Do, 07:04 Uhr
04.12.2008
Problem Borkenkäferbefall
In der Problematik Borkenkäferbefall in den Fichtenwäldern Thüringens fühlt sich die Landesregierung in ihrer Forstpolitik bestätigt. Und wie sieht es am Kyffhäuser aus?...
Der Forstschutz in Thüringen war heute Thema im Thüringer Landtag. Thüringens Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar, berichtete über die angespannte Situation in den Fichtenwäldern des Freistaates.
Vom Borkenkäferbefall besonders betroffen sind der Osten und Süden von Thüringen, mit den Forstämtern Leutenberg, Neustadt/Orla, Schleiz und Sonneberg. Die Fichtenborkenkäfer haben sich in den letzten fünf Jahren stark vermehrt. Grund waren die geringe Niederschlagsmenge und die hohen Monatstemperaturen. Erstmals sind in diesem Jahr auch die höheren Lagen des Thüringer Waldes vom Borkenkäferbefall betroffen. Die Zahl der unmittelbar befallenen Waldflächen ist auf fast 16.000 Befallsstellen hochgeschnellt. Das ist mit insgesamt 3.100 Einzelflächen der fünffache Wert im Vergleich zum Jahr 2007.
Trotz der zeitnahen Sanierung erkannter Befallsherde ergibt sich hieraus ein gewaltiges Gefahrenpotential für das Jahr 2009, stellt der Minister fest. Nun hängt es vor allem vom Witterungsverlauf im Winter und Frühjahr ab, wie hoch der Käferbestand im kommenden Jahr sein wird. Für dieses Jahr haben sich die Käfer bereits zur Überwinterung zurückgezogen.
Für den Waldschutz sind per Gesetz die Waldbesitzer zuständig. Sie werden dabei tatkräftig von den unteren Forstbehörden unterstützt. Im Hinblick auf die Borkenkäferbekämpfung seit dem Trockenjahr 2003 wurden deutliche Erfolge in Thüringen erzielt. Der Orkan Kyrill verursachte im Januar 2007 große Mengen an zusätzlichem Schadholz. Als eine der Sondermaßnahmen ermöglichte die Landesregierung die Einstellung von 77 Beschäftigten im Rahmen von Zeitverträgen. Ein Grund dafür, dass innerhalb von neun Monaten die Schadholzmengen zum großen Teil aufgearbeitet werden konnten. Die konzentrierte Aufarbeitung der etwa 3,5 Millionen Festmeter Schadholz einschließlich der Anlage von Holzlagerplätzen für etwa 350.000 Festmeter waren ein organisatorisches und logistisches Bravourstück, das viel zur Eingrenzung der unweigerlich dem Sturm folgenden Borkenkäfervermehrung beigetragen hat, so der Dr. Volker Sklenar.
Im laufenden Jahr konnte die Landesforstverwaltung mit Unterstützung des Finanzministeriums fünf Forstbedienstete beschäftigen und 30 Zeitverträge abschließen. Nur so war es möglich, im Zusammenwirken von Forstbehörden, Waldbesitzern und Forstdienstleistern bis Ende September dieses Jahres rund 90 Prozent der Borkenkäferbefallsstellen zu sanieren. Der Erfolg zeigt, dass die Maßnahmen der Landesregierung zur Borkenkäferbekämpfung fruchten. Vor diesem Hintergrund bemerkt der Minister abschließend, dass der Einstellungskorridor für die Wiederbesetzung von Stellen des gehobenen und höheren Forstdienstes auch 2009 und in den Folgejahren unerlässlich ist.
Und wie sieht es im Kyffhäuserkreis, speziell am Kyffhäuser, aus? KN hat bei Forstamtsleiter Uli Klüßendorf Thüringer Forstamt Oldisleben nachgefragt.
Die Wälder im Kyffhäuserkreis werden vor allem von den Laubholz-Baumarten Buche und Eiche geprägt. Diese Baumarten entsprechen der im Gebiet auch den natürlich, ohne wirtschaftliche Einflüsse der Menschen, vorkommenden potentiellen Waldgesellschaften. In den letzten zwei Jahrhunderten wurden aber auch auf Hainleite und im Kyffhäusergebirge immer wieder Nadelhölzer angepflanzt. Nach der großen Holznot um 1800 wurden Schafhutungen und ausgeplünderte, verlichtete Wälder oft wieder mit ertragreicher Fichte aufgeforstet.
