eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Do, 10:04 Uhr
01.05.2008

„Alle wollen Sie nur Geld!“

Dieser Stoßseufzer entfuhr gestern Thüringens Minister für Landwirtschaft, Natur und Umwelt, Dr. Volker Sklenar (CDU), als er in Mönchspfiffel auf einem Erntewagen mitfuhr, und das Wort Förderung fiel. Aber er meinte nicht speziell das besuchte Unternehmen. Was sonst noch passierte, erfahren Sie hier...

Schon beim Eintreffen im Klostergut Mönchspfiffel zeigte sich der Minister zufrieden, was hier auf seinen Vorschlag hin seit 1995 entstanden ist. Und auch die Geschäftsführerin Britta Ronnenberg berichtete zufrieden, dass nun auch im „Ochsenstall“ durch die verbesserte Heizung keiner mehr frieren muss. Der „Ochsenstall“ wird als Gaststätte betrieben und führt zurzeit Spargelwochen durch.

Minister Sklenar im Klostergut (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Minister Sklenar im Klostergut (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Britta Ronnenberg führte noch vor der offiziellen Besichtigung intensive Gespräche mit Minister Sklenar

Wie auch schon eine Station früher beim Besuch in Donndorf, drehten sich fast alle Gespräche um die Frage Geld und wegfallende Fördermittel. Auch hier musste Sklenar einräumen, dass immerhin 150 Mio. Euro weniger Fördermittel zur Verfügung stehen. Gerade diesen Wegfall hatte Britta Ronnenberg schon Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) in Heldrungen zur Frage veranlasst: „Wollen Sie überhaupt noch Obstbau in Thüringen?“
Und Sklenar konnte auch nicht Entlastung zusagen, sondern im Gegenteil, man müsse nach 2013 mit noch weiter sinkenden Fördergeldern rechnen.

Britta Ronnenberg charakterisierte die Lage im Obstbau als Dramatisch. „Ich weiß nicht mehr weiter, weiß nicht, wo ich noch einsparen soll, angesichts stark steigender Preise von Energie (besonders Diesel), Düngemittel und auch Pflanzenschutzmittel (fast um ein Drittel gestiegen). Unterstützt vom Landwirtschaftsamt Bad Frankenhausen (Manfred Pilch) wurde der Minister aufgefordert, sich für eine Gleichsetzung der Betriebsprämien einzusetzen. Es könne nicht sein, dass ein Hektar im Obstbau weniger bewertet werde, als im Ackerbau. Dem Minister wurde klar vorgehalten, dass besonders andere EU-Länder eine wesentlich höhere Förderung bekommen.

Die höhere Förderung bringt dann die wesentlich niedrigeren Preise für importiertes Obst mit sich. So kommt es bei den geringeren Erlösen in Thüringen, dass kaum noch das Geld für die Löhne der Mitarbeiter zusammen komme. Wenn dann noch die geforderten Mindestlöhne kommen, so Ronnenberg, dann können wir zu machen!
Allerdings muss man eine Äußerung von Minister Sklenar auch mal näher analysieren. „Die Lebensmittelpreise sind zu billig, das sage ich schon seit 10 Jahren.“ Arbeitslose, Rentner und gar Hartz IV-Empfänger werden das wohl etwas anders sehen. Die letzte Regionalkonferenz zu Kinderarmut (jüngst in Sondershausen) zeigte recht deutlich, dass viele Kinder schon jetzt nicht mehr nach den Regeln der gesunden Ernährung versorgt werden können, weil einfach das Geld nicht da ist. Und selbst vielen Billiglohnempfängern geht es ähnlich, die keine Wahl mehr haben, Öko-Produkte oder nicht. Nicht umsonst räumte Sklenar ein, dass es in der Landwirtschaft noch viel Diskussionsbedarf geben, auch im Hinblick auf die Verwendung von Landwirtschaftsprodukten für die Gewinnung von Energie.

Minister Sklenar im Klostergut (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Minister Sklenar im Klostergut (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Minister Sklenar und Landrat Peter Hengstermann (CDU) auf dem Erntewagen unterwegs zum „Feldherrnhügel“ in die Obstplantage (Im Bild ganz links) und der Geschäftsführer des Kreisbauernverband Gerhard Kleinstäuber (ganz rechts).

Aber auch die Medien erhielten dieses Mal Schelte. Es werden bei der Berichterstattung zur Verwendung von Pflanzenschutzmitteln diese oft unberechtigt verteufelt. Nicht jedes Sprühfahrzeug sei ein zerstörerischer Giftcocktail. Ohne Pflanzenschutzmittel und Insektenvernichtungsmittel sei eine sichere Ernährung der Weltbevölkerung nicht mehr gegeben. Bei reinem Ökoanbau und einer Versorgung der dritten Welt wie bei uns, sei nur noch ein Versorgungsgrad von einem Drttel der Bevölkerung gegeben. In diesem Zusammenhang warf Sklenar der früheren Rot-Grünen-Regierung schweres Versagen vor. Die sieben Jahre unter Verbraucherschutzministerin Künast, hätte im Bereich des Pflanzenschutzes alles kaputt gemacht.

Aber auch das Gespenst des demografischen Wandels, war bei den Diskussionen nicht zu verscheuchen. Auch hier ging es wieder um den fehlenden Nachwuchs. Von gerade mal fünf Auszubildenden in ganz Thüringen kommen wenigsten zwei aus dem Klostergut. Dabei ist das Klostergut eine gute Adresse in der Branche. Ist man doch als Lieferant von Frischobst für den bekannten Hersteller „Beckers bester“ gut aufgestellt. Und mit 240 ha Obstbaumfläche (besonders Äpfel und schwarze Johannisbeeren), von denen alle Flächen PC-gesteuert, bewässert werden, ist man auch von der Größenordnung her gut aufgestellt. Auch wenn in der gestrigen Diskussion viele Fragen offen blieben, so signalisierte Minister Sklenar Gesprächsbereitschaft für weitere Gespräche. Dazu wolle man sich in Erfurt treffen.



Minister Sklenar im Klostergut (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Minister Sklenar im Klostergut (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Minister Sklenar im Klostergut (Foto: Karl-Heinz Herrmann)
Autor: khh

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)