite, Munition hergestellt. Im März 1945 wurden unter Tage zirka 1500 t Kampfstoffmunition eingelagert, so dass in einem Militärbericht der Engländer die Heeresmunitionsanstalt Sondershausen (Berka/Wipper) als Depot für Kampfstoffmunition (chemical warfare depot) ausgewiesen wurde. Kurz vor den Einmarsch der Amerikaner soll es eine Verlagerung der Kampfstoffmunition mit ungekannten Ziel gegeben haben.
In den 70-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde die Kaliproduktion wieder aufgenommen. Die Steiger waren Günther Pforr und Heinz Henze in diesem Revier.
Quelle: Sondershäuser Hefte (Heft 2 – Frank Baranowski Die Umwandlung von Kaliwerken im Südharzrevier zu unterirdischen Heeresmunitionsanstalten) und der Zeitzeuge Günther Pforr
Text und Bild: Hans-Jürgen Schmidt