Die Fichte liefert bestes Bauholz, wächst schnell in nutzungsreife Dimensionen. Aber sie ist ein Baum der Mittelgebirge mit hohen Ansprüchen an die Wasserversorgung. Die findet sie auf dem Kalk der Hainleite bei niedrigen Niederschlagsmengen nicht vor. Sie ist anfällig gegen Sturm und Schnee und in Folge von diesen Katastrophen auch gegen Insektenbefall.
Im Thüringer Forstamt Oldisleben haben wir heute eine Fläche von etwa 1.500 Hektar mit Fichte bestockt. Seit dem Trockenjahr 2003 lösen sich aber vor allem die Altbestände auf. Jahr für Jahr dezimiert der Borkenkäfer die Fichtenbestände. So müssen wir heute feststellen, dass pro Jahr etwa eine Fläche von 10 bis 20 Hektar Fichte durch notwendige aber unplanmäßige Holzeinschläge verloren geht. Für diese Flächen sehen die Konzeptionen ohnehin eine Überführung in Laubholzmischwälder vor, wenn man aber schnell nutzen muss, bleibt keine Zeit für eine Naturverjüngung.
Die Flächen müssen per Hand aufgeforstet werden. Das kostet viel Zeit und Geld. Die Kulturen müssen über mehrere Jahre gepflegt werden, bei Eichenpflanzungen muss sogar ein Gatter gegen den Wildverbiss gebaut werden. Das sind in den letzten fünf Jahren die Aufgabenschwerpunkte im Forstamt.
Der interessierte Waldbesucher kann am Verschwinden der Baumart Fichte in unserer Region den Klimawandel unmittelbar beobachten.
Erinnerung an die Waldtagung
Eine Tagung unter der Thematik Kyffhäuserwald – Forstwirtschaft und Naturschutz am 5.12.2008 ab 15:30 Uhr im Regionalmuseum Bad Frankenhausen will sich dem oben skizzierten Spannungsfeld allgemein verständlich widmen und vor Beginn der kommenden Holzeinschlags-Saison interessierten Bürgern ein Forum zum Dialog mit Naturschützern und Förstern bieten.
Am Sonnabendvormittag ist eine etwa dreistündige Wanderung in den Wäldern um das Panorama geplant. Bürger aus Bad Frankenhausen und Umgebung können diese Gelegenheit nutzen, um gemeinsam mit Revierleiter Jens Bracke forstliche und naturschutzfachliche Aspekte der Waldbewirtschaftung am Objekt Wald zu diskutieren. Treffpunkt ist am Sonnabend um 9:00 Uhr am Parkplatz Panoramamuseum.
Autor: khhDer Forstschutz in Thüringen war heute Thema im Thüringer Landtag. Thüringens Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar, berichtete über die angespannte Situation in den Fichtenwäldern des Freistaates.
Vom Borkenkäferbefall besonders betroffen sind der Osten und Süden von Thüringen, mit den Forstämtern Leutenberg, Neustadt/Orla, Schleiz und Sonneberg. Die Fichtenborkenkäfer haben sich in den letzten fünf Jahren stark vermehrt. Grund waren die geringe Niederschlagsmenge und die hohen Monatstemperaturen. Erstmals sind in diesem Jahr auch die höheren Lagen des Thüringer Waldes vom Borkenkäferbefall betroffen. Die Zahl der unmittelbar befallenen Waldflächen ist auf fast 16.000 Befallsstellen hochgeschnellt. Das ist mit insgesamt 3.100 Einzelflächen der fünffache Wert im Vergleich zum Jahr 2007.
Trotz der zeitnahen Sanierung erkannter Befallsherde ergibt sich hieraus ein gewaltiges Gefahrenpotential für das Jahr 2009, stellt der Minister fest. Nun hängt es vor allem vom Witterungsverlauf im Winter und Frühjahr ab, wie hoch der Käferbestand im kommenden Jahr sein wird. Für dieses Jahr haben sich die Käfer bereits zur Überwinterung zurückgezogen.
Für den Waldschutz sind per Gesetz die Waldbesitzer zuständig. Sie werden dabei tatkräftig von den unteren Forstbehörden unterstützt. Im Hinblick auf die Borkenkäferbekämpfung seit dem Trockenjahr 2003 wurden deutliche Erfolge in Thüringen erzielt. Der Orkan Kyrill verursachte im Januar 2007 große Mengen an zusätzlichem Schadholz. Als eine der Sondermaßnahmen ermöglichte die Landesregierung die Einstellung von 77 Beschäftigten im Rahmen von Zeitverträgen. Ein Grund dafür, dass innerhalb von neun Monaten die Schadholzmengen zum großen Teil aufgearbeitet werden konnten. Die konzentrierte Aufarbeitung der etwa 3,5 Millionen Festmeter Schadholz einschließlich der Anlage von Holzlagerplätzen für etwa 350.000 Festmeter waren ein organisatorisches und logistisches Bravourstück, das viel zur Eingrenzung der unweigerlich dem Sturm folgenden Borkenkäfervermehrung beigetragen hat, so der Dr. Volker Sklenar.
