Fr, 14:26 Uhr
07.11.2008
Geoff Goodman im Interview
Morgen Abend (8. November um 21 Uhr im Keller des Achteckhauses Sondershausen) gastiert Geoff Goodman’s Tabla and Strings im Achteckhaus Sondershausen. Der Jazz-Club Sondershausen e.V. (JCS) sprach mit dem Leiter des Quintetts. Hier der Wortlaut des Interviews...
JCS: Geoff, du bist 1979 aus New York nach Deutschland gekommen und lebst heute in München. Man sollte denken, in New York gibt es die Jazzszene überhaupt. Was hält Dich als Musiker in München?
Goodman: Ja, ich bin damals ausgewandert. Inzwischen habe ich hier Familie, habe ein Netz und eine Szene gefunden, in der ich mich wohl fühle. Aus der New Yorker Szene bin ich schon lange draußen. Wenn ich jetzt dort bin, dann bin ich Tourist, auch wenn ich noch einige Leute dort kenne. Immerhin fast 30 Jahre lebe ich jetzt den european way of life, unterrichte hier und pflege Kontakte zu anderen Amerikanern in Europa, in Berlin und Italien beispielsweise. Ich fühle mich wohl hier in Europa. Ich sehe auch, wie wahnsinnig schwierig es in New York ist, mit Musik Geld zu verdienen.
JCS: Die 60er und 70er Jahre waren in der westlichen Welt eine Zeit, wo exotische Musik, etwa aus Indien, ins Blickfeld der Jazz- und Popmusik geriet. Was für eine Zeit war das für Dich?
Goodman: Ich bin in einer Familie mit Musik aufgewachsen. Mein Bruder spielte klassisches Klavier, aber auch etwas jazz piano, und es kann sein, dass er mir auch als Erster indische Musik nahe gebracht hat. Diese Zeit war für mich sehr wichtig. Damals habe ich das kennen gelernt, was meine Musik heute noch ausmacht. Es gab auch die ersten Crossover-Projekte wie die Schallplatte Yehudi Menuhins mit Ravi Shankar, mit Violine und Sitar. Shankar war dann auch in Woodstock und erreichte dort ein ganz neues Publikum. Mich hat schon damals der Klang von Tabla und Sitar fasziniert. Ich habe dann auch Musikethnologie studiert, habe mich aber nie einer Szene eindeutig zugerechnet, weder dem Folk, noch dem Jazz noch der Welt-Musik. Ich bin kein Purist. Seit ich mit Fjoralba Turku, der Sängerin, zusammenarbeite, komme ich auch immer weiter weg vom Ethno-Sound. Ich sitze zwischen allen Stühlen, aber das macht mich eben aus.
JCS: Wie würdest Du das Verhältnis von Jazz und Folk bei Tabla and Strings beschreiben?
Goodman: Tabla ist eigentlich ein klassisches Instrument der Musik Nordindien, wie hier bei uns eine Geige. Zugleich ist sie ein Instrument der Volksmusik Afghanistans und Pakistans. Das Mandocello kommt aus der Folklore Italiens oder wird auch in deutschen Mandolinenorchestern als Bass eingesetzt. Und das Banjo (kichert), na das klingt eben amerikanisch. Ich spiele es mit einer Technik wie sie in den Appalachen im Osten üblich ist. Man könnte sagen, dass die Technik aus dem Folk stammt, aber die Tonleitern und der musikalische Zusammenhang ist eben Jazz.
JCS: Gibt es bei eurem Konzertprogramm am 8. November eine Gesamtdramaturgie und wenn ja, welche Idee liegt ihr zugrunde?
Goodman: Wir sind in der Quintettbesetzung ein junge Formation. Vor genau einem Jahr haben wir unsere erste CD aufgenommen, und das war auch das Debüt für unsere Sängerin Fjoralba Turku. Früher haben wir ohne Gesang und Saxophon gespielt, und in diesem Jahr ist unsere Musik Schritt für Schritt gewachsen und wir entwickeln kontinuierlich einen neuen Sound. In unseren Programmen gibt es immer ein großes Tabla-Solo, das meistens sehr gut ankommt beim Publikum, und ein Duo Gesang und Gitarre. Wir versuchen einfach einen guten Spannungsbogen zu bauen.
JCS: Wie seid ihr zu der neuen Besetzung gekommen?
Goodman: Die Sängerin Fjoralba Turku war eine Schülerin von mir, deshalb lag es nahe, mit ihr zusammen zu arbeiten. Dann hatte ich noch ein anderes Projekt Misery loves company, von dem ich wegwollte. Da hatte mein Produzent die Idee, mit dem Saxophonisten Charlie Mariano eine CD zu machen, und es hat tatsächlich geklappt. Nachdem wir die CD gemacht hatten, war klar, dass unser Sound ohne den Gesang und das Saxophon unvollständig gewesen wäre. Aber zu diesem Prozess sollte man eigentlich auch Fjoralba fragen.
JCS: Der Übergang zwischen komponierten und improvisierten Teilen ist in eurer Musik oft unmerklich. Wie würdest Du dieses Verhältnis beschreiben?
Goodman: Meine Kompositionen sind Bilder mit einer Struktur, die in der Improvisation weitergebaut werden kann. Manche meiner Themen sind einfach, manche sehr lang und kompliziert. Ich schreibe auch Stücke, in denen über das Thema und nicht über Harmonien improvisiert wird. Das Gesamtbild ist uns aber immer wichtiger als drei fantastische Soli. Die Soli müssen in einen Gruppenklang passen.
