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Di, 07:15 Uhr
14.04.2009

Kinder im Wald lassen!

Wildkatzenkatzen-Kinder im Wald lassen! Darum bittet
der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) derzeit die Waldbesucher. Denn jetzt im Frühling bringt die seltene und streng geschützte Europäische Wildkatze ihren Nachwuchs, meist zwei bis vier Kätzchen, zur Welt...

Nicht mit nach Hause nehmen (Foto: Claus Bauer) Nicht mit nach Hause nehmen (Foto: Claus Bauer)

Zwar ist die kleinste Raubkatze Deutschlands sehr scheu und lebt versteckt in urigen Wäldern, „aber gerade junge Katzenkinder spielen schon mal auf einem Waldweg oder im schlimmsten Fall auf einer Straße“ so Mandy Henning-Hahn, die niedersächsische Koordinatorin des BUND-Projektes „Rettungsnetz Wildkatze“. Da die Kätzin ihre Jungen mit Mäusen versorgen muss, wird der Nachwuchs teilweise über mehrere Stunden allein gelassen.

Und kleine Katzen sind, wie alle Tierkinder, sehr neugierig und bleiben nicht immer in ihren Verstecken. „Es ist leider schon vorgekommen“, so Henning-Hahn, „dass Wildkatzenkinder versehentlich aus dem Wald mitgenommen wurden“. Eine Wildkatze ist von einer grau getigerten Hauskatze für Laien nur schwer zu unterscheiden. Gerade die Jungtiere sind, im Gegensatz zu den ausgewachsenen Wildkatzen mit ihrer verwaschenen Fellzeichnung, stärker gezeichnet und sehen jungen Hauskatzen zum Verwechseln ähnlich. „Man kann aber davon ausgehen, dass eine Hauskatze sich mit ihren Jungen nicht in den Wald begibt. Das ist einfach nicht der Aktionsraum, in dem unsere Stubentiger sich bewegen“, erklärt die Wildkatzenexpertin.

Wenn Sie also beim nächsten Waldspaziergang mauzende Katzenkinder z. B. in aufgestapelten Holzpoltern sehen oder hören, dann haben sie vielleicht eine Wildkatzenfamilie entdeckt. Das Motto „Bitte nicht stören!“ gilt bei den wilden Verwandten der Hauskatze genauso wie bei allen anderen Wildtieren. Denn die Frühjahrzeit ist die saisonale Wurf- und Setzzeit für viele Tiere. Nicht umsonst gilt jetzt auch die Leinenpflicht für Hunde. Meldungen über Sichtungen und Totfunde von Wildkatzen sind wertvolle Hinweise zur Verbreitung der europaweit geschützten Art in Niedersachsen.

Sie werden sowohl über das Projekt (projektbuero.wildkatze@nds.bund.net) als auch den Nationalpark Harz (Frank Raimer, Sankt Andreasberg-Oderhaus) oder über die Fachbehörde NLWKN in Hannover (Frau Bärbel Pott-Dörfer) entgegengenommen. Der BUND setzt sich mit seinem Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Harz, dem Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) und weiteren Partnern für den Erhalt dieser Tierart in Deutschlandbreit ein. Denn die „Harztiger“ sind durch immer weiter voranschreitende Landschaftszerschneidung und Verinselung von Waldgebieten stark bedroht.

Nähere Informationen dazu finden Sie unter www.wildkatze.info und www.bund-niedersachsen.de. Gefördert wird das BUND-Projekt von der niedersächsischen Lottostiftung „BINGO – Die Umweltlotterie“ und der Volkswagen AG.
Autor: nnz/kn

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Kommentare
Peppone
14.04.2009, 22:27 Uhr
Umweltschutz mal anders
Ein guter Beitrag vom BUND! Ergänzend würde ich noch anfügen, dass man alle „Tierkinder“ auch in keinem Falle berühren sollte. Mitunter nimmt das Muttertier sie nach solchen „Streicheleinheiten“ aufgrund der Witterung (Geruches) des Menschen nicht mehr an und sie verhungern qualvoll. Für kleine Rehkitze, Rotkälber und Junghasen zum Beispiel gehört es zur Überlebensstrategie, sich bewegungslos im Gras oder Unterholz zu „drücken“.

Sie zeigen genetisch bedingt noch kein Fluchtverhalten, einem Feind (Beutegreifer) wären sie an Geschwindigkeit hoffnungslos unterlegen. Ihr Vorteil ist ihr noch fehlender Eigengeruch. Manch gut gemeinte Hilfe für so ein regungsloses Jungtier führt dann mitunter zum Gegenteil!

Was die Wildkatze konkret betrifft, nicht nur in Niedersachsen, sondern auch und ganz speziell in Nordthüringen gibt es Wildkatzenbestände. Im Unterschied zu Niedersachsen gibt es sie hier sogar schon viel länger. Im Südharz, in der Windleite, im Kyffhäusergebirge und in der Hainleite war die Wildkatze nie ganz verschwunden. Vermutlich sind seit den frühen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts sogar die natürlichen maximalen Bestandshöhen in Windleite und Kyffhäuser erreicht. Eine territorial lebende Wildkatze beansprucht ca. 1000 ha Revier. Als bildlichen Vergleich, ein ebenfalls territorial lebendes Reh beansprucht hier in unserer Gegend ca. 10ha Revier. Die Wahrscheinlichkeit eine Wildkatze zu beobachten ist also schon rein rechnerisch 100 mal kleiner, als ein Reh zu beobachten.

Natürlich überschneiden sich Wildkatzenreviere auch mit Streifgebieten von Hauskatzen, die hauptsächlich von den afrikanischen Falbkatzen abstammen. Beide Arten können sich auch kreuzen. Ergebnis sind die so genannten „Blendlinge“, welche sich unter natürlichen Bedingungen aber offensichtlich nicht durchsetzen können und bisher nicht zum Auslöschen der Wildkatzenpopulation geführt haben.

Es gab auch im Südharz zwischen 2004 und 2007 Untersuchungen hinsichtlich Jungensterblichkeit von Wildkatzen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass eine hohe Sterblichkeit durch Prädatoren (Beutegreifer wie Füchse, Greifvögel, Marder…) zu verzeichnen ist. Derzeit untersucht man in Sachsen-Anhalt den neu hinzukommenden Einfluss des Luchses auf die Sterblichkeit von Wildkatzen.
Die Schaffung eines sogenannten Wandernetzes für die Wildkatze ist in jeden Fall ein richtiger Weg.

Einige Wildtierarten leben heute nur noch auf „Inseln“, von denen weder eine Ausbreitung noch ein nötiger genetischer Austausch stattfinden kann. Von solchen Wandernetzen würden viele Tierarten profitieren!
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