Im laufenden Jahr konnte die Landesforstverwaltung mit Unterstützung des Finanzministeriums fünf Forstbedienstete beschäftigen und 30 Zeitverträge abschließen. Nur so war es möglich, im Zusammenwirken von Forstbehörden, Waldbesitzern und Forstdienstleistern bis Ende September dieses Jahres rund 90 Prozent der Borkenkäferbefallsstellen zu sanieren. Der Erfolg zeigt, dass die Maßnahmen der Landesregierung zur Borkenkäferbekämpfung fruchten. Vor diesem Hintergrund bemerkt der Minister abschließend, dass der Einstellungskorridor für die Wiederbesetzung von Stellen des gehobenen und höheren Forstdienstes auch 2009 und in den Folgejahren unerlässlich ist.
Und wie sieht es im Kyffhäuserkreis, speziell am Kyffhäuser, aus? KN hat bei Forstamtsleiter Uli Klüßendorf Thüringer Forstamt Oldisleben nachgefragt.
Die Wälder im Kyffhäuserkreis werden vor allem von den Laubholz-Baumarten Buche und Eiche geprägt. Diese Baumarten entsprechen der im Gebiet auch den natürlich, ohne wirtschaftliche Einflüsse der Menschen, vorkommenden potentiellen Waldgesellschaften. In den letzten zwei Jahrhunderten wurden aber auch auf Hainleite und im Kyffhäusergebirge immer wieder Nadelhölzer angepflanzt. Nach der großen Holznot um 1800 wurden Schafhutungen und ausgeplünderte, verlichtete Wälder oft wieder mit ertragreicher Fichte aufgeforstet.
Die Fichte liefert bestes Bauholz, wächst schnell in nutzungsreife Dimensionen. Aber sie ist ein Baum der Mittelgebirge mit hohen Ansprüchen an die Wasserversorgung. Die findet sie auf dem Kalk der Hainleite bei niedrigen Niederschlagsmengen nicht vor. Sie ist anfällig gegen Sturm und Schnee und in Folge von diesen Katastrophen auch gegen Insektenbefall.
Im Thüringer Forstamt Oldisleben haben wir heute eine Fläche von etwa 1.500 Hektar mit Fichte bestockt. Seit dem Trockenjahr 2003 lösen sich aber vor allem die Altbestände auf. Jahr für Jahr dezimiert der Borkenkäfer die Fichtenbestände. So müssen wir heute feststellen, dass pro Jahr etwa eine Fläche von 10 bis 20 Hektar Fichte durch notwendige aber unplanmäßige Holzeinschläge verloren geht. Für diese Flächen sehen die Konzeptionen ohnehin eine Überführung in Laubholzmischwälder vor, wenn man aber schnell nutzen muss, bleibt keine Zeit für eine Naturverjüngung.
Die Flächen müssen per Hand aufgeforstet werden. Das kostet viel Zeit und Geld. Die Kulturen müssen über mehrere Jahre gepflegt werden, bei Eichenpflanzungen muss sogar ein Gatter gegen den Wildverbiss gebaut werden. Das sind in den letzten fünf Jahren die Aufgabenschwerpunkte im Forstamt.
Der interessierte Waldbesucher kann am Verschwinden der Baumart Fichte in unserer Region den Klimawandel unmittelbar beobachten.
Erinnerung an die Waldtagung
Eine Tagung unter der Thematik Kyffhäuserwald – Forstwirtschaft und Naturschutz am 5.12.2008 ab 15:30 Uhr im Regionalmuseum Bad Frankenhausen will sich dem oben skizzierten Spannungsfeld allgemein verständlich widmen und vor Beginn der kommenden Holzeinschlags-Saison interessierten Bürgern ein Forum zum Dialog mit Naturschützern und Förstern bieten.
Am Sonnabendvormittag ist eine etwa dreistündige Wanderung in den Wäldern um das Panorama geplant. Bürger aus Bad Frankenhausen und Umgebung können diese Gelegenheit nutzen, um gemeinsam mit Revierleiter Jens Bracke forstliche und naturschutzfachliche Aspekte der Waldbewirtschaftung am Objekt Wald zu diskutieren. Treffpunkt ist am Sonnabend um 9:00 Uhr am Parkplatz Panoramamuseum.