Autor: khhJCS: Geoff, du bist 1979 aus New York nach Deutschland gekommen und lebst heute in München. Man sollte denken, in New York gibt es die Jazzszene überhaupt. Was hält Dich als Musiker in München?
Goodman: Ja, ich bin damals ausgewandert. Inzwischen habe ich hier Familie, habe ein Netz und eine Szene gefunden, in der ich mich wohl fühle. Aus der New Yorker Szene bin ich schon lange draußen. Wenn ich jetzt dort bin, dann bin ich Tourist, auch wenn ich noch einige Leute dort kenne. Immerhin fast 30 Jahre lebe ich jetzt den european way of life, unterrichte hier und pflege Kontakte zu anderen Amerikanern in Europa, in Berlin und Italien beispielsweise. Ich fühle mich wohl hier in Europa. Ich sehe auch, wie wahnsinnig schwierig es in New York ist, mit Musik Geld zu verdienen.
JCS: Die 60er und 70er Jahre waren in der westlichen Welt eine Zeit, wo exotische Musik, etwa aus Indien, ins Blickfeld der Jazz- und Popmusik geriet. Was für eine Zeit war das für Dich?
Goodman: Ich bin in einer Familie mit Musik aufgewachsen. Mein Bruder spielte klassisches Klavier, aber auch etwas jazz piano, und es kann sein, dass er mir auch als Erster indische Musik nahe gebracht hat. Diese Zeit war für mich sehr wichtig. Damals habe ich das kennen gelernt, was meine Musik heute noch ausmacht. Es gab auch die ersten Crossover-Projekte wie die Schallplatte Yehudi Menuhins mit Ravi Shankar, mit Violine und Sitar. Shankar war dann auch in Woodstock und erreichte dort ein ganz neues Publikum. Mich hat schon damals der Klang von Tabla und Sitar fasziniert. Ich habe dann auch Musikethnologie studiert, habe mich aber nie einer Szene eindeutig zugerechnet, weder dem Folk, noch dem Jazz noch der Welt-Musik. Ich bin kein Purist. Seit ich mit Fjoralba Turku, der Sängerin, zusammenarbeite, komme ich auch immer weiter weg vom Ethno-Sound. Ich sitze zwischen allen Stühlen, aber das macht mich eben aus.
JCS: Wie würdest Du das Verhältnis von Jazz und Folk bei Tabla and Strings beschreiben?
Goodman: Tabla ist eigentlich ein klassisches Instrument der Musik Nordindien, wie hier bei uns eine Geige. Zugleich ist sie ein Instrument der Volksmusik Afghanistans und Pakistans. Das Mandocello kommt aus der Folklore Italiens oder wird auch in deutschen Mandolinenorchestern als Bass eingesetzt. Und das Banjo (kichert), na das klingt eben amerikanisch. Ich spiele es mit einer Technik wie sie in den Appalachen im Osten üblich ist. Man könnte sagen, dass die Technik aus dem Folk stammt, aber die Tonleitern und der musikalische Zusammenhang ist eben Jazz.
JCS: Gibt es bei eurem Konzertprogramm am 8. November eine Gesamtdramaturgie und wenn ja, welche Idee liegt ihr zugrunde?
Goodman: Wir sind in der Quintettbesetzung ein junge Formation. Vor genau einem Jahr haben wir unsere erste CD aufgenommen, und das war auch das Debüt für unsere Sängerin Fjoralba Turku. Früher haben wir ohne Gesang und Saxophon gespielt, und in diesem Jahr ist unsere Musik Schritt für Schritt gewachsen und wir entwickeln kontinuierlich einen neuen Sound. In unseren Programmen gibt es immer ein großes Tabla-Solo, das meistens sehr gut ankommt beim Publikum, und ein Duo Gesang und Gitarre. Wir versuchen einfach einen guten Spannungsbogen zu bauen.
JCS: Wie seid ihr zu der neuen Besetzung gekommen?
Goodman: Die Sängerin Fjoralba Turku war eine Schülerin von mir, deshalb lag es nahe, mit ihr zusammen zu arbeiten. Dann hatte ich noch ein anderes Projekt Misery loves company, von dem ich wegwollte. Da hatte mein Produzent die Idee, mit dem Saxophonisten Charlie Mariano eine CD zu machen, und es hat tatsächlich geklappt. Nachdem wir die CD gemacht hatten, war klar, dass unser Sound ohne den Gesang und das Saxophon unvollständig gewesen wäre. Aber zu diesem Prozess sollte man eigentlich auch Fjoralba fragen.
JCS: Der Übergang zwischen komponierten und improvisierten Teilen ist in eurer Musik oft unmerklich. Wie würdest Du dieses Verhältnis beschreiben?
Goodman: Meine Kompositionen sind Bilder mit einer Struktur, die in der Improvisation weitergebaut werden kann. Manche meiner Themen sind einfach, manche sehr lang und kompliziert. Ich schreibe auch Stücke, in denen über das Thema und nicht über Harmonien improvisiert wird. Das Gesamtbild ist uns aber immer wichtiger als drei fantastische Soli. Die Soli müssen in einen Gruppenklang passen.
